Start-up-Unternehmen in Stuttgart-Feuerbach Vom Muskel-Shirt zur eigenen Modekollektion

Von Georg Friedel 

Aleksandar Duric und Philipp Deslandes mischen mit ihrem Modelabel GA (Gym Aesthetics) die Fitnessmode-Branche auf. Mit einer Textildruckmaschine fing 2013 alles an. Inzwischen haben die beiden jungen Geschäftsführer eine eigene Kollektion entwickelt.

Firmengründer Aleksandar Duric (l.) und Philipp Deslandes Foto: Georg Friedel
Firmengründer Aleksandar Duric (l.) und Philipp Deslandes Foto: Georg Friedel

Feuerbach - Was bedeuten die zwei Großbuchstaben GA? Geschäftsprinzip Attacke vielleicht? Oder Gut angezogen? Nichts davon. GA steht für Gym Aesthetics und hinter GA stehen die beiden ehemaligen Bosch-Ingenieure Aleksandar Duric und Philipp Deslandes. Beide haben sich vor etwa drei Jahren selbstständig gemacht. Inzwischen haben sie ihren Firmensitz in einem Geschäftshaus an der Stuttgarter Straße 116 in Feuerbach.

Dass sich die zwei Jungunternehmer mit ihrem Start-up im beinharten Wettbewerb der weltweit agierenden Sportausrüster nicht nur eine kleine Nische erobert haben, sondern auch beständig expandieren, klingt wie ein modernes Märchen. Aus dem Wunsch, ein eigenes Label für den Gym- und Fitnessbereich zu gründen, entwickelten die Beiden eine relativ simple Geschäftsidee. Keine Modelinie für die übertrieben hochgezüchteten Muskelberge unter den Bodybuildern sollte es sein: „Unser Ansatz war: Wir brauchen auch kleinere Größen für das griechische Schönheitsideal.“ Also eher etwas für Apollon als für Herakles. „Nicht die Riesenbullen wollten wir bedienen“, sagt Deslandes. Er habe diese Grundidee gehabt, „weil ich damals selbst aktiv im Fitnessbereich war“, betont der 33-Jährige und kreative Kopf im Team.

Mit einer Textildruckmaschine fing alles an

„Ich fand die Idee, ehrlich gesagt, am Anfang nicht so toll, habe dann aber gesagt: Also gut, das machen wir“, sagt Duric. Im April 2013 bei einem Kaffee im Starbucks an der Calwer Straße fällt die Entscheidung: „Komm, wir kaufen jetzt eine Textildruckmaschine.“ Schon am nächsten Tag posten sie auf Facebook die ersten Entwürfe für Stringer (ärmellose Oberteile) und Hoodies (Kapuzenpullis). Die Like-Zahlen schießen durch die Decke. Im Wohnzimmer von Deslandes startet die erste Produktion, kurze Zeit später beziehen sie die Räume eines ehemaligen Küchenstudios an der Überkinger Straße in Bad Cannstatt. „Wir waren in der glücklichen Lage, dass wir vom ersten Tag an Umsatz gemacht haben.“ Sie arbeiten anfangs Tag und Nacht, weil sie noch ihre Jobs bei Bosch haben. Duric wird von dem schwäbischen Automobilzulieferer auch auf Dienstreise nach Korea geschickt: „Das war schon witzig. Tagsüber war ich mit Anzug und Krawatte unterwegs. Und abends habe ich dann im Hotel im Jogginganzug auf Facebook die Anfragen von jugendlichen Fitnessfreaks beantwortet“, erinnert sich der 38-jährige Unternehmer. Mitte 2014 hört er bei Bosch auf.

Deslandes ist schon ein halbes Jahr früher ausgestiegen. Die beiden schöpfen die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke aus. „An einem Freitag saßen wir im Starbucks und hatten die gloriose Idee: Wir stellen die neu konzipierten Hoodies, die wir aber noch gar nicht produziert hatten, einfach zum Verkauf online. Das Problem war, dass wir schon am Abend 1000 Bestellungen, aber kein einziges Teil auf Lager hatten“, berichtet Deslandes. „Also haben wir am Wochenende 72 Stunden durchgearbeitet, um die Teile zu bedrucken.“

Im Juli 2013 wird der Online-Shop eröffnet

Offenbar treffen sie mit ihren Produkten einen Nerv. „Die Leute sind von Beginn an darauf angesprungen“, sagt Duric. Und die Firmengründer bekommen auch Unterstützung von Stars und Werbeträgern aus der Bodybuilder-Szene. „Am 12. Juli 2013 haben wir den Online-Shop eröffnet und gleich am ersten Tag haben wir 8000 Euro Umsatz gemacht“, sagt Duric, der aus Bruchsal stammt. Die Umsatzzahlen gehen nach kurzer Zeit rasant nach oben. „Das klingt jetzt zwar supercool, aber es war zwischendurch ultrafrustrierend. Wir hatten in einem Spitzenmonat kurz vor einer Messe 300 000 Euro Umsatz gemacht, hatten aber gar kein Geld“, sagt Duric. Denn was bleibt, wird direkt wieder in neue Produktlinien investiert. Immer alles ausverkauft: „Den Ruf hatten wir.“ Sie fragen sich aber: „Was passiert nach dem Hype?“ Unternehmerisch sei die Anfangsphase eine große Herausforderung gewesen: „Wie kontrollieren wir dieses wahnsinnige Wachstum? Denn wir hatten ja nicht viele Produkte am Anfang.“ Letzteres hat sich geändert. Seit Frühjahr 2015 gibt es die erste Kollektion, die sie selbst entwickelt haben und außer Haus produzieren lassen.

„Wir sind in der Community gestartet und wollen daraus eine breite Marke bauen“, sagt der gebürtige Münchner Deslandes. Der Schwerpunkt liege nun auf Lauf- und Alltagsbekleidung. Er zeigt eine Winterjacke für Jogger. Sie ist mit synthetischen Daunen befüllt: „Aber es sind keine Nähte zu sehen“, zeigt er. Statt aneinander genäht werden die Stoffteile mit Ultraschallgeschwindigkeit aneinander gerieben und verschweißt. An anderer Stelle ist das Textil perforiert, damit die Luft zirkulieren kann. So behält der Jogger die richtige Körpertemperatur. Auffällig ist die kantige Form: „Wir kommen als Ingenieure aus der Automobilindustrie und wir zeigen das auch durch die Formen und Funktionen.“ Die Bosch-Tugenden haben die Geschäftsführer nicht aus den Augen verloren: „Dort haben wir all die Management-Werkzeuge und die Prozesse, wie man Dinge erfolgreich umsetzt, gelernt“, sagen sie.

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