Start-up-Camp in Feuerbach Wo die Firmengründung (k)ein Kinderspiel ist

Von Susanne Müller-Baji 

Die Start-up-Ferienwoche in Feuerbach brachte viele kulinarische Geschäftsideen und einige Erkenntnisse.

Diese drei Jungen haben  an ihrem Stand   frittiertes Eis präsentiert. Das Publikum war gespannt, aber auch etwas skeptisch. Foto: Susanne Müller-Baji
Diese drei Jungen haben an ihrem Stand frittiertes Eis präsentiert. Das Publikum war gespannt, aber auch etwas skeptisch. Foto: Susanne Müller-Baji

Feuerbach - In den Ferien einfach mal nichts tun, ist auch ein Ansatz. In der Karl-Kloß-Jugendbildungsstätte am Sportpark machten sich Zwölf- bis 14-Jährige allerdings daran, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen. Am Freitag endete die letzte Start-Up-Ferienwoche der gemeinnützigen Stiftungs-GmbH Rock It Biz mit einer Präsentation vor den Eltern – und vor einer Fachjury.

Wer einmal einen Businessplan geschrieben hat, der weiß, dass das nicht einfach ist. Vielleicht liegt es daran, dass die Zahl der Firmengründungen in Deutschland rückläufig ist. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, mag man sich da bei der gemeinnützigen Stiftungs-GmbH Rock It Biz gedacht haben, und bot nun auch in Feuerbach die so genannten Start-up-Wochen für Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 14 Jahren an. Innerhalb von fünf Tagen mussten sich die Teams zusammenfinden, eine Geschäftsidee mit Finanzplan und Marketing entwickeln und umsetzen. Am Freitag präsentierte die letzte Runde ihr jeweiliges Start-up-Projekt. Es war ein wenig wie beim Fernsehformat die Höhle der Löwen – nur viel wohlwollender.

Startkapital von 50 Euro

Eine Woche lange hatten die Teilnehmer getüftelt. Welches Produkt soll es sein? Was kostet die Herstellung? Wie viel bringt der Verkauf ein, und wie soll es beworben werden? Jedes Team hatte ein Startkapital von 50 Euro. Damit ging es an die Arbeit: Die einen setzten auf eine schicke Verpackung, die anderen drehten einen TV-Spot – immer unterstützt vom Rock It Biz-Team, das sogar echte Firmengründer eingeladen hatte, um über deren Anfänge zu berichten.

Dank der Förderung durch Karl-Schlecht- und Vektor-Stiftung war die Teilnahme für den Unternehmernachwuchs kostenlos.

Mit einer Ausnahme – dem Schmuck aus Modelliermasse – waren alle Projekte in dieser letzten Start-up-Woche kulinarischer Natur, wie Sandra Kipsch von Rock It Biz bei der Begrüßung sagte: „Unsere Küche war ständig voll.“ Chips wurden ausgebacken, regenbogenfarbige Kleinkuchen, Schokofrüchte und Kekse entstanden. Dazu frittiertes Eis in so exotischen Noten wie Schwarzer Sesam und Rote Bohnen. Die Jury – Edith Wolf und Christina Luger von der Vektor-Stiftung, Violetta Fasulo vom Start-up-Center der Stuttgarter Hochschule der Medien sowie Beate Wittkopp vom Steinbeis-Transferzentrum BW – lobte so viel Wagemut. Zuvor hatten die Teams unter anderem umweltfreundliche Verpackungen entwickelt, Skateboards mit LED-Leuchtstreifen oder Firmenlogos aus Bügelperlen.

Aufgabe gemeinsam gemeistert

Am Schluss waren alle stolz, auch, weil sie die Aufgabe gemeinsam gemeistert hatten. Auch wenn man sich am Ende als Finanzdirektor oder Marketingleiter vorstellte: Ganz so glamourös war die Firmengründung wohl doch nicht: „Eigentlich haben wir alle alles gemacht“, sagte einer der Jungunternehmer. Ob es denn Rückmeldungen in den Sozialen Medien gäbe, fragte die Jury: „Keine“, lautete allzu oft die erfrischend ehrliche Antwort. Auch das ist eine wertvolle Erkenntnis.

Würde man sich später tatsächlich selbstständig machen? „Vielleicht schon“, sagt Kevin Kochfiek nach der Eis-Präsentation: „Das Problem ist aber, dass man so viel ausprobieren und dafür Sachen kaufen muss.“ Trotzdem: Wer so jung von dem unternehmerischen Risiko weiß, könnte als Firmengründer tatsächlich einmal Erfolg haben.

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