Start-ups an der Uni Unternehmertum als Seminarabschluss

Auch das richtige Schaulaufen vor einer Jury will erst einmal geübt sein. Foto: Felix Pilz
Auch das richtige Schaulaufen vor einer Jury will erst einmal geübt sein. Foto: Felix Pilz

Zum dritten Mal hat an der Universität Stuttgart-Hohenheim das Finale der Start-up-Garage stattgefunden. Dort lernen Studenten das Einmaleins der Start-up-Gründung. Das erfolgreiche Angebot wird nun ausgebaut.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)

Stuttgart - Sieben Teams mit ihren Gründerideen, die während eines ganzes Semesters ausgefeilt worden waren, haben sich in der voll besetzten Thomas-Müntzer-Scheuer in Stuttgart-Hohenheim dem Publikum und der Fachjury gestellt. Dazu gehörte ein Start-up, das internationale Geldtransfers erleichtert; eine Technologie, die aus angeschwemmten Tang Plastikrohstoff macht; sowie ein Konzept, um Wein aus der Region einem jungen Publikum schmackhaft zu machen. Hinzu kamen Apps und Internet-Plattformen, die zum Radeln in Stuttgart ermuntern, Flüchtlingshilfe beziehungsweise Uni-Nachhilfe besser organisieren oder so genanntes Superfood aus Peru auf den deutschen Markt bringen wollen.

Seit 2015 bietet in jedem Sommersemester die Universität-Hohenheim eine Lehrveranstaltung der besonderen Art an. Die vom Hohenheimer Lehrstuhl für Entrepreneurship angestoßene Start-up-Garage soll das Thema Gründen von der Theorie in die Praxis bringen. Nach modernen Start-up-Methoden wie dem so genannten Design Thinking soll binnen gut drei Monaten aus einer Idee ein vorzeigbares Geschäftskonzept werden. Externe Mentoren und Seminarstunden in Start-up-Zentren bringen Impulse von außen. Die Studenten bekommen aber keinen Schein und keine Punkte. „Sie müssen sich selber motivieren können“, sagt Andreas Kuckertz, Professor am Lehrstuhl für Entrepreneurship. Das kristallisiert sich nach den ersten Seminarstunden, die der Ideen- und der Teamfindung dienen, schnell heraus. Aus rund 60 Interessenten werden rund die Hälfte – und in der Regel sieben Teams.

Die Hürde von der Theorie zur Praxis nehmen

Hochschulen die aus der Fachhochschul-Tradition kommen, wie die Hochschule der Medien in Stuttgart, haben das praktische Gründen schon immer integriert. Doch an wissenschaftlichen Hochschulen war die Hürde von der Theorie zur Praxis bisher höher. Es fehlten praktische Lehrformate. „Wir sind ganz offen für Ideen. Auch Start-ups mit einem sozial motivierten Ansatz sind uns willkommen“, sagt Kuckertz: „Das wichtigste ist, dass die Studierenden lernen, wie Unternehmer zu denken.“ Die Garage sei ein Raum für „Hacker, Tüftler und Macher“ sagt der Betreuer Leif Brändle.

In den etwas mehr als zwei Jahren ihres Bestehens hat es die Veranstaltung laut Evaluation der Studenten zum beliebtesten Lehrformat geschafft. Nun wird es vom Landeswissenschaftsministerium gefördert. Eine Stelle für die Betreuung der Start-up Garage macht es möglich, die Veranstaltung künftig in jedem Semester anzubieten, nicht mehr nur im Sommer. Ziel in Hohenheim ist es, im Rahmen der Start-up Garage Studenten der Wirtschaftswissenschaft verstärkt mit Kommilitonen der agrarwissenschaftlichen und der naturwissenschaftlichen Fakultät zusammenzubringen und gemischte Teams zu bilden. Bisher stellen Wirtschaftswissenschaftler etwa zwei Drittel der Teilnehmer, obwohl sie nur die Hälfte der Studenten an der Uni repräsentieren.

Der Sieger hat schon ganz konkrete Pläne

Wie ernsthaft die Studenten das Thema angehen, zeigt der diesjährige Sieger des Start-up-Finales. Ernest Eze und Julian Schulz, die gerade ihren Bachelor in Wirtschaftswissenschaften absolvieren, wollen mit MoneyTransfair eine Angebot für internationale Finanztransaktionen in Länder ohne ausgebautes Bankensystem etablieren. Ihre Idee: Ein hybrides Angebot, das in Deutschland online über eine App die Einzahlungen sammelt, im Empfängerland aber Bargeld ausliefert.

Die Idee kam Eze als er erlebte, wie schwerfällig, und teuer für seine Verwandten Überweisungen nach Nigeria bisher sind. Nicht nur die Kombination von offline und online soll zum Markenzeichen werden, sondern auch die Fairness. Bisher wird von den großen Anbietern an jeder Transaktion saftig verdient. MoneyTransfair verspricht den Nutzern, dass ein Teil der durch Wechselkursgewinnen erzielten Profite sozialen und ökologischen Projekten im Empfängerland zu Gute kommt. Außerdem will man preisgünstiger sein. Mit dem nicht rein profitgetriebenen Aspekt sind sie typisch für die Gründer der Start-up-Garage. Soziale und ökologische Aspekte treiben die meisten an. Die Pläne des Siegerteams sind schon konkret: Derzeit knüpfen sie ein Netz an Probekunden. „Wir müssen erst einmal 50 000 Euro für die regulatorischen Anforderungen aufbringen. Bis die durch sind, dürfte es drei bis Monate dauern“, sagt Eze. Dann brauche es einen Investor, der bereit ist, etwa 500 000 Euro aufzubringen. Anfang oder Mitte 2018 könne man dann starten.

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