Standort für Laden gesucht „Wie unmündige Kinder behandelt“? Leonberger Diakonie kontert Kritik

Der Diakonie-Kontaktladen im ehemaligen „Polster-Bendel“-Gebäude: Dass das Areal über kurz oder lang neu gestaltet wird, gilt als sehr wahrscheinlich. Foto: Simon Granville

Drei ehemalige Ehrenamtliche der Diakonie äußern in einem offenen Brief Zweifel, dass die Diakonie intensiv nach Räumen für den Diakonieladen sucht. Es zähle nur Wirtschaftlichkeit.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Ende Mai wandert der Schlüssel zurück zum Vermieter. Dann ist der Diakonie-Kontaktladen in Leonberg Geschichte – zumindest an seinem bisherigen Standort im früheren „Polster Bendel“ an der Ecke Bahnhof-/Rutesheimer Straße. 17 Jahre lang konnten Bürgerinnen und Bürger dort ihre nicht mehr benötigte, gut erhaltene Kleidung sowie Haushaltsartikel spenden. Ehrenamtliche sortierten die Waren und bereiteten sie für den Verkauf vor – damit Menschen mit kleinem Geldbeutel günstig einkaufen konnten.

 

Mit dem Diakonie-Kontaktladen soll es auf jeden Fall weitergehen

Dass es mit dem Laden weitergehen soll, das betonen Dekanin Gabriele Waldbaur sowie Diakonie-Bezirksgeschäftsführer Tom Bredow nach wie vor. Allerdings: in der jüngsten Vergangenheit wurden auch Stimmen laut, die diese Absichten infrage stellen.

So äußerte sich Ende April etwa der Weissacher Roland Maier, ein langjähriger ehrenamtlicher Helfer im Laden, äußerst kritisch. In einem offenen Brief, den auch zwei weitere Helferinnen unterzeichnet haben, bezweifelt er, dass intensiv nach neuen Räumlichkeiten gesucht werde. Für die Diakonie zähle „vielmehr nur die Frage der Wirtschaftlichkeit des Ladens, ohne Rücksicht auf die Notwendigkeit dieser Einrichtung“.

Bild aus dem Jahr 2013: die damalige Leiterin Birgit Keck und der ehrenamtliche Verkäufer Horst Haigis. Foto: Daniel Renkonen

Starker Tobak, mit dem sich Waldbaur, Bredow und ausdrücklich auch Diakonie-Verbandsgeschäftsführerin Simone Schächterle konfrontiert sehen. „Uns zu unterstellen, wir würden nicht suchen, ist schlicht falsch“, betont Gabriele Waldbaur. Allerdings könne man wenig unternehmen, wenn einem nicht geglaubt werde. „Schließlich können wir nicht alle 45 Ehrenamtlichen zu jedem Objekt mitnehmen, das vielleicht infrage kommt.“

Beim Diakonie-Kontaktladen zählt nicht nur das Wirtschaftliche

Dass ausschließlich die Wirtschaftlichkeit zähle, relativiert Tom Bredow. „Ja, ein Teil meiner Arbeit ist es, all das wirtschaftlich zu halten.“ Da die Diakonie viele Bereiche und Angebote unter ihrem Dach vereine, könne man nicht einen einzelnen Bereich herausheben. „In dem Moment, in dem etwas in Schieflage gerät, müssen wir etwas ändern“, so Bredow weiter. Gabriele Waldbaur ergänzt: „Wir wollen mit dem Laden null erwirtschaften. Gäbe es eine schwarze Null, wären wir glücklich.“ Die gab es in der Vergangenheit nicht mehr – was auch an der Größe des bisherigen Ladens lag. 400 Quadratmeter waren viel zu viel. Hinzu kam, dass die Bausubstanz des Hauses laut Bredow und Waldbaur nicht mehr die beste ist.

„Es hat reingeregnet, im Sommer war es unerträglich heiß und im Winter bitterkalt“, berichten sie – mit dem Zusatz, dass man auch eine Fürsorgepflicht für die Ehrenamtlichen habe.

Dass einige nun frustriert seien, könne man nachvollziehen. „Der Laden war für viele Menschen ein Treffpunkt – für Mitarbeitende und für Kunden“, sagt Bredow. Sowohl der Bezirksgeschäftsführer als auch die Dekanin hätten sich laut eigener Aussage nichts lieber gewünscht als einen nahtlosen Übergang. „Dass wir innerhalb eines Jahres nichts Neues finden, damit hätten wir nicht gerechnet“, sagt Gabriele Waldbaur.

Im Februar habe man die Ehrenamtlichen bei einem eineinhalbstündigen Treffen informiert, dass ein direkter Übergang an einen neuen Standort nicht mehr realistisch sei. „Der Verfasser des Briefes war nicht dabei“, so Waldbaur, die die Enttäuschung dennoch versteht – sich aber klar gegen Aussagen Roland Maiers verwehrt, die Ehrenamtlichen seien „wie unmündige Kinder“ behandelt worden.

Was mit „Polster Bendel“-Gebäude geschieht, ist noch nicht bekannt

Was nach dem Auszug des Diakonie-Kontaktladens mit dem Gebäude geschieht, darüber gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Fakt ist, dass die Stadt ein Vorkaufsrecht für das Areal besitzt – und im Dezember 2024 vom Gemeinderat beauftragt wurde, dieses auch auszuüben. Verkehrswert des Grundstücks mitsamt Gebäude: 650 000 Euro.

Da das Grundstück im Geltungsbereich des Stadtumbaugebiets „Stadtumbau Leonberg – Zwischenstadt“ liegt, dürfte es wahrscheinlich sein, dass es dort irgendwann gänzlich anders aussehen wird. Denn: „Eine Zielsetzung des Stadtumbaus ist die Schaffung und die Gestaltung öffentlicher Räume und die Neuordnung der Verkehrs- und Wegeverbindungen.“ So heißt es in der Sitzungsvorlage zur damaligen Ratssitzung.

Zuversicht: Der Laden wird einen neuen Platz finden

Bleibt die Frage: Wohin mit dem Diakonie-Kontaktladen? „Wir schauen uns wirklich viele, viele Sachen an“, versichert Tom Bredow. Dabei könne man aber natürlich keine Miete zahlen, die astronomisch sei. Aktuell seien jedoch tatsächlich Objekte in der engeren Prüfung. „Wir sind zuversichtlich“, fügt Gabriele Waldbaur hinzu.

Anforderungen an den neuen Laden

Größe
Der neue Laden sollte mindestens 100 Quadratmeter Fläche haben und über Sanitär- sowie einen bis zwei Nebenräume verfügen. Die Warmmiete sollte 2000 Euro im Monat nicht übersteigen.

Lage
Der Laden sollte sich im Erdgeschoss eines Hauses möglichst in zentraler Lage befinden.

Kontakt
Interessierte können sich an Bezirksgeschäftsführer Tom Bredow wenden, per E-Mail an bredow@diakonie-leonberg.de oder telefonisch unter 0 71 52/33 29 40 21.

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