Star Wars Jedi: Fallen Order im Test Eine kleine Erschütterung der Macht

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Lichtschwert an und los geht’s: Mit „Star Wars Jedi: Fallen Order“ ist das Einzelspiel auf dem Markt, das Fans der Saga seit Jahren fordern. Wir haben uns mit Padawan Cal Kestis in die Galaxie gestürzt und das Spiel auf Stärken und Schwächen getestet.

Cal trifft auf die Neunte Schwester – da ist Lichtschwert-Action vorprogrammiert. Foto:   14 Bilder
Cal trifft auf die Neunte Schwester – da ist Lichtschwert-Action vorprogrammiert. Foto:  

Stuttgart - Die Macht ist zurück. Na endlich, denken sich die Lichtschwert-Fans. Mit „Star Wars Jedi: Fallen Order“ ist das Einzelspiel auf den Markt gekommen, das seit Jahren auf ihrer Wunschliste stand. Zuvor hatte Publisher und Star-Wars-Lizenzinhaber Electronic Arts (EA) mit den Battlefront-Spielen wenig Begeisterung ausgelöst. Für das Weltraum-Abenteuer – ohne Online-Verbindung – auf PC und Konsole durften die Entwickler von Respawn Entertainment ran. Wir haben das Spiel mit der PS4 Pro auf seine Stärken und Schwächen getestet.

Inhalt

„Star Wars Jedi: Fallen Order“ spielt zwischen Episode 3 und 4 der Filme. Anakin Skywalker ist zu Darth Vader geworden, die meisten Jedi sind vernichtet, am Todesstern wird bereits kräftig geschraubt. Spielfigur Cal Kestis hat als junger Padawan die Rache der Sith überlebt. Doch Cals Tarnung als Arbeiter auf einem Schrotthof fliegt auf, er ist zugleich auf der Flucht vor dem Imperium. Eine Inquisitorin, die sogenannte Zweite Schwester, macht Jagd auf den blassen Rotschopf.

Cal begibt sich damit auf seine gefährliche Mission - er will mit der mysteriösen Cere Junda den Orden der Jedi wiederaufbauen. Cal reist dafür mit dem knuffigen Roboter BD-1 und dem kauzigen Piloten Greez – einem vierarmigen Gremlin – von Planet zu Planet. In den dortigen Tempeln soll das Geheimnis einer untergegangenen Zivilisation gefunden werden, um den mächtigen Orden für den Kampf gegen das Imperium aufleben zu lassen.

Stärken

Wer ein reines Hau-Drauf-Spiel erwartet, der wird enttäuscht. Cal muss sich an Lianen schwingen, Wurzelwände hochklettern und Abhänge überspringen. Nebenbei braucht es ein wenig Hirnschmalz, um in den uralten Tempeln Rätsel zu lösen. Das ähnelt „Tomb Raider“ – nur eben mit dem Lichtschwert. Ist Cal zu Beginn seinen Gegnern noch mit stumpfen Attacken unterlegen, wachsen mit dem Spielfortschritt die Macht- und Kampffähigkeiten. Spaßig wird es zum Beispiel, wenn Cal sein Laserschwert mit der Doppelklinge ausstattet. So entwickelt sich nach und nach ein Jedi, der seine Gegner auf viele Arten bezwingen und beherrschen kann.

Die Abwechslung macht im Kampf den Reiz aus. Die ganze Zeit den Schlag-Button zu drücken, nutzt nichts. Es braucht eine Mischung aus Machtkräften, Schwertschlägen und Ausweich- oder Blockmanövern. So unterscheidet sich jeder Kampf, ebenfalls wie sich die Gegner auf den Planeten unterscheiden. Giftige Schnecken oder Spinnen können genauso tödlich sein wie Sturmtruppler, die mit allen erdenklichen Waffengattungen ausgestattet sind. Für jeden Gegner braucht es eine Strategie – und daher Zeit.

Die Story entwickelt sich ähnlich positiv wie Cals Fähigkeiten. Nimmt die Geschichte (nach einem furiosen Start) etwas dröge die Fahrt auf, peppen später überraschende Wendungen das Spielgeschehen auf. Der kleine Roboter an der Seite ist dabei ein Lichtblick. Er kann Türen hacken, hilft mit einer Seilwinde aus und findet in Kisten Upgrades. Der Druide hilft sich ins Herz des Spielers – spätestens als er Cal beim Kampf gegen die Zweiten Schwester das Leben rettet.

Schwächen

Charaktere sind ja immer so eine Sache. Manche Spieler finden eine Spielfigur sympathisch, manche können sie nicht ausstehen. Cal Kestis ist eine Mischung geworden. Irgendwie springt der Funke vom bleichen Jüngling nicht über. Mit der Story entwickelt er – neben Narben im Gesicht - zumindest ein wohltuendes Selbstvertrauen im Dialog. Stark wäre es von den Entwicklern gewesen, aus einer Star-Wars-Spezies eine machtbegabte Figur zu schaffen. Männlich und weiß – das ist eben nur ein Standard-Held. Etwas nervig ist dazu Begleiterin Cere Junda geraten. Sie wirkt in ihrer Art so monoton, dass man sie bei den Dialogen am liebesten schütteln möchte.

Was sich durch das ganze Spiel zieht, sind ständige Nahkämpfe. Klar, die Gefechte können durch Schwerthiebe und Machtstöße abwechslungsreich gestaltet werden. Doch auf die Distanz ist Cal eben viel zu oft machtlos. Schießen die Gegner ihre Waffen von Brücken oder Vorsprüngen ab, kann Cal die Geschosse nur mit dem Lichtschwert blocken und zurückfeuern. Kein Blaster, kein Bogen, keine Granate – auf die Distanz nutzt nur der Wurf des Lichtschwerts. Und bis der Held diese Fähigkeit erlernt hat, dauert es.

Fazit

Respawn schafft es mit „Star Wars Jedi: Fallen Order“ die Macht zu erschüttern, aber nicht aus ihren Fugen zu heben. Star-Wars-Fans können sich aber getrost auf das Solo-Abenteuer stürzen. Die Story um Cal Kestis versteht es, den Puls des Spielers blitzartig in die Höhe schnellen zu lassen. Die Planeten beherbergen abwechslungsreiche Landschaften, durch dessen Flora und Fauna sich der Held durchwinden muss.

Cal Kestis entwickelt sich mit der Zeit zu einem wahren Kämpfer. Die Lichtschwert-Duelle sind spektakulär, die Gegner sind knifflig zu bezwingen. Die Schwierigkeit kann so eingestellt werden, dass das Spiel fordert, aber nicht verärgert. Es sollte aber beachtet werden, dass „Star Wars Jedi: Fallen Order“ ein reines Nahkampfspiel ist.

„Star Wars Jedi: Fallen Order“ ist für Playstation 4, Xbox One und PC erschienen und kostet etwas 60 Euro.

Wertung:

Grafik 4 von 5

Spielspaß 4 von 5

Atmosphäre 4,5 von 5