Star von Stuttgart Surge Der neue Club von Louis Geyer steht fest

Louis Geyer im größten Spiel seiner Karriere: Beim 24:17-Sieg im ELF-Finale gegen die Vienna Vikings erzielte der Wide Receiver alle drei Touchdowns von Stuttgart Surge. Foto: Imago/Foot Bowl

Nach der Insolvenz von ELF-Champion Stuttgart Surge wechselt Wide Receiver Louis Geyer, der MVP des Finales, zu den Munich Ravens. Zuvor gibt es aber noch eine große Feier.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Das Finale in der European League of Football fand am 7. September statt. Fast sieben Monate später gibt es nun, obwohl der ELF-Champion längst den Gang in die Insolvenz antreten musste, eine letzte große Siegesfeier. Am Samstagabend treffen sich die Footballer von Stuttgart Surge in einem italienischen Restaurant in Degerloch. Dort erhält jeder von ihnen einen Meister-Ring. „Es wird eine Nacht“, sagt Runningback Kai Hunter, „an die wir uns immer erinnern werden.“ Weil danach alle ihre eigenen Wege gehen.

 

Eigentlich war es das Ziel vieler Surge-Spieler, gemeinsam in großen Gruppen zu wenigen Vereinen zu wechseln. Geklappt hat das nur bedingt. Ins Training des GFL-Clubs Pforzheim Wilddogs fahren Nick Wenzelburger, Konstantin Katz, Bryan Yankson, Nathan Kalemba Mvemba und die anderen Ex-Stuttgarter zwar mit einem gut gefüllten Neunsitzer-Bus, und auch die Schwäbisch Hall Unicorns verstärkten sich mit einer mehrköpfigen Surge-Abordnung um Quarterback Lars Heidrich, Julian Ludwig Mayorga und Julian Jako, der Rest der Spieler, die ihre Karriere fortsetzten, ist aber über ganz Europa verteilt. Chris Mulumba, Luca Jokiel und Markos Dubravcik werden beispielsweise für Frankfurt Galaxy spielen, Kai Hunter geht zu den Berlin Thunder, Ben Wenzler, Marko Vidackovic und Mike Harley wechseln zu den Panthers Wroclaw nach Polen. Und dann ist da noch der Mann, der als wertvollster Akteur des ELF-Finales ausgezeichnet wurde.

Louis Geyer ist das Gesicht der Stuttgarter Erfolgsgeschichte

Beim 24:17 gegen die Vienna Vikings machte Louis Geyer vor den 36 784 Fans in der MHP-Arena das Spiel seines Lebens. Der Wide Receiver erzielte alle drei Touchdowns des Surge-Teams, wurde somit zum Gesicht der Stuttgarter Erfolgsgeschichte. „Das plötzliche Ende ist immer noch sehr, sehr traurig“, sagt Louis Geyer, „was wir gemeinsam erreicht haben, werden wir nie vergessen. Umso bitterer ist, dass es dieses Team nicht mehr gibt.“ Mit ein paar Stuttgarter Jungs wird er allerdings auch weiterhin zusammenspielen.

Abschied aus Stuttgart: Louis Geyer mit Oberbürgermeister Frank Nopper. Foto: Baumann

Louis Geyer, der begehrteste deutsche Spieler aus dem Surge-Kader, wechselt zu den Munich Ravens. Dies ist seit Mittwoch bekannt. Die anderen vier Stuttgarter, die ebenfalls künftig für die Ravens auflaufen, sind noch nicht offiziell bestätigt. Dass Louis Geyer sich für das Angebot aus München entschieden hat, liegt an der footballerischen Perspektive – aber nicht nur. „Die Ravens haben das beste Paket geschnürt“, sagt er, „ich habe dort auch die Option, beruflich und außersportlich voranzukommen.“

Louis Geyer: „Wir werden eine sehr, sehr starke Mannschaft haben“

Wichtig ist für Louis Geyer, der im Sommer sein Studium der Sportwissenschaft beendet, aber natürlich auch, was auf dem Feld passieren wird – und dort sind die Aussichten ebenfalls gut. Die Munich Ravens gehören zu den sechs Teams, die in der neu gegründeten Liga der European Football Alliance (EFA) spielen werden. Wie es nach der Abspaltung in dem neuen Gebilde organisatorisch laufen wird, ist offen, an der Qualität der Mannschaften, zu denen auch Frankfurt Galaxy, Nordic Storm und die Paris Musketeers zählen, zweifelt Louis Geyer aber nicht. „Sportlich wird es sicherlich sehr attraktiv. Die Liga ist sehr ausgeglichen“, sagt er, „wir in München haben eine sehr, sehr starke Mannschaft.“

Das liegt daran, dass viele Akteure bei dem Halbfinalisten von 2025 geblieben sind, unter anderem Russel Tabor, der zu den besten Quarterbacks der ELF gehörte. Aber auch an den starken Neuzugängen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine gute Rolle spielen können“, sagt Louis Geyer, der versucht, die sportlichen Querelen im europäischen Top-Football, die dazu führten, dass in diesem Jahr in zwei Ligen gespielt wird (EFA und AFLE), so gut wie möglich zu ignorieren: „Ich habe keine Kraft mehr, mich damit auseinanderzusetzen, was sein könnte. Wir Spieler müssen uns darauf konzentrieren, was wir sehen – und das ist in der EFA ein Spielplan mit sechs Mannschaften und zehn Partien. Darauf liegt unser Fokus.“

Die Vorbereitung der Ravens startet am 8. April, vier Tage vorher wird natürlich auch Louis Geyer bei der Feier des Surge-Teams in Degerloch sein. Um das Design der Ringe, die dort (wie es nach Titelgewinnen im Football üblich ist) verteilt werden, haben sich Kapitän Alessandro Vergani und Simon Butsch gekümmert. Weil der Verein pleite ist, mussten die Spieler ihre neuen Schmuckstücke selbst finanzieren, was die Vorfreude auf den festlichen Abend jedoch keinesfalls schmälert, ganz im Gegenteil. „Diese Ringe stehen für die tolle Zeit, die wir gemeinsam erlebt haben“, sagt Nick Wenzelburger, „sie werden uns für immer verbinden.“

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