Start-up mit Öko-Dessous Aus Bäumen entsteht ein Hauch von Erotik

Von Susanne Roeder 

Themenschwerpunkt Holz (3): Ein ungewöhnlicher Ausgangsstoff sorgt für Samt und Seide: Coco Malou aus Stuttgart bietet fair produzierte Öko-Dessous.

Gründerin Corinna Borucki präsentiert Dessous aus einem ungewöhnlichen Material. Foto: Susanne Roeder
Gründerin Corinna Borucki präsentiert Dessous aus einem ungewöhnlichen Material. Foto: Susanne Roeder

Stuttgart - BH, Slip, Unterhemd – Dessous sind seit Juni 2018 die Welt von Corinna Borucki. Ihrer Gründung hat sie den klangvollen Namen Coco Malou gegeben. Er sollte melodisch klingen und einprägsam sein. Coco ist Corinnas Spitzname und gleichzeitig eine Anspielung auf die Stilikone und Modezarin Coco Chanel. Der implizite Anspruch: die Haute Couture der Dessous zu werden – auf ökologischer Basis. Mit Holz.

„Ich habe lange recherchiert, was das beste Material ist, das ökologisch und trotzdem fein und weich ist und sich gut anfühlt auf der Haut“, sagt Borucki. Bevor Bilder mit Frauen in Miedern wach werden – Holz ist nur das Ausgangs­material. Ihre Wahl fiel auf ein nachhaltiges Verfahren, an dessen Ende das Material Tencel entsteht. „Tencel ist sehr leicht und hat sehr gute Trageeigenschaften, weil Feuchtigkeit sehr gut abtransportiert wird. Das Material trocknet sehr schnell, ist trotzdem sehr leicht und sehr glatt. Auch da gibt es verschiedene Aufbereitungsarten“, sagt sie. Wer ihr zuhört, merkt schnell, dass sie sich tief eingearbeitet hat. „Wegen des schönen Trage­gefühls wird Tencel auch vegane Seide genannt.“

Die Gründerin geht Schritt für Schritt vor

Ob sich ihre Geschäftsidee langfristig durchsetzen kann, muss sich noch erweisen. Die junge Frau geht vorsichtig vor, plant jeden Schritt sorgfältig. Dabei kommen ihr nicht zuletzt ihr Studium von BWL und Marketing und einige Jahre Berufserfahrung als Angestellte im Marketing bei einer Firma für ökologische Reinigungsmittel zugute. Warum also Coco Malou? „Vor ein paar Jahren bin ich persönlich auf fair produzierte Mode umgestiegen“, sagt die 32-Jährige. Den Anstoß gab der Besuch einer Messe, durch den ihr Blick dafür geschärft worden sei, wie viel in der Mo­deindustrie schieflaufe. „Davor bin ich sehr gerne und sehr häufig shoppen gegangen“, sagt sie.

Sie wollte das eigene Verhalten grundlegend ändern. „Ein paar Monate lang habe ich erst mal gar nichts mehr eingekauft, merkte aber, dass das auch nicht funktioniert. Man möchte seinen Kleiderschrank doch immer mal wieder auffrischen.“ Deshalb startete sie ihren Blog über nachhaltige Mode (www.kissenundkarma.de) und suchte nach fairen Modealternativen. Zwar gebe es secondhand viele Möglichkeiten, doch im Bereich Unterwäsche war das keine Option. Und was es auf dem fairen Markt gab, war nicht nach ihrem Geschmack. „Das meiste war mir zu öko und zu schlicht.“ Irgendwann kam der Gedanke, „wenn ich schöne Dessous nirgendwo finde, geht es bestimmt mehreren Leuten so“. Und wo, wenn nicht auf ihrem Blog sollte sie Meinungen dazu einholen? Dort fragte man sie nach Tipps für Unterwäsche-Marken. „Da ich keinen Rat geben konnte, kam mir der Gedanke: Probier ich’s doch mal selbst.“ Per Crowdfunding konnte sie 30 000 Euro einsammeln, sodass sie sich Anfang des letzten Jahres zur Kündigung ihrer Stelle entschloss. Zusätzlich nahm sie einen Kredit auf, denn „ich muss ja weiterdenken, als nur die erste Produktion abzudecken“. Nun setzte sie alles auf Dessous.

Als absolute Außenseiterin gestartet

Als absoluter Außenseiter in der Modebranche ging der Gründung von Coco Malou ein „langer und mühsamer Weg intensiven Recherchierens“ voraus. Sie besuchte Messen wie die Berlin Fashion Week und deren nachhaltigen Ableger Neonyt. Als Mentorin fand sie eine Expertin in Sachen Dessous: „Es ist schwer, Input zu bekommen, denn die ganze Textilbranche ist ja so gut wie abgewandert“, sagt sie. Auf Messen suchte sie nach Materialien aus Europa, die sich für ihre Dessous eignen. „Mir war auch wichtig, dass die Spitze am Dessous nicht aus China kommt und dreimal um die Welt fliegt, bevor sie verarbeitet wird.“ Über ihre Mentorin fand sie den Produktionsort für ihre Kollektion in Portugal. „Ich war persönlich vor Ort, weil mir wichtig ist, dass die Arbeitsbedingungen gut sind und dass man sich austauschen kann.“ Viele Lieferanten fielen weg, weil Start-ups mit geringer Auftragsmenge nicht so attraktiv sind. Ganz auf Elastan kann sie nicht verzichten. Schließlich sollen die Dessous ihre Form behalten.

Mit Modellen in Schwarz und Weiß fing sie an, dann kam Blau dazu. Bald wird ein Rosé-Ton dazukommen und die Kollektion wird ausgeweitet. Coco Malou ist ein Online-Versand. In drei Jahren will die junge Geschäftsfrau mit ihrer Marke im Handel vertreten sein, damit ihre Kunden die Dessous vor Ort anprobieren können. Wer in der Region Stuttgart wohnt, kann in ihre Büro- und Lagerräume in die Pflasteräckerstraße 41 im Stuttgarter Osten kommen. Das eigene kleine Geschäft wäre „irgendwann ein Traum, aber das ist jetzt noch zu früh“, sagt Borucki.