Stargast beim Böblinger Stadt-Lesen Rufus Beck: Kino für die Ohren

Der Schauspieler Rufus Beck auf der Bühne am Elbenplatz. Foto: Eibner-Pressefoto/Max Vogel

Interview: Der Schauspieler Rufus Beck erklärt in Böblingen, wie er Hörbücher einspricht und wie man Bilder im Kopf der Zuhörer erzeugt.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Der Schauspieler Rufus Beck erzielte seinen Durchbruch als Darsteller im Filmklassiker „Der bewegte Mann“ von Sönke Wortmann. Später wurde er berühmt als Sprecher der Harry-Potter-Hörbücher. Am Donnerstag gastierte er auf dem Böblinger Elbenplatz.

 

Warum haben Sie den Text von Mark Twain ausgesucht?

Rufus Beck : Weil es ein sehr guter Text ist, und weil er sich gut zum Vorlesen eignet. Die meisten Leute kennen nur Twains Roman „Huckleberry Finn“ und wissen nicht, dass Mark Twain vor allem ein satirischer Reiseschriftsteller war.

Was ist Ihnen wichtiger, Ihre Schauspiel-Karriere oder Ihre Arbeit als Hörbuch-Sprecher?

Für mich ist die gesamte Bandbreite der darstellenden Kunst wichtig. Ich mache Schauspiel, spreche Bücher und bin oft mit meiner Band unterwegs.

Wie bereiten Sie sich auf eine Hörbuch-Lesung vor?

Wenn ich ein Angebot bekomme, dann überlege ich mir, ob sich der Text überhaupt dazu eignet. Manche Hörbuch-Sprecher arbeiten den Text dann fünf Mal durch. Ich lese den Text nur einmal, das bedeutet, ich brauche sofort eine Entscheidung, wie ich sprechen werde.

Sehen Sie die Geschichte beim Lesen vor sich?

Der Zuhörer merkt es sofort, wenn man nur technisch vorliest. Natürlich müssen Sie die Bilder im Kopf haben! Sonst funktioniert das nicht!

Etwa 80 Besucher hörten sich die Lesung von Rufus Beck in Böblingen an. Foto: Eibner-Pressefoto/Max Vogel

Geben Sie jeder Roman-Figur eine eigene Stimme?

Das kommt auf die Geschichte an. Nicht jeder Text braucht das, aber man macht ja den Text automatisch lebendig, wenn man den Rhythmus und das Tempus ändert. Bei Harry Potter natürlich war das ein fantastischer Kosmos von verrückten Figuren, die ich beim Vorlesen verrückt unterscheidbar machen musste.

Also hat jeder Text seine eigenen speziellen Klippen?

Ich habe beispielsweise auch die Bibel eingesprochen, da musste ich höllisch aufpassen, dass ich nicht ins Salbadern kam.

Was ist das Besondere am Vorlesen?

Texte zu sprechen, das ist ja eine ganz altmodische Handwerkskunst. Es geht darum, ein Kino zu erzeugen, sozusagen ein Kino für die Ohren mit Gestik und Stimme. Das ist übrigens auch der große Unterschied zu Texten, die von der KI gelesen werden.

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