Standorte für Stuttgarter Interimsoper Oper positioniert sich beim Ausweichquartier

Von Thomas Braun 

Im April will der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater darüber befinden, wo Oper und Ballett für die Dauer der Sanierung und des Umbaus des Großen Hauses unterkommen. Die Intendanz legt in der Debatte um den richtigen Interimsstandort vor.

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Stuttgart - Noch drei Monate – dann soll die Interimsspielstätte für die sanierungsbedürftige Stuttgarter Staatsoper feststehen. Derzeit prüft die Landesbauverwaltung intensiv die vier von OB Fritz Kuhn (Grüne) vorgeschlagenen Standorte: ein Grundstück an der Ecke Schillerstraße/Willy-Brandt-Straße, ein Areal zwischen Innenministerium und Planetarium, das frühere Paketpostamt an der Ehmannstraße sowie eine Fläche beim Mercedes-Museum. Mitte April will sich der Verwaltungsrat der Staatstheater festlegen. Die Nutzer des Provisoriums, Oper und Ballett, könnten mit den erstgenannten Varianten leben – ein Umzug nach Bad Cannstatt dagegen erscheint den Ensem­bles nur schwer vorstellbar.

Schon kurz nach Bekanntgabe der infrage kommenden Standorte hatten die Kulturschaffenden zu erkennen gegeben, dass ihnen eine Interimsspielstätte im Neckarpark zu abgelegen erscheint und sie um ihr Publikum und entsprechende Einnahmeverluste fürchten. Verbunden mit der Drohung, Ensemblemitglieder könnten womöglich angesichts der Aussicht auf ein mindestens fünfjähriges Provisorium zwischen Schleyerhalle, Mercedes-Benz-Arena und Daimlerzentrale nach London, Paris oder New York abwandern, ließen die Intendanten keinen Zweifel daran, dass sie diesen Standort für ungeeignet erachten. OB Kuhn dagegen wird eine gewisse Sympathie just für dieses Gelände nachgesagt.

Variante 1: Umzug und Sanierung in einem Rutsch

Vorstellbar ist für die Verwaltung und die Künstler der Württembergischen Staatstheater dagegen nach Informationen dieser Zeitung ein vorübergehender Umzug von Oper und Ballett in das ehemalige Paketpostamt am Rosensteinpark. Das Bestandsgebäude müsste allerdings zuvor mit dem entsprechenden finanziellen Aufwand für die Bedürfnisse der Oper und des Balletts aufgerüstet werden, bevor sich dort der erste Vorhang hebt. So wäre zum Beispiel der Bau eines Bühnenturms für die Opernmaschinerie und Bühnentechnik unerlässlich. Und auch das Umfeld der Ehmannstraße müsste aus Sicht der Intendanz aufgewertet werden. Der abendliche Gang durch den dunklen Rosensteinpark etwa wäre jenen Opernfans oder Ballettinteressierten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, kaum zuzumuten. Denkbar wäre die Einrichtung eines Bus- oder gar eines Zug­shuttles, das auf den vorhandenen Bahngleisen die Besucher direkt zum Paketpostamt bringt.

Vorteil aus Sicht der Intendanz: Der Umzug könnte in einem Rutsch bewerkstelligt werden, die Sanierung der historische Littmann-Oper im Oberen Schlossgarten parallel zum Abriss des Kulissengebäudes entlang der Konrad-Adenauer-Straße erfolgen. Der Umbau des früheren Postamts zur Ausweichspielstätte wäre allerdings sicherlich nicht unter 20 Millionen Euro zu haben – für eine reine Interimsvariante ohne Nachnutzung ein dicker finanzieller Batzen, den die Träger der Staatstheater, das Land und die Stadt, jeweils zur Hälfte aufbringen müssten.

Variante 2: Abschnittsweise Sanierung und ein Fertigbau als Übergangsquartier

Ginge man die Opernsanierung dagegen abschnittsweise an, könnten sich Oper und Ballett nach Recherchen dieser Zeitung auch mit einem neu zu errichtenden Provisorium am Rande des Mittleren Schlossgartens auf dem Stuttgart-21-Areal anfreunden. Der immer wieder geforderte Bau einer Philharmonie an dieser Stelle, der dann vorübergehend Unterschlupf für Oper und Ballett böte und später als Konzertsaal genutzt werden könnte, erscheint allerdings selbst den Verantwortlichen der Staatstheater aus technischer Sicht fraglich: Direkt unter dem Areal verlaufen die derzeit im Bau befindlichen Stadtbahntunnel, die wegen des Stuttgart-21-Tiefbahnhofs verlegt werden müssen. Das erschwert die Gründung eines Fundaments maximal. Als Vorbild für ein Interimsquartier an diesem Platz schwebt den Intendanten das Genfer Modell vor: ein aus Holzteilen gefertigter, nach Ende der Nutzung demontierbarer Bau, wie er derzeit auch in München für die Sanierungsdauer der Gasteig-Philharmonie diskutiert wird, nachdem er sich zuvor in der Schweiz als Übergangsquartier während der zweijährigen Sanierung der Genfer Oper bereits bewährt hatte. Ein solcher Bau hätte zwar von außen eher den Charme einer Turnhalle, die Gründung wäre allerdings weniger aufwendig, und der auch höheren akustischen Ansprüchen genügende Funktionsbau könnte nach fünf Jahren wieder demontiert und sogar weiterveräußert werden. Zudem bliebe die Oper im Stadtzentrum.

Auch die Zeitachse spricht aus Sicht der Opernverantwortlichen für diese Variante: Man könnte, wie im Sanierungsgutachten von Kunkel Consulting vorgeschlagen, die Sanierung der Staatsoper beginnend mit dem Abriss und Neubau des Kulissengebäudes in modularer Bauweise unter laufendem Betrieb angehen. Der Littmann-Bau, also die eigentliche Opernspielstätte, wäre dann das letzte Glied in der Kette und könnte noch Jahre weiter bespielt werden. Angesichts der langwierigen Bebauungsplanverfahren, des geplanten Architektenwettbewerbs für die Opernsanierung sowie der politischen Diskussion über das Thema wäre eine standortnahe Interimsvariante wohl frühestens Mitte der 2020er Jahre tatsächlich zu realisieren. Spätestens bis dahin rechnet die Intendanz damit, dass die Bahn ihre Arbeiten für den Tiefbahnhof im Mittleren Schlossgarten abgeschlossen hat und das Areal dann für einen solchen Fertigbau frei wäre.

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