Start-Ups in Baden-Württemberg Neue Gründer braucht das Land

Minister Nils Schmid will den Mangel an neuen Betrieben im Land beheben. Foto: dpa
Minister Nils Schmid will den Mangel an neuen Betrieben im Land beheben. Foto: dpa

Seit Jahren sinkt die Zahl der Firmengründungen in Baden-Württemberg. Das will die Landesregierung ändern und den Ruf des Südwestens als Gründerland beleben.

Wirtschaft: Eva Drews (ave)
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Stuttgart - Die Deutschlandkarte ist blassrosa bis kräftig ziegelrot. Zumindest, wenn man die zur Hand nimmt, auf der das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn die Neugründungen pro Erwerbstätigen aufzeichnet (siehe Grafik). Jedes Jahr veröffentlicht das IfM das Ergebnis dieses sogenannten Nui-Indikators. Nui steht für Neue unternehmerische Initiative und zählt alle Gründungen, soweit sie statistisch erfasst werden – also auch solche im Nebenerwerb – und misst sie an der Zahl der Erwerbsfähigen in einem Kreis.

Nur eine dunkelrote Fläche im Land: Baden-Baden

Diejenigen Regionen Deutschlands, die eine hohe Gründungsintensität aufweisen, zeichnet das IfM in dunklem Ziegelrot ein. Je niedriger die Intensität, desto blasser fällt die Farbe aus. In Bayern, genauer gesagt rund um die Landeshauptstadt München, zeigt die Karte das größte ziegelrote Gebiet. Einen auffallenden Fleck gibt es noch einmal rund um Frankfurt, wo mit Offenbach der langjährig erstplatzierte Kreis liegt: hier, im Speckgürtel der Finanzmetropole, wurden im Jahr 2011 insgesamt 511 Unternehmen pro 10 000 Einwohner gegründet.

Darüber hinaus finden sich ganz dunkle Flächen nur noch vereinzelt – in Baden-Württemberg gibt es nur eine einzige, und die ist relativ klein: die kreisfreie Stadt Baden-Baden. Sie rangiert auf Platz sechs der Nui-Liste und hat mit 248 Gründungen pro 10 000 Einwohner weniger als die Hälfte des Spitzenreiters Offenbach. Der Rest des deutschen Südwestens changiert zwischen 110 und 186 Neugründungen pro 10 000 Erwerbsfähigen. Im Bundesländervergleich nach Nui-Kriterien landet Baden-Württemberg auf dem achten Platz. Das alles ist nicht dramatisch schlecht, aber auch kein Anlass zu jubilieren. Bei „wirtschaftlich vermutlich etwas bedeutsameren Betriebsgründungen“ attestiert das Statistische Landesamt dem Südwesten für das vergangene Jahr gar einen Platz „im unteren Bereich“ des Länderrankings. Insgesamt sank die Zahl von Neugründungen im Land im vergangenen Jahr um deutliche neun Prozent.

Ein Minus von neun Prozent

Für Georg Licht vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist es allerdings nicht so alarmierend, wie es die Zahlen nahelegen. Man müsse unterscheiden, so der Forscher, über welche Art von Gründung gesprochen werde. Es gebe drei Gruppen: Gründer, die keine Jobalternative haben, solche, die sich selbstständig machten, um ihr eigener Chef zu sein, und schließlich diejenigen, die „mit der Chance gründen, die Wachstum verheißt“. Die erste Gruppe sei in Zeiten der Vollbeschäftigung naturgemäß klein. Hinzu kommt, dass die Bundesagentur für Arbeit ihre Förderpolitik geändert hat. Seit Anfang 2012 steht der Gründungszuschuss für vormals arbeitslose Gründer nur noch Antragstellern offen, die keine Chance auf Vermittlung in abhängige Beschäftigung haben. Diejenigen, die sich selbstständig machen, um ihr eigener Chef zu sein, seien zwar zahlenmäßig eine große Masse, so Licht, ihre Existenzgründungen hätten aber kaum einen Beschäftigungseffekt. Auch in dieser Gruppe dürfte die geänderte Förderpolitik einen Effekt haben. Zudem seien Gründungen in Bereichen wie Dienstleistungen oder Einzelhandel in Baden-Württemberg eher unterdurchschnittlich häufig gewesen. Entscheidend sei hingegen die Gruppe der chancenorientierten Gründer, die mittelfristig – also in zehn bis zwanzig Jahren – einen Beschäftigungseffekt erreichen.

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