Stargeiger in Ludwigsburg David Garrett: Wunderkind, Rammstein-Fan, Spätentwickler

David Garrett verspricht: „Große Bühne, großes Programm, großes Spektakel!“ Foto: SKS Russ/Reiner Pristerer

David Garrett bewundert Ed Sheeran, kennt Till Lindemann nur als Gentleman, beißt sich gerne die Zähne aus – und tritt im August 2026 vor dem Ludwigsburger Residenzschloss auf.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Der Geiger David Garrett hat an diesem Dienstag bekanntgegeben, dass er seine „Millennium-Symphony“-Tour im Sommer 2026 fortsetzt und auch in Ludwigsburg auftreten wird. Im Mittelpunkt der Shows steht das Crossover-Album „Millennium Symphony“, auf dem er Hits von Taylor Swift, Ed Sheeran, Miley Cyrus, Harry Styles oder Rihanna für Violine, Orchester und Band arrangiert hat.

 

Herr Garrett, in Sachen Rockmusik waren Sie Spätentwickler, richtig?

Absolut. Bei allen Musikrichtungen war ich sehr spät dran – außer bei der Klassik.

Können Sie sich an Ihr erstes Rockkonzert erinnern?

Ich glaube, das war ein Auftritt von Courtney Love im CBGB’s. Der Club war eine kulturelle Institution in New York. Gibt es leider schon lange nicht mehr. Als ich in New York an der Juilliard School studiert habe, nahmen mich ein paar Tänzer dorthin mit. Die hatten ein bisschen einen flexibleren Musikgeschmack als ich damals.

Und wie war’s?

Ich fand die Energie, die Intensität spannend und dass die Leute einfach einen Drink in der Hand hatten und der Musik zugehört haben. Die saßen nicht steif im Anzug da, wie ich das von Klassikkonzerten kannte.

Sie haben an der Juilliard School nicht nur Geige, sondern auch Komposition studiert. Toben Sie sich bei Klassikaufnahmen wie „Iconic“ eher als Virtuose aus, während Sie sich bei Crossover-Alben wie „Millennium Symphony“ als Arrangeur beweisen?

Das ist nicht ganz falsch. Auf der anderen Seite habe ich auch bei „Iconic“ bei den Arrangements mitgeschrieben. Aber da sieht man mich trotzdem nur als Geiger. Im Endeffekt bekommt keine Sau mit, wie aufwendig auch da die Arrangements waren, weil das Spielen bei so einem Klassikprojekt im Vordergrund steht.

Für „Millennium Symphony“ mussten Sie 25 Songs aus den letzten 25 Jahren aussuchen. Das klingt nach viel Arbeit.

Nein, das ist, wie in einem Plattenladen zu stöbern. Das macht Spaß. Ich finde es großartig, mich durch die Musik zu wühlen, mir auch Sachen anzuhören, die ich vielleicht gar nicht so mitbekommen habe, Listen durchzugehen und dabei vielleicht auch auf Sachen zu stoßen, die ich mal gut fand, aber vergessen habe.

Zum Beispiel?

„Welcome to the Black Parade“ von My Chemical Romance! Eine geile Nummer! Ich hatte total vergessen, dass ich die Jungs damals total abgefeiert habe, hatte die total aus den Augen verloren. Jetzt habe ich mir sogar die 20-Jahr-Edition des Albums „The Black Parade“ besorgt. Wenn ich mich in etwas reinknie, dann richtig, dann will ich auch das ganze Album kennen, damit das Arrangement nicht nur auf dem Stück basiert, sondern den Vibe von den Jungs und ihrer Musik erfasst.

Wie haben Sie die Songs ausgewählt?

Für mich ging es darum: Welcher Song hat die Wertigkeit, ein Klassiker zu sein. Welcher Song ist schon ein Klassiker? Welcher ist ein Klassiker, den wir alle vergessen haben? Aber auch um Zeitgeschichte: Ist irgendwas durch dieses Stück in der Musikwelt passiert? Hat das Stück ein Genre definiert oder neu definiert?

Gab es auch ein Stück, an dem Sie sich die Zähne ausbissen?

Wenn nicht das ganze Gebiss weg ist, dann hast du dir zu wenig Mühe gegeben. Mir ist wichtig, dass am Ende kein Zahn mehr da ist. Ich muss so lange beißen, bis ich weiß, mehr geht nicht. Man kann natürlich auch ein Arrangement als schnelle Nummer machen. Das ist aber nicht mein Anspruch. Dafür gibt es andere Künstler. Die wollen wenig Zeit im Studio verbringen, sich nicht so viele Gedanken machen, lassen schreiben und sind happy, weil es sich irgendwie ein bisschen anhört wie das Original. No way bei mir!

