Anson Mount ist der neue Chef an Bord des Raumschiffs Enterprise. Beziehungsweise der alte. Er spielt in „Star Trek – Strange New Worlds“ Christopher Pike, der Captain Kirks Vorgänger auf der Brücke des Raumschiffs war. Und deshalb darf er zu Beginn jeder Episode der Serie, die jetzt bei Paramount+ gestartet ist, diese berühmten Sätze aufsagen, mit der schon die Originalserie immer begann: „Der Weltraum, unendliche Weiten . . .“
Mr. Mount, jetzt mal ehrlich, waren Sie aufgeregt, als Sie erfahren haben, dass Sie den „Der Weltraum, unendliche Weiten“-Monolog aufsagen dürfen?
Das ist natürlich das Erste, an das du denkst, wenn du erfährst, dass du der Captain in deiner eigenen „Star Trek“-Show sein wirst: Darf ich die Rede halten? Ich wollte aber nicht gleich alle damit nerven und habe erst mal gewartet, bis wir am Set waren. Bei der Pilotepisode hat Akiva Goldsman, der Showrunner der Serie, Regie geführt, und ich habe ihn ganz aufgeregt gefragt: „Bitte, bitte, sagt mir, dass ich die Rede halten darf!“ Und er hat mich beruhigt und gesagt: „Ja, du darfst die Rede halten!“ Wegen der Pandemie haben wir den Monolog später in einer Aufnahmekabine in meinem Keller in Connecticut produziert. Das war im Oktober letzten Jahres. Wir haben damit sehr viel Zeit verbracht, weil wir es richtig machen wollten. Und während wir an den Aufnahmen arbeiteten, wurde mir plötzlich klar, dass sich William Shatner genau in diesem Moment im All befand. Während ich das Intro aufnahm, kreiste er mit Jeff Bezos im Orbit um die Erde. Und da wurde mir klar, ich darf jetzt zwar wie er damals die Rede halten, ich werde es aber trotzdem nie mit William aufnehmen können.
William Shatner als Captain Kirk ist offenbar unerreichbar. Wie sieht es aber mit den „Star Trek“-Figuren aus: Ist Christopher Pike als Kommandant der Enterprise besser als Captain Kirk?
Ich bin da natürlich voreingenommen. Ich finde die Rolle, die ich spiele, großartig und ganz anders. Wir sind Kapitäne, die sehr unterschiedlich agieren. Und Paul Wesley, der den jungen James T. Kirk in unserer Show spielt, war eine großartige Ergänzung des Ensembles. Er hat tolle Arbeit geleistet.
Weil Pike früher einmal mit dem Raumschiff Discovery in die Zukunft gereist ist, weiß er, dass er nur noch zehn Jahre zu leben hat. Dieses Wissen um seinen Tod macht ihm schwer zu schaffen.
Für einen Schauspieler ist es eine Herausforderung, so eine Empfindung darzustellen, weil ja niemand weiß, wie es sich anfühlt, die Zukunft zu kennen. Man muss da seine eigene Vorstellungskraft einsetzen und zu vergleichbaren Erfahrungen aus dem eigenen Leben in Beziehung setzen und einfach drauflosspielen. Tatsächlich ist das ja der große Handlungsbogen der ersten Staffel für Pike. Wie lebt man, wenn man diese Dinge weiß? Wie kann man sein Leben sinnvoll gestalten, wenn man bereits weiß, wie es enden wird? Das muss er in der Serie durchstehen.
Am Ende der ersten Episode gelingt es Pike, auf einem Planeten Frieden zwischen zwei verfeindeten Völkern zu schließen und so deren Welt vor dem Untergang zu bewahren. So jemand wie Pike könnte unsere Welt auch gut gebrauchen. „Star Trek“ hat schon immer gerne vom Hier und Jetzt erzählt – verkleidet als Science-Fiction-Show.
Ja, jede Fernsehserie ist dann am besten, wenn sie uns eine metaphorische Plattform bietet, auf der wir uns darüber unterhalten können, wer wir sind, wohin wir wollen und wie wir dorthin gelangen. Und ich denke, dass „Star Trek“ ein Vehikel ist, das in dieser Hinsicht schneller und schlanker ist als die meisten anderen. Und natürlich haben wir die Verantwortung, diese „Star Trek“-Tradition fortzuführen.
„Star Trek – Strange New Worlds“ hat auch sonst viele Gemeinsamkeiten mit der Originalserie. Jede Episode bringt ein neues Abenteuer auf einem neuen Planeten. Die Serie fühlt sich fast wie ein Serienklassiker aus den 1960ern an.
Ja, das stimmt. Zum einen eben, weil wir uns, wie ich gerade gesagt habe, in der Show verpflichtet fühlen, der Story in alter „Star Trek“-Tradition immer auch eine metaphorische Ebene zu geben. Zum anderen, weil wir ja letztlich die Vorgeschichte zu Captain Kirks Abenteuer auf der Enterprise erzählen. Da geht es auch um Nostalgie. Und ein Teil davon ist die Struktur.
Letzte Frage: Wäre Anson Mount selbst auch ein guter Raumschiffkapitän?
Nein! Nein! Nein! Nein! Nein! Ich bin Schauspieler, Mann! Ich merke mir Wörter und sage sie auf, und dann gehe ich was trinken oder was auch immer. Ich wäre ein schrecklicher, schrecklicher Raumschiffkapitän. Nein, es gibt einen Grund, warum ich Schauspieler bin. Ich brauche Leute, die mich herumführen und mir zeigen, wo ich stehen muss – mit Markierungen auf dem Boden. Und ich bin darauf angewiesen, dass es Leute gibt, die mir meine Worte zu geben. Meine Frau macht sich immer lustig über mich, weil ich in vielen Dingen so ein Vollidiot bin. Und sie hat recht.
Anson Mount, „Star Trek – Strange New Worlds“ und Paramount+
Person
Anson Mount (49) wurde 2002 durch den Film „Not a Girl“ an der Seite von Britney Spears bekannt. Ursprünglich wollte er den Part nicht übernehmen, wurde aber von Robert De Niro dazu überredet, in dem Teendrama mitzuspielen. Von 2011 bis 2016 war er in der Westernserie „Hell on Wheels“ zu sehen. Zuletzt hatte er auch eine Rolle in dem Marvel-Superheldenfilm „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“.
Serie
Die Handlung von „Star Trek – Strange New Worlds“ beginnt im Jahr 2259. Die Serie ist damit im „Star Trek“-Universum ein Prequel zu der Raumschiff-Enterprise-Originalserie (1966–1969) und ein Spin-off zu der Serie „Star Trek – Discovery“ (seit 2017), in der Anson Mount bereits in einigen Folgen als Captain Christopher Pike zu sehen war.
Streamingdienst
Die ersten beiden Episoden von „Star Trek – Strange New Worlds“ sind bereits beim Streamingdienst Paramount+ verfügbar, der am 8. Dezember in Deutschland gestartet ist. Weitere Folgen werden im Wochenrhythmus veröffentlicht. Ein Paramount+-Monatsabo kostet 7,99 Euro. Zum Start gibt es ein Jahres-Abo für 59,90 Euro.