Start der Fahrradsaison Ti amo, Radfahren!

Auf zwei Rädern durch den Kessel. Die Fahrradsaison in Stuttgart ist eröffnet. Foto: Unsplash/Flo Karr

Der Frühling ist da! Und unser Autor freut sich, ab sofort wieder mit dem Fahrrad durch unsere Stadt zu fahren. Eine Liebeserklärung an die Fortbewegung auf zwei Rädern.

Im letzten Frühjahr habe ich mir ein Fahrrad gekauft. Lange habe ich mich gegen das Radfahren im Kessel gesträubt, schließlich sind wir hier ja – offensichtlich – eine Autostadt, der Verkehr auf den Straßen ist stressig und nicht immer ungefährlich, Radwege sind im wahrsten Sinne ausbaufähig und auch sonst ist unser Kessel ja viel zu hügelig, was das Fahrradfahren zu einer meist anstrengenden und schweißtreibenden Idee macht. Ja, die Liste der Ausreden war lang. Doch ein Jahr später kann ich sagen, dass mein Fahrrad die vielleicht beste Investition überhaupt war. Und ja, es ist ein E-Bike, aber in schön, denn die Hügel sind dann doch zu steil.

 

Endlich wieder Radfahren

Dieses Jahr freue ich mich richtig auf den Frühling und Sommer in Stuttgart. Denn das heißt nicht nur, dass sich das Leben wieder draußen zwischen Stadtfesten und unverschämt teuren Spritz-Getränken in der Sonne abspielt, sondern auch, dass die Fahrradsaison nun offiziell begonnen hat. Denn zu den ganz Hartgesottenen, die bei Wind und Wetter mit Regen-Cape mit dem Rad durch den Kessel düsen, gehöre ich dann ehrlich gesagt doch nicht. So weit geht die Rad-Liebe (noch) nicht!

Triggerwarnung: Fahrrad

Jetzt ist es in Stuttgart ja so, dass viele Menschen sofort Schnappatmung bekommen, wenn man das Wort „Fahrrad“ nur erwähnt. Zu keinem Thema wird im Kessel (gefühlt) mehr gestritten. Okay, vielleicht noch über die Kehrwoche oder die Preise für eine Kugel Eis. Wenn es ums Radfahren geht, schwingt bei vielen auch immer eine leichte bis starke Aggressivität mit. Auf der Straße oder in den Kommentarspalten auf Social Media. Wenn es ums Fahrradfahren geht, heißt es in Stuttgart immer auch irgendwie: Autofahrende gegen Radfahrende gegen Fußgänger gegen Menschen auf E-Scootern. Oder kurz: alle gegen alle! Wem gehört die Straße? Das weiß man manchmal nicht so genau! Und sobald in der Stadt ein neuer Radweg – oder gar eine komplette Fahrradstraße – entsteht, ist das Gebruddel erwartungsgemäß groß!

Ein bisschen Rücksicht

Ja, Stuttgart wirkt manchmal regelrecht abschreckend, wenn es ums Fahrradfahren geht. Doch auch ich stand schon oft genug in unserer Stadt mit dem Auto im Stau und wartete oft genug an einem Bahnsteig auf eine Bahn, die mal wieder von irgendeiner Signalstörung – oder einem Auto im Gleisbett – ausgebremst wurde, sodass ich das Radfahren im Kessel wirklich zu schätzen gelernt habe. Trotz all der Macken, die die Autostadt Stuttgart von einer richtigen Fahrradstadt unterscheidet. Doch die Erfahrung zeigt, mit ein bisschen Rücksicht kommt man auch im Kessel mit dem Fahrrad schnell, pünktlich und sicher von A nach B.

Radtouren durch den Kessel

Seitdem ich mich auf zwei Rädern durch Stuttgart bewege, habe ich unsere Stadt nochmal aus einer anderen Perspektive kennengelernt. Ganz neue Wege haben sich mir erschlossen. Im wahrsten Sinne. Auf meinen Touren ging es bergauf und bergab, an Baustellen, Weinbergen, bedrohlich großen Autos, Menschenmassen und mal mehr oder weniger entspannten anderen Fahrradfahrenden vorbei. Vom Süden in den Westen, vom Marienplatz über die Tübinger Straße in Richtung Innenstadt, über die Eberhardstraße und den Radweg an der Hauptstätter Straße entlang Richtung Neckar, raus aus der Stadt. Dabei nach einer etwas zu langen Pause an der riesigen Kreuzung am Charlottenplatz weiter in den Schlossgarten, vorbei an Landtag und Oper, über die Brücke, die den Oberen mit dem Mittleren Schlossgarten verbindet und auf der – zumindest in der Theorie – Füßgänger:innen auf der einen Seite laufen und Radfahrer:innen auf der andere Seite fahren sollten, was natürlich nie klappt.

Stadt am Wasser

Doch sobald man sich einmal durch sämtliche kritische Stellen durchgeklingelt hat, ist all der Trubel in der Stadt schon bald passé. Mit dem Rad geht es durch den Schlossgarten in den wunderschönen Rosensteinpark und von dort weiter nach Bad Cannstatt an den Neckar – und plötzlich ist Stuttgart dann doch diese Stadt am Wasser. Ob am Neckar entlang nach Esslingen oder in die andere Richtung zum Max-Eyth-See: auf meinen Radtouren habe ich Stuttgart erneut lieben gelernt. Und festgestellt, dass das Radfahren in unserer Stadt gar nicht schlimm ist. Ach, ich freu mich auf den Frühling und den Sommer. Das Fahrrad ist geputzt, die Reifen sind aufgepumpt. Ti amo, Radfahren!

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