Und auf welchem Song mussten Sie besonders lang herumkauen?

„Dance Monkey“ war eine Nummer, bei der ich erst mal keine Ahnung hatte, wie die funktionieren kann. Ich habe dann auf der Geige ein bisschen herumprobiert und dachte, okay, so könnte es gehen. Dann haben wir das Arrangement geschrieben, das aber nicht zusammen mit der Geige funktioniert hat. Dann haben wir die Geige noch mal geändert. Das hat dann aber immer noch nicht so richtig gepasst, dann haben wir wieder das Arrangement umgeschrieben. Das ging so Monate hin und her. Deswegen braucht ein Album einfach wahnsinnig viel Zeit.

Das heißt, Sie haben nur wenig Zeit in Ihrem tollen New Yorker Apartment verbracht. Stimmt es eigentlich, dass dort Heidi Klum Ihre Nachbarin ist?

Ich sage jetzt nicht Nein und nicht Ja.

Sie waren ja sowieso kaum dort, oder?

Wenn ich im vergangenen Jahr mal zwei, drei Tage von der Tour in Anführungsstrichen freihatte, bin ich immer ins Studio gegangen und habe geschrieben. Mein Manager hat mich für verrückt erklärt, weil er fand, ich muss mal Pause machen.

Hat Ihr Manager auch versucht, Ihnen auszureden, „Mein Herz brennt“ von Rammstein aufzunehmen, nachdem 2023 Anschuldigungen gegen den Sänger Till Lindemann laut wurden?

Nein, das war kein Thema. Das ist ein toller Song. Die Jungs von Rammstein sind Musiker, die seit so vielen Jahren weltweit richtig was bringen. Und was das andere angeht: Ich kenne Till persönlich, und ich kann nur von dem ausgehen, wie ich ihn persönlich kenne, und da ist er ein Eins-a-Gentleman. Alles andere kann ich nicht beurteilen, werde ich auch nicht beurteilen. Ich bin niemand, der vorverurteilt – und das sollte auch sonst niemand tun.

Sie interpretieren auf dem Album auch Songs von Taylor Swift, Coldplay, Ed Sheeran oder Miley Cyrus. Mit wem würden Sie gerne zusammen auftreten?

Ich mag Ed Sheeran, weil der so eine Human Jukebox ist. Ich finde auch toll, dass der Junge Arenen und Stadien nur mit seiner Gitarre und seinem Gesang füllt. Davor habe ich großen Respekt – auch unter wirtschaftlichen Aspekten. Er ist ein geiler Songschreiber, ein guter Typ, ein entspannter Mensch.

Anders als Ed Sheeran treten Sie 2025 bei der „Millennium Symphony“-Tour nicht allein, sondern mit großem Orchester und Rockband auf.

Wir sind ja gerade in einer Minimal-Besetzung mit der Klassik getourt: Nur drei Jungs auf der Bühne – das ist schon sehr ed-sheeranmäßig. Damit sind wir in Hallen mit 2500 bis 4000 Zuhörern aufgetreten. Vor dem Hintergrund, dass die letzten beiden Cross-over-Tourneen wegen der Pandemie eher minimal besetzt waren, war es mir wichtig, dass wir, wenn wir nächstes Jahr in den großen Arenen in Deutschland spielen, es wirklich richtig groß machen: Große Bühne, großes Programm, großes Spektakel!

David Garrett: Millennium Symphony

Person
David Garrett wird am 4. September 1980 in Aachen geboren. Seine erste Geige erhält er als Vierjähriger. Er gilt als Wunderkind, wird mit 13 Jahren von der Deutschen Grammophon unter Vertrag genommen, Yehudi Menuhin nennt ihn „den größten Geiger seiner Generation“. Später studiert an der Juilliard School in New York Geige, Musikwissenschaft und Komposition. Er hat zahlreiche Alben veröffentlicht – neben Klassikaufnahmen wie zuletzt „Iconic“ auch Cross-over-Projekte wie „Rock Symphonies“ (2010) oder „Rock Revolution“ (2017).

Veröffentlichung
Das Crossover-Album „Millennium Symphony“ (Polydor/Universal) versammelt Hits aus diesem Jahrtausend wie „As It Was“ von Harry Styles oder „Survivor“ von Destiny’s Child und ist am 18. Oktober 2024 erschienen.

Konzert
David Garrett tritt am 2. August 2026 vor dem Residenzschloss in Ludwigsburg auf. Tickets sind ab Donnerstag, 13. Oktober, um 10 Uhr unter stuttgart-live.de erhältlich.

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