Start-up in Israel Das Ziehharmonika-Auto

Von , Tel Aviv 

Zwei Ingenieure in Israel wollten einen Wagen bauen, der in einen Koffer passt. Aber er wäre nicht sicher genug geworden. Jetzt entwickeln sie ein Auto, das beim Parken so breit ist wie ein Motorrad und beim Fahren so breit wie ein Auto.

Asaf Formoza will ein Auto bauen, das die Parkplatznot in Städten verkleinert. Foto: Pörtner
Asaf Formoza will ein Auto bauen, das die Parkplatznot in Städten verkleinert. Foto: Pörtner

Tel Aviv - Die kleine Halle, aus der Asaf Formoza und Gideon Goldwine die Autoindustrie aufmischen wollen, ist nicht leicht zu finden – und sie sieht nicht danach aus, als würde von hier eine Revolution ausgehen. Das Gelände am Rande der Ortschaft Hagor, auf dem die beiden Israelis ihre Firma „City Transformer“ betreiben, liegt rund 25 Kilometer nordöstlich von Tel Aviv. Es ist eine Ansammlung von Werkstätten und Garagen, die alle deutliche Gebrauchsspuren aufweisen.

Unter einem Wellblechdach staubt neben anderen Autos ein Mercedes aus den 90er Jahren ein. Auf dem Hof steht ein verdrecktes Rallye-Fahrzeug, das gerade erst von einem Querfeldeinrennen in der Negev-Wüste zurückgekommen ist. In der Halle von „City-Transformer“, nicht größer als ein halbes Basketball-Feld, dient ein Ensemble aus altem Sofa, abgenutzten Bürostühlen und ehemaligem Esszimmertisch als Konferenzzone. Doch der Anspruch der beiden Jungunternehmer, die hier ihre Gäste empfangen, ist hoch: „Wir versuchen“, sagt Goldwine, „das Auto neu zu erfinden.“

Der Name geht auf eine US-Science-Fiction-Serie zurück

Ihr Firmenname spielt auf die amerikanische Science-Fiction-Serie „Transformers“ an, in der intelligente Roboter vom Planeten Cybertron die Hauptrolle spielen. Sie sind in der Lage, ihre Körper in andere Formen zu verwandeln. Das ist auch die Grundidee hinter „City Transformer“: ein Auto mit vier Rädern verändert sich auf Knopfdruck in ein Fahrzeug von der Breite eines Motorrads – wie bei einer Ziehharmonika. Die Verwandlung findet bei langsamer Fahrt per Knopfdruck statt, kurz vor und kurz nach dem Einparken. 1,60 Meter Breite hat das Fahrzeug in ausgefahrenem Zustand. Dann schieben sich im Boden zwei Platten, an denen auch die Räder befestigt sind, zu einem Meter Breite zusammen – und wieder auseinander. Das Fahrerhaus, in dem zwei Personen hintereinander sitzen können, bleibt dabei unverändert.

„Das Fahrzeug kombiniert die Größe eines Motorrads mit dem Komfort eines Autos“, preist Formoza das Konzept. Im zusammengeklappten Zustand braucht das Vehikel tatsächlich nur wenig Raum – und eröffnet damit neue Perspektiven für geplagte Stadtbewohner, die dringend einen Parkplatz suchen. „Auf der Fläche eines normalen Autos bringen wir vier City Transformer unter“, schwärmt Formoza. „Was für eine Perspektive für Stadtplaner!“

Ihre Parkplatznot hat den Entwicklern die Idee beschert

Die Start-up-Unternehmer, beide promovierte Ingenieure, kamen auf ihr Konzept aus eigenem Leidensdruck: der Parkplatznot in der Metropolregion Tel Aviv. „Unsere erste Idee war, ein Auto zu bauen, das in einen Koffer passt. Das man dann mit ins Büro nehmen kann“, berichtet Goldwine. „Aber so kann man kein Auto konstruieren, das sicher genug für den Straßenverkehr ist.“ Dann kamen sie auf die Kombination aus Motorrad und Auto.

Angetrieben wird das Fahrzeug durch einen Elektromotor. Die Batterie sitzt im beweglichen Boden, eine Ladung soll für 150 Kilometer reichen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 90 Stundenkilometer. „Ein kleines Auto ist in der Stadt mehr als genug“, sagt Formoza. Laut Statistik würden die allermeisten Stadtfahrten sowieso von einem Autoinsassen allein bestritten.