Start-up aus Plieningen Der millionste Duschbrocken ist verkauft

Die Duschbrocken-Gründer Johannes Lutz (links) und Christoph Lung inmitten ihrer Produkte Foto: Caroline Holowiecki
Die Duschbrocken-Gründer Johannes Lutz (links) und Christoph Lung inmitten ihrer Produkte Foto: Caroline Holowiecki

Die Firma Duschbrocken sitzt in Plieningen. Geschäftsidee: Shampoo und Duschgel in einem, und zwar verpackungsfrei. Der Siegeszug der bunten Waschstücke hält an – trotz einer schlechten Bewertung bei Öko-Test.

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Plieningen - Sie heißen Frida Früchtchen, Maxi Minz und Carlos Cocos, sie sind klein, bunt und duften intensiv. Hinter den skurrilen Namen verbergen sich schlichte Waschstücke, mit denen sich sowohl Haare als auch Körper reinigen lassen: die Duschbrocken. Erfunden haben sie Johannes Lutz (29) und Christoph Lung (31). Vegan, verpackungs-, mikroplastik- und palmölfrei seien die Seifen, zudem verspricht Johannes Lutz „das schäumigste Duscherlebnis“. Seit einigen Jahren schon sind die Produkte erfolgreich auf dem Markt. „Wir sind jedes Jahr gewachsen“, sagt Johannes Lutz.

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Die Zwei-in-eins-Idee kam dem Duo 2017 auf einer Reise. Der Ausgangsgedanke: Plastikflaschen sind umweltschädlich, außerdem unpraktisch, denn sie können auslaufen und im Handgepäck Probleme verursachen. An der Alternative getüftelt wurde in der Lutz’schen Waschküche im Chausseefeld, mittels Crowdfunding wurde das Start-up schließlich gegründet. In Plieningen, bei Johannes Lutz’ Eltern, ist bis heute der Firmensitz, obwohl Büro und Lager seit März in einem Bürokomplex im Hallschlag sind. Dorthin soll bald auch offiziell der Firmensitz verlegt werden, aus mehreren Gründen. „Da kommt viel Post“, sagt Johannes Lutz über den Briefkasten im Chausseefeld. „Ab und zu verirren sich 40-Tonner in die Spielstraße“, erklärt Christoph Lung.

Auftritt in der Show „Die Höhle der Löwen“

Mittlerweile befindet sich das Unternehmen im vierten Jahr. Seither hat sich viel getan. Die Firma ist gewachsen, beschäftigt heute 23 Mitarbeiter. Neue Produkte, etwa saisonale Duftrichtungen, ein fester Conditioner und ein Behältnis aus einem Plastik-Ersatzstoff, wurden herausgebracht, ein Auftritt in der Show „Die Höhle der Löwen“ brachte zusätzliche Popularität. Zwischenzeitlich waren die Duschbrocken in großen Drogerie- und Supermarktketten erhältlich, heute konzentrieren sich die beiden Gründer wieder vor allem aufs Online-Geschäft und einen möglichst nahen Kundenkontakt. Außerdem sind die Waren nach ihrer Aussage in 100 Unverpacktläden erhältlich.

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In der Zeit hat sich auch der Markt verändert. Etliche andere Hersteller vertreiben ähnliche Lösungen. Johannes Lutz scheut sich, von Konkurrenz zu sprechen. „Jede Plastikflasche, die vermieden wird, begrüßen wir“, sagt er, freilich gehe es aber auch ums Geldverdienen. „Wir wollen, dass das langfristig funktioniert“, sagt er über das Unternehmen. „Das Original zu sein, hilft“, fügt er hinzu. Auch ein miserables Ökotest-Urteil aus dem Frühjahr habe dem Erfolg der Duschbrocken nicht geschadet. Von den Testern setzte es für Maxi Minz ein Ungenügend. Laut Johannes Lutz galt die Kritik in erster Linie Parfümölen. „Wir waren überrascht von der Note“, sagt er, aber man habe sie zum Anlass genommen, Rezepturen zu verändern. „Wir versuchen nicht, uns da rauszureden.“ Die überarbeiteten Duschbrocken lägen Ökotest wieder vor.

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Das Start-up kooperiert mittlerweile mit Profi-Herstellern

Wurde anfangs noch auf rustikale Weise per Pizzateigknetmaschine produziert und von Hand gepresst, kooperiert das Start-up heute mit Profiherstellern. Produziert wird unter anderem in Baden-Württemberg. Wo genau, wird nicht verraten. Auch übers Geld reden Johannes Lutz und Christoph Lung nicht, dennoch haben sie Zahlen parat. Jüngst sei der millionste Duschbrocken verkauft worden. Dadurch habe man zwei Millionen Plastikflaschen oder umgerechnet 100 Tonnen Kunststoff einsparen können, rechnet Christoph Lung vor. „Das ist schon cool“, sagt sein Kompagnon.

Momentan ist eine Halloween-Sonderedition mit Apfelduft erhältlich, zu Weihnachten kehrt die Sorte Renate Granate wieder. Weitere Ideen hat das Duo auch schon. Welche, sagt Christoph Lung nicht. Nur so viel: „Plastikalternativen im Bad, das ist unser Metier.“




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