Starker Wasserandrang erschwert Bau S 21: Tunnelbau Obertürkheim „neuralgischer Punkt“

Von Konstantin Schwarz 

Beim Bau nach Obertürkheim läuft so viel Wasser in die Tunnel, dass man damit täglich Schwimmbäder füllten könnte. Nun hat die Bahn nach langem Stillstand das Bauverfahren geändert.

In den Tunneln nach Obertürkheim muss viel Wasser abgepumpt werden. Das erschwert die Bauarbeiten erheblich, verzögert sie und macht sie teurer. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
In den Tunneln nach Obertürkheim muss viel Wasser abgepumpt werden. Das erschwert die Bauarbeiten erheblich, verzögert sie und macht sie teurer. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Zwei Jahre lang stand die Tunnelbaustelle der Bahn in Untertürkheim beim Ölhafen still. Im September 2018 lief mit 30 Liter pro Sekunde so viel Wasser in die nach Obertürkheim führenden Röhren, dass der Bau abgebrochen werden musste. Die Baustelle, Teil des Projekts Stuttgart 21, gilt bei der Bahn terminlich als „neuralgischer Punkt“. Nun sind die Arbeiten mit neuen Verfahren wieder aufgenommen worden. In der jüngsten Auftragsvergabe der Bahn wird ein um 28 Millionen Euro erhöhter Wert genannt. Die Tunnel vom Tiefbahnhof nach Ober- und Untertürkheim kosten nun 412 statt ursprünglich 296 Millionen Euro.

Rund 550 Meter haben die Mineure noch vor sich, bis sie auf Höhe des Imwegs in Obertürkheim wieder Licht sehen werden. Der Baufortschritt ist mit im Schnitt 63 Zentimeter bis 1,70 Meter am Tag bescheiden, Sicherheit geht vor. Eigentlich sollten die beiden je ein Gleis aufnehmenden Röhren bereits in einen zweigleisigen Tunnel übergehen. Doch das hat die S-21-Projektgesellschaft aus logistischen Gründen geändert. Der zweigleisige Abschnitt nach Obertürkheim wird nun nicht 764, sondern nur 80 Meter lang. Die Optimierung habe den Effekt, dass „in geringerem Maße in den öffentlichen Raum eingegriffen werden muss“, so die S-21-Macher.

Grundwasser gibt es mehr als genug

Der Aufwand für die eingleisigen, zwölf bis 20 Meter voneinander entfernten Röhren, ist hoch. Die Mineure arbeiten im Schutz eines Rohrschirms, also vorauslaufender Stahlrohre. Über Horizontalfilterbrunnen wird das Gestein auf bis zu 15 Meter voraus entwässert, zudem wird der Boden mit dem Düsenstrahlverfahren verfestigt. Dabei wird unter hohem Druck eine Zementsuspension eingepresst, um Hohlräume zu schließen. Das diene „zur statischen Sicherung des Vortriebs und zur Abdichtung“, so die Genehmigungsbehörde Eisenbahn-Bundesamt (Eba).

Grundwasser gibt es hier mehr als genug. Bis zu 46,8 Liter pro Sekunde dürfen abgepumpt werden. Später muss der Tunnel natürlich wasserdicht sein. „Die Dichtigkeit ist grundsätzlich immer erst über eine Kunststoffdichtungsbahn zwischen Spritzbetonaußenschale und Innenschale des Tunnels gegeben“, so ein Projektsprecher. Zunächst laufen die Arbeiten nur für eine der beiden Röhren, für den parallelen Vortrieb müssten „die logistischen Kapazitäten gegeben sein“, so der Sprecher.

Versorgungsschacht als Flaschenhals

Als Flaschenhals für den Tunnelbau gilt der so genannte Zwischenangriff in der Ulmer Straße in Wangen. Von hier aus werden die beiden Röhren nach Unter- und die nach Obertürkheim sowie die Tunnel in Richtung Hauptbahnhof über einen Schacht mit Material versorgt. Gleichzeitig muss das Gestein über den Schacht abgefahren werden. Weil die dortigen Kapazitäten erschöpft sind, hat die Bahn in der jüngsten Planänderung im Juli umdisponiert. Die Betonage des Tunnels wird nicht von Wangen, sondern von Obertürkheim aus erfolgen. Das sei „dringend geboten, um eine Inbetriebnahme von Stuttgart 21 im Jahr 2025 sicherstellen zu können“, heißt es beim Eba. An der Augsburger Straße hat die Bahn die Häuser 560 und 562 gekauft, Gewerbemieter müssen weichen, denn die Gebäude werden abgerissen, um eine Baustellenfläche zur Versorgung der Tunnel zu schaffen.

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