„Star Trek: Lower Decks“ bei Amazon Eitle Captains und bockige Aliens

Die Draufgängerin Beckett Mariner – hier mit einem Klingonenschwert – hält den Streber Brad Boimler auf Trab. Foto: Amazon

Die satirische Trickserie „Star Trek: Lower Decks“ auf Amazon zeigt, was die niederen Ränge an Bord der Raumschiffe beschäftigt und bewegt.

Stuttgart - Brad Boimler ist ein Streber und Hasenfuß. Er hält sich sklavisch an Vorschriften, duckt sich gerne weg und möchte nur seinen Job machen an Bord des Raumschiffs Cerritos, einem Schwesterschiff der Enterprise. Das verhindert seine Kollegin Beckett Mariner, eine hyperaktive Draufgängerin und Unruhestifterin, die auf Regeln pfeift, in Krisen aber über sich hinauswächst.

 

Die beiden sind „Ensigns“, eine Art Unterleutnants. In der soeben auf Amazon gestarteten „Star Trek“-Serie „Lower Decks“ verrichten sie allerlei niedere Dienste, die das Schiff am Laufen halten – sie befreien etwa das Holodeck von wüsten Abfällen. Und sie denken wie typische Angestellte: Ohne sie würde der Laden zusammenbrechen, aber die Chefs auf der Brücke heimsen den Ruhm ein. Allerdings werden die Ensigns in jeder Episode aus ihrer Routine gerissen und geraten in allerlei Abenteuer im All und auf fremden Planeten mit ziemlich schrägen Aliens.

Eine alte Kult-Episode stand Pate

Tatsächlich konzentriert sich „Star Trek“ sonst auf die Leitungszirkel um Captain Kirk (1966–69), Picard (1987–1994) und Janeway (1995–2001) oder aktuell um die Offizierin Michael Burnham (seit 2017). Was die unteren Dienstgrade umtreibt, gab es nur ein einziges Mal zu sehen: in „Lower Decks“ (1994), der 15. Episode der siebten Staffel von „Next Generation“. Unter Trekkies ist diese Folge Kult, es war also an der Zeit, ihnen ein eigenes Format zu widmen. Alex Kurtzman, Showrunner der Netflix-Serie „Star Trek: Discovery“, hat sich für bissige Satire entschieden und Mike McMahan engagiert, den Erfinder der absurd schwarzhumorigen Trickserie „Rick & Morty“. Er stürzt nun auch in „Lower Decks“ Trick-Figuren von einer Krise in die nächste, allerdings deutlich weniger anarchisch und brutal.

McMahan zitiert aus allen Generationen und parodiert alles, was „Star Trek“ ausmacht. Die hehre Gesinnung der interstellaren Föderation etwa stößt ständig an Grenzen, wenn Aliens nicht mitspielen, überall passieren Pannen und die auf der Brücke pflegen die Eitelkeit von Fernsehstars – nur die Bord-Ärztin hat die Gestalt einer mürrischen Katze. Oft hakt die Technik, etwa wenn der Beamer schlampt und Gebeamte zu halben Geistern macht. Eines verschont McMahan: Die Botschaft von Vielfalt und Offenheit, mit der „Star Trek“-Erfinder Gene Roddenbery 1966 den Geist der Ära aufnahm. Dafür stehen die Ensigns Rutherford mit seinem Cyborg-Augenimplantat und die grünhäutige, völlig übermotivierte Tendi. Die Animation ist eher krude, passt aber zum Tonfall.

Den finden manche Fans respektlos, vor allem solche, für die „Star Trek“ Lebenseinstellung und Parallelkultur ist. Wer Satire mag, kann sich freuen: Die zweite Staffel wird derzeit produziert und soll noch 2021 erscheinen.

Ab sofort auf Amazon, für Prime-Abonnenten frei.

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