Starkregen in Rutesheim Es gibt einige Schwachstellen

Unter anderem sollte die Rutesheimer Kläranlage vor möglichen Wassermassen geschützt werden. Foto: Simon Granville / e

Die Kommune hat ein Risikomanagement erstellen lassen. Obwohl nicht am Wasser gebaut, könnten Gebiete, darunter der Ortskern, überschwemmt werden.

Unwetterartige Regenereignisse wie zuletzt im Kreis Göppingen oder im Rems-Murr-Kreis haben deutlich gemacht: Auch abseits von größeren Flüssen oder Gewässern kann es zu dramatischen Überschwemmungen kommen, wenn es in kurzer Zeit und lokal begrenzt in hoher Intensität regnet. Herausfordernd ist dabei, dass Ort und Zeitpunkt nur schwer vorherzusehen sind. Die Stadt Rutesheim hat im April 2022 das Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler und Partner mit ins Boot geholt, das ein eigens für die Kommune zugeschnittenes Starkregenrisikomanagement nach dem Leitfaden der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg erstellt hat. Die Auftragssumme liegt bei etwa 46 000 Euro. Der Förderumfang des Landes beträgt 70 Prozent, der Rutesheimer Eigenanteil beläuft sich damit auf etwa 15 000 Euro.

 

Karten zeigen, wo es gefährlich werden kann

Ein Zwischenbericht folgte bereits in der Gemeinderatssitzung im Dezember 2023. Hier demonstrierte das Ingenieurbüro anhand von erstellten Starkregengefahrenkarten eine mögliche Bedrohung für Rutesheim, den Heuweg sowie für Perouse. Dabei wird unterschieden zwischen seltene 30-jährige, außergewöhnliche 100-jährige oder extreme 1000-jährige Regenereignisse. „Wir haben zwar keinen Fluss, trotzdem kann ein punktueller Regen auf kleiner Fläche große Schäden anrichten, daher müssen wir die Bevölkerung dringend informieren, wo es Risiken gibt“, sagte die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier in der Gemeinderatssitzung am Montag, wo Armin Binder vom Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler und Partner nun den Abschlussbericht vorstellte.

Dieser wird nun Grundlage für konkrete Vorschläge sein, die die Verwaltung erarbeiten wird, damit sich nicht nur die Menschen schützen können, sondern wie auch öffentliche Gebäude und die städtischen Infrastruktur vor möglichen Wassermassen bewahrt werden können. „Die Gefahrenkarten zeigen, dass wir einige Schwachstellen haben, in der Ortsmitte rund um das Rathaus, in der Renninger Straße, bei der Kläranlage oder auch in Perouse in der Waldenserstraße“, sagte Widmaier. „Wir müssen natürlich ein Auge auf unser Stadtarchiv haben und auf unsere EDV.“

Technische Anlagen sind im Rathaus-Untergeschoss

Beim Rathaus könnten die technischen Anlagen im Untergeschoss – hier sind Trafostation, Gasheizung und Stromversorgung untergebracht – beispielsweise durch den Einbau von druckdichten Türen besser geschützt werden. Die Kinder der Kinderkrippe Spatzennest können rechtzeitig ins Erdgeschoss der Bücherei evakuiert werden. Wenn ein Starkregen angekündigt wird, sollte der Kindergarten rechtzeitig geschlossen werden, sodass die Kinder zuhause bleiben können. Zukünftige kommunale bauliche Maßnahmen können nach den so genannten Förderrichtlinien Wasserwirtschaft förderfähig sein, wenn sie Überschwemmungen aus den Außenbereichen zurückhalten oder umleiten und somit zum Schutz der unterhalb liegenden Bebauung beitragen. Dies beinhaltet Leitdämme, Walle, Mauern oder Gräben. „Ein Teil der Bevölkerung wird betroffen sein, sie müssen wissen, wie sie sich schützen können“, so Widmaier.

Informationsveranstaltung im Herbst geplant

Die Rutesheimer Gemeinderäte begrüßen diese Initiative der Stadt, der eine Informationsveranstaltung nach den Sommerferien folgen soll. Alle Fakten werden auch künftig auf der Homepage der Stadt zu finden sein. „Wir können froh sein, dass wir keinen Fluss haben, wichtig ist, dass wir den Menschen mit auf den Weg geben, dass jeder auch für sich selbst verantwortlich ist“, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Christina Almert. Wolfgang Diehm, Fraktionsvorsitzender der Bürgerlichen Wählervereinigung warnte: „Keiner kann sich zurücklehnen, ich weiß wovon ich rede, denn ich bin in Wertheim aufgewachsen, deshalb ist es gut, dass wir entsprechende Maßnahmen angehen.“ Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Fritz Schlicher brachte eine mögliche Anlaufstelle ins Spiel, wo sich die Bevölkerung informieren könnte. „Wenn wir schon für den Klimawandel verantwortlich sind, sollten wir unseren Kindern ein gutes Krisenmanagement an die Hand geben.“

Im Zuge der Erarbeitung dieses Starkregenrisikomanagements wurde das Stuttgarter Büro auch beauftragt, einen Hochwasseralarm- und Einsatzplan zu erarbeiten, da beide Themen ineinandergreifen. Gemäß dem Landeskatastrophenschutzgesetz sind Kommunen dazu verpflichtet, einen solchen Plan zu erstellen, damit im Notfall ein nahtloser Übergang aller erforderliche Zuständigkeiten erfolgen kann.

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