Start-up aus Leinfelden Gäste sollen beim Restaurant-Besuch digital bestellen

Leon Papadakis, Vincent und Raphael Büdel (v.l.) haben oft in der Sigma Taverna an ihrer Idee für sizzly getüftelt. Foto: privat/cf

Drei Freunde verwirklichen eine Start-up-Idee: Restaurant-Gäste sollen digital bestellen. Sie erzählen, warum das Kellner und Gast nicht entfremdet und warum Corona ihrem Konzept Aufwind gegeben hat.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Leinfelden - Der Magen knurrt, der Durst brennt. Man hat den hintersten Platz im Biergarten erwischt und möchte bestellen, aber der Kellner schaut einfach nicht her. Vor der Coronapandemie haben Restaurantbesucher manchmal Szenen wie diese erlebt – und mit der Öffnung der Gastronomie kehren sie allmählich in den Alltag zurück. Die Brüder Raphael und Vincent Büdel und ihr Freund aus Kindergartentagen Leon Papadakis haben ein Start-up gegründet, um Gastronomen die Arbeit zu erleichtern. Sizzly heißt ihr „Baby“, wie sie es nennen, und ist eine Self-Ordering und Payment Plattform, soll also beim Bestellen und Bezahlen helfen. Entweder durch das Abscannen eines QR-Codes im Restaurant oder zuhause am Computer.

 

„Man kann die Speisekarte ansehen und wie in einem Online-Shop bestellen“, sagt Raphael Büdel. Natürlich auch mit einer Kommentarfunktion, um Sonderwünsche wie „bitte ohne Tomaten“ anzugeben, erklärt der 26-Jährige. Bezahlt wird in der Regel direkt online. Das hat den Vorteil, dass der Kellner bei einer Gruppe nicht zehn einzelne Rechnungen stellen muss – und am Ende auf einem Bier sitzen bleibt. Oder dass bestelltes Essen nicht abgeholt und bezahlt wird. Aber bleibt dabei nicht der Kontakt von Gast und Kellner auf der Strecke? „Im Gegenteil. Wir halten ihm den Rücken frei, indem wir ihn von lästigen Routineaufgaben befreien“, sagt Raphael Büdel. Dann bleibe sogar mehr Zeit für ein Schwätzchen.

Gastronomen öffnen sich für Digitales

Mit der Entwicklung ihrer Idee haben die drei jungen Männer, von denen zwei noch studieren, Anfang 2020 angefangen. „Als Corona angefangen hat und alles zu war, haben wir erst gedacht, jetzt lassen wir besser die Finger davon“, sagt Raphael Büdel. „Aber dann haben wir gemerkt, dass es eigentlich ein Beschleuniger für unsere Idee war.“ Denn spätestens jetzt hätten die meisten Gastronomen begriffen, dass ihre Branche nicht an digitalen Angeboten vorbeikommt. Dass es nötig ist, im Internet präsent zu sein und Bestellungen online anzubieten. Vor allem wer junge Gäste erreichen wolle, denn: „Unsere Generation hat teilweise eine Scheu, in einem Restaurant anzurufen. Die haben das Bedürfnis danach, online zu bestellen“, sagt Leon Papadakis.

Der 23-Jährige ist selbst als Gastronomenkind aufgewachsen: Sein Vater führt das griechische Lokal Sigma Taverna in Leinfelden. Auch heute noch hilft er manchmal dort aus. „Ich bin aber nicht so gut darin, viele Teller zu tragen“, sagt er und lacht. Mehr Talent hat er beim Entwickeln von sizzly, das seit drei Wochen in der Sigma Taverna und auch bei Fridas Pier in Stuttgart angewendet wird. Weitere Restaurants starten in den nächsten Wochen – und möglichst viele sollen bald folgen. „Wir wollen rasch in die Breite gehen“, sagt Raphael Büdel. Sie befänden sich im Wettlauf mit anderen, die ähnliche Portale entwickelten. „Wir brauchen jetzt Geschwindigkeit.“ Der Erfolg ihrer Idee hänge nun davon ab, ob sich ein Investor findet. Die Männer aus Leinfelden träumen davon, dass eines Tages ein Großteil der Gastronomie in Deutschland mit sizzly arbeiten wird. Raphael Büdel ist sich sicher: „Entweder funktioniert es gar nicht – oder richtig gut.“

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