Standortsuche für duales Studium Ludwigsburg verliert Studiengang an Kornwestheim

Von Lisa Kutteruf und Peter Meuer 

Erst standen das Ludwigsburger Wüstenrot-Areal und das Getrag-Areal zur Debatte. Nun will die Hochschule Reutlingen ihren dualen Studiengang im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen auf dem Salamander-Areal ansiedeln.

Das Salamander-Areal wird voraussichtlich zum Hochschul-Campus. Foto: Christian Mateja
Das Salamander-Areal wird voraussichtlich zum Hochschul-Campus. Foto: Christian Mateja

Ludwigsburg - Dual, digital und innovativ: Der Studiengang Digital Engineering and Management soll Wirtschaftsingenieure hervorbringen – und damit neue Fachkräfte für Unternehmen in der Region. Noch im Juli sah alles danach aus, als könnten sich die künftigen Studenten schon im Herbst 2020 in Ludwigsburg einschreiben. Doch nun zeichnet sich eine Wende ab: Die Hochschule Reutlingen will den neuen Studiengang auf dem Salamander-Areal in Kornwestheim ansiedeln.

„Wir haben schon Vorgespräche mit der Stadt geführt“, sagt Daniel Geigis. Als Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Knowledge Foundation, welche die Hochschule Reutlingen eigens für solche Projekte gegründet hat, führt Geigis die Verhandlungen über den Standort. Noch sei nichts unterschrieben, sagt er. „Doch wenn nichts mehr Außergewöhnliches passiert, bleibt es dabei“ – und der neue Campus entsteht in Kornwestheim.

Als Standort für den Studiengang war zunächst das Ludwigsburger Wüstenrot-Areal, später dann das Getrag-Areal im Gespräch gewesen. Dass der Campus nun auf dem Salamander-Areal auf Kornwestheimer Gemarkung entstehen soll, hat laut Geigis unter anderem zeitliche Gründe: „Die Räumlichkeiten in Kornwestheim sind bezugsfertig“, sagt er. „Auf dem Getrag-Areal wären hingegen enorme Anfangsinvestitionen nötig gewesen.“

Salamander-Areal ist bezugsfertig

Die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck ist optimistisch. Zwar hatte sie bereits vergangene Woche betont, dass „noch nicht alles in trockenen Tüchern“ sei. Doch die Gegebenheiten auf dem Kornwestheimer Salamander-Areal seien ideal. „Es wäre ein absoluter Gewinn für uns als Bildungsstandort“, betont die Rathauschefin, „ein Markenzeichen.“

„Wir sind sehr überrascht über diese aktuelle Entwicklung“, sagt der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht verschnupft. Schließlich habe die Stadtverwaltung der Hochschule Räume auf dem Getrag-Areal angeboten und vielversprechende Gespräche geführt.

Keck hält eine Kooperation mit Ludwigsburg grundsätzlich für denkbar. „Wir haben gute und langjährige Erfahrungen in der Zusammenarbeit“, sagt sie, und nennt als Beispiele die gemeinsamen Stadtwerke mit Ludwigsburg und das Rechnungsprüfungsamt. Auch Knecht kann sich eine Zusammenarbeit vorstellen. „Das macht aber nur Sinn, wenn Ludwigsburg dabei auch zur Geltung kommt.“

Standort soll ausbaufähig sein

Die Hochschule Reutlingen legt nach Geigis Angaben Wert auf einen ausbaufähigen Standort, sodass später noch ein Masterstudiengang angedockt werden kann. Darüber hinaus sollen die Gebäude zum innovativen Charakter des Studiengangs passen. „Das Salamander-Gelände ist ein altehrwürdiges Areal, das dann neu genutzt würde“, sagt Geigis. Zudem soll die Qualität des Reutlinger Studiengang durch Experten überprüft werden. Das verschärft den Zeitdruck, da eine solche Akkreditierung langwierig ist und der Standort laut Geigis eine wichtige Rolle spielt. Dazu kommt, dass die Unternehmen, mit denen die Knowledge Foundation kooperieren will, wissen wollen, wo die dualen Studenten studieren werden.

Die angehenden Wirtschaftsingenieure sollen bereits während des Studiums Praxisluft schnuppern. Mit acht Firmen wird sich die Reutlinger Knowledge Foundation nächste Woche bei einem Workshop zusammensetzen, verrät Geigis. Etwa die Hälfte der Firmen habe eine Zusammenarbeit bereits zugesichert, darunter MHP und Lapp Kabel.

Höhe der finanziellen Unterstützung ist zweitrangig

Nicht ausschlaggebend für die Entscheidung war Geigis zufolge, wie viel Geld die Städte in die Kooperation stecken wollen. Die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck hatte angekündigt, die Ansiedlung mit 50 000 Euro jährlich zu unterstützen. Der frühere Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec hatte seinerzeit von 150 000 Euro jährlich gesprochen. „Die Finanzierung in dieser Höhe steht jedoch noch unter Vorbehalt“, sagt Knecht. Eine Entscheidung werde erst mit der Verabschiedung des Haushalts im Dezember fallen. Und nur, wenn Ludwigsburg das Rennen macht.