Standortentscheidung für Stuttgarter Operninterim Breite Mehrheit für Oper in Paketpostamt steht

Von Thomas Braun 

Die Entscheidung über den Interimsstandort für Oper und Ballett ist praktisch in trockenen Tüchern. Land, Stadt und Intendanz sprechen sich für das frühere Paketpostamt am Rosensteinpark aus. Es gibt aber auch Kritik.

In dieser Halle finden Oper und Ballett während der Sanierungszeit des Großen Hauses vorübergehend Unterschlupf – und fast alle finden es gut. Foto: Wolfgang List
In dieser Halle finden Oper und Ballett während der Sanierungszeit des Großen Hauses vorübergehend Unterschlupf – und fast alle finden es gut. Foto: Wolfgang List

Stuttgart - Übereinstimmend haben sich sowohl die Intendanz der Württembergischen Staatstheater als auch die baden-württembergische Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) für das frühere Paketpostamt am Rosensteinpark als Interimsspielstätte für Oper und Ballett ausgesprochen. An die Adresse der CDU-Fraktion im Gemeinderat, die ihr Votum unter den Vorbehalt gestellt hatte, dass bis zur Sitzung des Verwaltungsrats am 27. November eine exakte Kostenberechnung für das Übergangsquartier vorzuliegen habe, appellierte die Ministerin eindringlich, den Standortbeschluss rasch herbeizuführen: „Wir haben durchaus einen gewissen zeitlichen Druck. Die grundsätzliche Klärung des Standorts ist Voraussetzung dafür, dass die Planung präzisiert und im Frühjahr 2018 der Umsetzungsbeschluss für die Generalsanierung des Großen Hauses gefällt werden kann.“

Die designierten Intendanten von Oper und Ballett, Viktor Schoner und Tamas Detrich, begrüßten den Standort an der Ehmanstraße ebenfalls. Detrich erklärte, der Ort befinde sich in unmittelbarer Nähe zur City und biete sehr viel Potenzial. „Ganz gleich, auf welcher Bühne wir tanzen, wir tanzen immer auf Weltklasse-Niveau“, so Detrich, der sich im Vorfeld eindeutig gegen eine Übergangsspielstätte beim Mercedes-Museumpositioniert hatte. Schoner erklärte, das Interim am Rosensteinpark wäre „eine sehr gute Lösung“. Die Übergangsspielstätte könne zu einer „neuen, vergrößerten Vorstellung“ des Begriffs Innenstadt beitragen. Der geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, unterstrich, man könne an dieser Stelle „mit einigen klugen Ertüchtigungsmaßnahmen“ ein vorübergehendes Performing Arts Center schaffen, das Lust auf neue Entdeckungen machen werde.

CDU-Fraktionschef präzisiert Forderung nach detaillierter Kostenaufstellung

Dagegen zeigte sich die Landtags-FDP enttäuscht. Die Abgeordnete Gabriele Reich-Gutjahr kritisierte, Stuttgart werde um eine große Chance beraubt, weil die Stadt und speziell OB Fritz Kuhn (Grüne) einem dauerhaft nutzbaren Hybridbau (Konzerthalle plus Interimsoper) nach den Ideen des Stuttgarter Architekten Arno Lederer eine Absage erteilt habe. Dass der favorisierte Vorschlag mit dem früheren Paketpostamt im Gemeinderat nicht auf Euphorie stoße, zeige sich an den Vorbehalten der CDU-Fraktion, so Reich-Gutjahr.

Deren Fraktionschef Alexander Kotz erklärte am Mittwoch auf Anfrage, er sei nicht grundsätzlich gegen den Standort am Rosensteinpark: „Ich bitte aber die Verwaltung und den OB, vor der Verwaltungsratssitzung am 27. November eine möglichst präzise und nachvollziehbare vergleichende Kostenschätzung eines Interims im Paketpostamt oder auf dem Grundstück am Mercedes-Museum vorzulegen.“ Kotz erinnerte an die Fehleinschätzung der Kosten durch die Landesbauverwaltung bei der Sanierung des Schauspielhauses oder dem Bau des John-Cranko-Ballettinternats. Der Verwaltungsrat ist allerdings auf die beiden Stimmen der städtischen Unionsvertreter bei der Beschlussfassung nicht angewiesen.

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