Start-up Förderprogramm Ein zartes Pflänzchen im Gegenwind

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Pre-Seed – das lässt sich übersetzen mit „vor der Aussaat“. Beinahe hätte ein entsprechendes Programm zur Start-up Förderung in Baden-Württemberg einen herben Rückschlag erlitten.

Das Programm Start-up BW Pre-Seed lässt  Ideen  Wurzeln schlagen. Foto: Pixabay/Kruscha
Das Programm Start-up BW Pre-Seed lässt Ideen Wurzeln schlagen. Foto: Pixabay/Kruscha

Stuttgart - Die Idee hat die CDU-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut vor knapp drei Jahren auf einer Israelreise aufgeschnappt. In einer frühen Phase von Start-ups, in der sie sich schwertun, private Investoren zu finden, macht dort der Staat einen Fördertopf auf. Entscheidend sind zwei weitere Bedingungen: Es muss eine Kofinanzierung durch private Investoren geben. Zudem durchlaufen die Start-ups ein Trainingsprogramm.

Lädiert in den Haushaltsentwurf

Doch das erst 2018 gestartete, von der Wirtschaftsministerin als deutschlandweites Aushängeschild gepriesene Programm namens Start-up BW Pre-Seed, kam lädiert in den Entwurf des Landeshaushalts. Statt bisher 14 Millionen Euro Fördergelder, verteilt auf zwei Jahre, standen dort nur noch zehn – dies trotz der Tatsache, dass der Topf für 2018/2019 bereits im Oktober leer war. Ungefähr 60 Start-ups konnten innerhalb des bisherigen Volumens gefördert werden. Das Ministerium will das Ganze während der laufenden Verhandlungen nicht kommentieren und verweist auf die Vielzahl angestoßener Start-up-Projekte. „Die neu geschaffenen Angebote und Instrumente gilt es nun zu etablieren, entsprechend im Haushalt zu etatisieren und weiter in die Breite zu tragen“, lässt Hoffmeister-Kraut lediglich verlauten.

In letzter Minute sieht es aber danach aus, als könne es im bisherigen Umfang gerettet werden. Das hat aber weniger mit großen, strategischen Entscheidungen zu tun als mit der Tatsache, dass es aufgrund diverser Faktoren wie der Steuerschätzung und der Daimler-Strafzahlungen im Dieselskandal in den Haushaltsverhandlungen doch noch etwas Geld zu verteilen gibt.

Keine Partei will gegen Start-ups sein

Das Programm sei ein ganz wichtiger Beitrag, der die Dynamik des Start-up-Standorts spiegele, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Claus Paal. „Das hat auch eine Hebelwirkung für privates Kapital. Am Ende stecken da viel höhere Summen dahinter.“ Auch Andrea Lindlohr, Wirtschaftsexpertin der Grünen, sieht das so: „Wir wollen die Förderung mindestens auf dem bisherigen Niveau fortführen.“

SPD, FDP und auch die AfD zeigten auf Nachfrage ein Herz für Start-ups in diesem Fall – zumal es in diesem Bereich nicht genügend privates Kapital im Land gibt. Die SPD sieht einen Widerspruch zwischen Ankündigungen und Taten: „Da muss man fast den Eindruck gewinnen, dass die Wirtschaftsministerin zwar bei Kongressen und anderen Terminen die Start-up-Kultur und die Innovationsfähigkeit kleinerer Unternehmen preist, dann aber, ohne mit der Wimper zu zucken, Programme kürzt oder gar ganz streicht“, sagt Boris Weirauch, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD. Die wirtschaftspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gabriele Reich-Gutjahr, verlangt mehr Stetigkeit: „Man muss das jetzt fünf Jahre durchhalten und es dann an den Ergebnissen messen.“

Investoren im Südwesten suchen Absicherung

Erst zusammen mit der Finanzierung des Landes ließen sich Investoren aus der Reserve locken, sagt Adrian Thoma, der in dem von ihm betriebenen Stuttgarter Start-up-Zentrum Steyg selber ein Start-up aus dem Pre-Seed-Programm betreut: „Die Start-ups stehen schon für das nächste Jahr Schlange.“ Doch Thoma hat als Sprecher des Bundesverbands Deutsche Start-ups in Baden-Württemberg auch die Interessen des Standorts im Blick, wenn er sagt: „Pre-Seed BW ist ein absolut attraktives Angebot in Sachen Start-up-Förderung im Ländle.“ Angebote wie diese brauche es unbedingt, wenn es zu einer neuen Gründerzeit in Baden-Württemberg kommen solle. „Die 14 Millionen – wenn es überhaupt so viele werden – sind leider noch zu klein gedacht. Gerade jetzt in der Konjunkturkrise bräuchte es einfach mehr Mut.“

Keine hohe Summe – aber ein Symbol

Doch bei der Start-up-Förderung konkurrieren zwei mit unterschiedlicher politischer Farbe versehene Ministerien: Das schwarze Wirtschaftsministerium und dank der Gründungen im Umfeld der Hochschulen das grüne Wissenschaftsministerium. Zudem zeigt die grüne Finanzministerin dem Aushängeschild Start-up-Förderung im CDU-Wirtschaftsministerium auch mal die Grenzen auf. Der Wahlkampf 2021 wirft da die Schatten voraus.

Überblick: Die Konditionen von Start-up BW Pre-Seed

Finanzierungskonzept –
Achtzig Prozent Förderung des Landes plus zwanzig Prozent privates Kapital, das ist die Formel für das Programm Start-up BW Pre-Seed. Der Begriff aus der Start-up-Finanzierung bedeutet „vor der Aussaat“ – also bevor eine Geschäftsidee Wurzeln schlägt. Je Start-up geht es um Summen zwischen 50 000 und 400 000 Euro.

Programm –
Zusätzlich kommen an mehreren Standorten im Land die Gründer in ein mehrmonatiges Aufbauprogramm, in dem die Geschäftsidee abgeklopft, eventuell verändert und marktreif gemacht wird. Wenn sie einmal Geld verdienen, sollen sie das Staatsgeld abzüglich eines Zuschusses von 20 000 Euro zurückzahlen. Beteiligt sind vielfältige Start-ups mit Ideen aus IT und Mobilität oder mit Themen wie Energie und Ökologie.