Start-up aus Stuttgart-Sillenbuch Mit klimaneutralem Kaffee den Nerv der Zeit getroffen

Von Caroline Holowiecki 

Der Sillenbucher Emanuel Vonarx hat das Start-up Earlybird Coffee mitgegründet und vertreibt fairen, klimaneutralen Biokaffee. Nach einer anfänglichen Durststrecke ist der Erfolg da. Den bisher dicksten Deal haben sie 2019 gemacht...

Der Sillenbucher Emanuel Vonarx hat Earlybird Coffee gegründet. Foto: Holowiecki
Der Sillenbucher Emanuel Vonarx hat Earlybird Coffee gegründet. Foto: Holowiecki

Sillenbuch - Hinschmeißen und etwas ganz anderes machen. Davon träumen viele. Der Sillenbucher Emanuel Vonarx und sein ehemaliger Kollege Merlin Stellwag haben es gemacht. Sie haben ihre Jobs im Bereich Projektmanagement und Unternehmensberatung gekündigt und vor fünf Jahren das Start-up Earlybird Coffee aus der Taufe gehoben. Gründe für die 180-Grad-Wende hin zum – so wörtlich – Kaffee für den frühen Vogel hat Emanuel Vonarx viele parat. Er spricht von der Lust am Leben, von Sinnsuche, vom guten Leben. „Wir hatten schon immer viel Passion für Nachhaltigkeit.“

Das zeigt sich in den Produkten. Die Kaffee- und Espresso-Bohnen – jeweils Mischungen aus verschiedenen Herkunftsländern – werden in Hamburg geröstet, danach ins Lager nach Nordrhein-Westfalen gebracht, und sie haben eines gemeinsam: Sie sind biologisch angebaut, fair gehandelt und klimaneutral. Letzteres wird durch eine Kooperation mit der Stiftung Plant-for-the-Planet erreicht, die Ausgleichspflanzungen in Mexiko vornimmt. „Für jedes Kilo Kaffee gleichen wir den Fußabdruck der kompletten Wertschöpfungskette aus“, betont Emanuel Vonarx. Und auch die Qualität soll stimmen. „So viele Menschen trinken Kaffee, der ihnen nicht schmeckt“, glaubt er.

Die Anfänge waren alles andere als rosig

Das kommt an. Mittlerweile geht das Sillenbucher Start-up durch die Decke. Der Online-Shop brummt, zudem beliefert Earlybird Coffee große Firmen und Büros direkt. Den dicksten Deal hat die keine zehn Mitarbeiter starke Firma mit der Drogeriemarktkette dm abgeschlossen. Seit 2019 sind die Produkte in allen knapp 2000 deutschen Filialen erhältlich. Das spiegelt der Umsatz wider. „Letztes Jahr haben wir die Million geknackt – ohne Großinvestor“, sagt Emanuel Vonarx.

Dabei hat vor fünf Jahren alles gar nicht so rosig begonnen. „Wir waren zweimal fast insolvent“, bekennt der frischgebackene Vater. Nachdem er und sein Kompagnon ihre lukrativen Jobs als „Businesskasper“, wie er scherzhaft sagt, gekündigt hatten, war anfangs Schmalhans angesagt. „Wir hatten immer das Spiegelbild, was wir in der Wirtschaft verdienen könnten“, sagt Emanuel Vonarx rückblickend. Viele hätten die Geschäftsidee anfangs kritisch beäugt. Heute ist der Erfolg da. „Es ist schon verrückt. Ich kann an keinem dm vorbeigehen, ohne reinzugehen“, sagt er und strahlt.

Der nächste Schritt: Der Kaffee soll plastikfrei werden

Warum es dann doch geklappt hat? Der Gründer nimmt einen großen Schluck Kaffee und denkt einen Moment nach. „Menschen“, sagt er dann. „An den kritischen Stellen gab es immer Menschen, die uns weitergeholfen haben.“ Die an das Konzept geglaubt und die richtigen Kontakte vermittelt hätten. Der Geschäftsführer dreht sich um und zeigt an eine Wand, wo auf handgeschriebenen Kärtchen die Werte stehen, die in der Firma gelten. „The Power of Nice“ steht dort. Ein Business-Bestseller heißt so. Dessen Untertitel: „Wie Sie die Welt mit Freundlichkeit erobern können.“

Earlybird Coffee will sich weiterentwickeln. „Plastikfrei wäre der nächste Schritt. Wir schauen immer. Wir leben schon dafür“, sagt der studierte BWLer. Ansonsten hat Emanuel Vonarx bescheidene Wünsche für sein Unternehmen: gesund wachsen. Mehrere Großinvestoren hätten schon angeklopft, doch noch schätzten er und sein Mitstreiter die Unabhängigkeit und die Arbeit in einem kleinen Team. „Wir sind auch keine Workaholics“, stellt er klar. Stattdessen sitzt der 33-Jährige im grauen Kapuzenpulli in seinem Innenstadtbüro nahe dem Eugensplatz und benutzt immer wieder diesen einen Begriff: gutes Leben. Er grinst: „Wir machen irgendwas richtig.“

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