Starkregen in Ludwigsburg Was Hausbesitzer und Kommunen tun können

Anfang Juni verwandelte sich eine Kreuzung in Tamm nach heftigen Regenfällen in ein Schlammbad. Es sollte nicht das einzige Unwetter im Kreis bleiben. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen sind am Wochenende heftige Regenfälle im Kreis Ludwigsburg niedergegangen. Es dürften nicht die letzten gewesen sein.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Ludwigsburg/Kornwestheim - Am Ende ging es weder vor noch zurück für eine vierköpfige Familie in Kornwestheim. Zwei Erwachsene, ein Jugendlicher und ein Kind steckten in einer Unterführung fest, eingeschlossen von Wasser. Weil es in den Opel Corsa lief, blieb nur noch ein Ausweg: sie retteten sich auf das Dach des Kleinwagens, die Feuerwehr holte sie von dort mit einem Boot.

 

Es war einer von vielen Einsätzen für die Retter in und um Ludwigsburg am Samstagabend. Die Niederschläge im Kreis seien ähnlich heftig gewesen wie Ende Juni, hieß es aus der zentralen Leitstelle der Feuerwehr. Tatsächlich ähnelten sich die Bilder: wieder liefen Keller voll, Straßen verwandelten sich teils in reißende Bäche, Kanaldeckel wurden aus ihren Fassungen gedrückt und einfach fortgeschwemmt. Immerhin: Verletzte gab es nicht zu beklagen.

Die Kanalisation ist nicht für extreme Niederschlagsmengen gemacht

Dass der Kreis in den vergangenen Jahren von größeren Naturkatastrophen verschont geblieben ist, sei „eher Zufall“, sagt Kreisbrandmeister Andy Dorroch, zu dessen Aufgaben neben dem Brand- auch der Katastrophenschutz zählt. Für Hochwasser sind die Kommunen aus seiner Sicht gut gerüstet. So besitzt der Kreis beispielsweise sogenannte Abrollbehälter mit speziellem Equipment.

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Gegen Starkregen wie am Wochenende allerdings können Städte und Gemeinden nur bedingt etwas tun. „Unser Kanalnetz darauf auszulegen, ist schlicht unmöglich“, sagt Ulrike Schmidtgen. Helfen würde es laut der Fachbereichsleiterin für Tiefbau und Grünflächen in Ludwigsburg, Flächen zu entsiegeln, Dächer zu begrünen, damit diese mehr Wasser aufnehmen, und Rückhaltebecken und Zisternen anzulegen. Letzteres sei bei extremen Wassermengen zwar nicht mehr als ein „netter Versuch“, Überschwemmungen zu verhindern, so Schmidtgen. „Aber wir brauchen das Wasser künftig ohnehin, weil Trinkwasser viel zu kostbar ist.“

Vielerorts werden Starkregenkarten erstellt

Eine weitere Präventionsmöglichkeit für die Kommunen sind Starkregengefahrenkarten, die aufzeigen, wie große Wassermengen vermutlich abfließen und wo sie sich stauen. In Ludwigsburg gibt es eine solche Karte bislang nur für den Stadtteil Pflugfelden. Vaihingen an der Enz hat eine Analyse beauftragt, Kornwestheim will es auch. Die Glems-Anrainerkommunen, Steinheim und Tamm verlassen sich laut Andreas Dorroch bereits auf diese Karten. In Bietigheim-Bissingen kommt zudem die Software „FLIWAS“ zum Einsatz. Sie berechnet aus Wetterdaten mögliche Niederschlagsmengen und schlägt bei entsprechend hohem Risiko Alarm. Bisher habe es allerdings „noch kein Einsatzszenario“ gegeben, heißt es aus dem Rathaus. Für Überschwemmungen an Metter und Enz sieht sich die Stadt „weitgehend gut aufgestellt“.

Dasselbe gilt laut Sprecher Philipp Weber für Remseck am Neckar. Vor mehr als 40 Jahren überschwemmte die Rems, die an der Stelle in den Neckar mündet, große Teile des Ortsteils Neckarrems. Daraus haben Verwaltung und Feuerwehr ihre Schlüsse gezogen. Das Schutzsystem Beaver, mit dem Wasser besser kanalisiert werden kann, wurde installiert, zum Hochwasserschutz tragen unter anderem auch Rückhaltebecken und Fangsyteme an kleineren Bächen bei. In Vaihingen an der Enz wird in den Ortsteilen Gündelbach und Horrheim jährlich das Ufer der Metter vorsorglich von hereinhängenden Ästen und Sträuchern befreit.

Was bringt eine Rückstausicherung bei Regen?

Denn Stämme, Äste, Schnittgut, aber auch Müll oder Geröll können der Kanalisation zusetzen – meist verstopfen sie eher die Abflüsse und verschärfen so die Situation auf den Straßen. Die technischen Dienste in den Städten und Gemeinden kennen anfällige Stellen meist aus Erfahrung. In Ludwigsburg prüfen die Mitarbeiter diese deshalb bei Unwetterwarnungen, bevor es zu regnen beginnt – Anfang Juni half das aber auch nur bedingt. Der Aufwand nach dem ersten großen Unwetter dieses Jahres war immens. Die Straßen waren zwar nach einem Tag wieder frei, bis auch die letzten Schäden an Bäumen beseitigt waren, vergingen zwei Wochen.

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Nasse Tapeten, kaputte Böden, zersplittertes Glas – Schäden an Häusern sind trotz Vorsorge eigentlich nicht zu vermeiden. Die Städte sehen deshalb auch die Eigentümer in der Pflicht, sie müssen beispielsweise dafür sorgen, dass möglichst viel Niederschlag auf ihrem Grundstück versickert. Weil sich der Druck bei Starkregen im Kanalsystem insgesamt erhöht, können schadhafte oder ungesicherte Leitungen dazu führen, dass Wasser ins Gebäude drückt. Abhilfe schafft eine sogenannte Rückstausicherung. „Wir weisen bei Baugesuchen zwar immer wieder darauf hin“, sagt Ulrike Schmidtgen, „oft wird aus Kostengründen aber darauf verzichtet.“ Dass Wasser nicht über Lichtschächte, Türen oder Kellerwände, wenn das Grundwasser steigt, dringt, dafür sind Hausbesitzer selbst verantwortlich. Jeder solle „die Art der Nutzung von tief liegenden Räumen überdenken“, rät die Stadt Ludwigsburg.

Schutz vor Überschwemmung: Regeln für Häuslebauer

Über ihre Bebauungspläne können Verwaltungen auf den Hochwasserschutz einwirken und Bauherren quasi zwingen, Vorkehrungen zu treffen. Zisternen, Beläge, durch die Wasser besser versickert oder Dachbegrünungen sind Möglichkeiten, die vielerorts genutzt werden. In Ludwigsburg werden die Vorschriften „bei jedem Neubaugebiet individuell geprüft“. Wenn Neubaugebiete erschlossen werden, sind neue Regenrückhaltebecken wie Rigolen und Versickerungsmulden Standard.

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