Start-ups in Heilbronn Heilbronn gründet jenseits der Schubladen

Das Team vom Heilbronner Start-up-Bäcker AI, das dank Künstlicher Intelligenz die Verschwendung von Backwaren stoppen will. In der Mitte Gründer Fabian Taigel. Foto: Bäcker AI/Bäcker AI

Mit dem Projekt Campus Founders, das eng mit Hochschulen kooperiert, aber zugleich unabhängig agiert, will man in der Stadt für Start-ups neue Wege gehen.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Heilbronn - Eine filigrane Fußgängerbrücke über den Bahngleisen bei Heilbronn bildet das Verbindungsglied für ein Vorzeigeprojekt. Beiderseits der Trasse ist hier, unterstützt von der Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz, in den vergangenen zehn Jahren ein Bildungscampus entstanden, der elf Institutionen aus Bildung und Wirtschaft sowie 6500 Studierende versammelt. Dazu gehören etwa eine Programmierschule, die Duale Hochschule und die Hochschule Heilbronn sowie Institute von Fraunhofer oder Steinbeis.

 

Brücke zwischen vielen Akteuren

Eine der neuesten Institutionen soll ebenfalls eine Verbindung schaffen – diesmal zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gründern. Die Campus Founders sollen mehr sein als eines der inzwischen zahlreichen Start-up-Projekte im Hochschulbereich, die in einer der besten Gründerlebensphasen vor allem Studenten zum Unternehmertum ermuntern soll. Gründer von innerhalb und außerhalb der Hochschule, Fachkompetenz aus dem akademischen Bereich, Unternehmen als potenzielle Kunden oder Finanziers oder Investoren sollen hier eine gemeinsame Anlaufstelle finden. Für die überregionale Strahlkraft soll die Kooperation mit der Technischen Universität München sorgen, bei Start-up-Gründungen eine führende Adresse in Deutschland.

Lockruf reicht bis ins Silicon Valley

Der Chef des Projekts, Oliver Hanisch, hat mehrere Unternehmen gegründet und 15 Jahre im Silicon Valley verbracht, als den gebürtigen Böblinger ein Lockruf aus Heilbronn ereilte. „Mich hat die Vision einer Region gereizt, die sich aus einer Position der Stärke ganz neu erfinden möchte“, sagt Hanisch. Heilbronn ist beim Thema Start-up schon lange aktiv: Es gibt Investorenzirkel wie das Venture-Forum Neckar oder den ebenfalls mit dem Lidl-Mäzen Dieter Schwarz verbundenen Zukunftsfonds Heilbronn. Sogar ein Spezialbereich, Investitionen in Start-ups aus dem Lebensmittelbereich, wird von einer Gruppe namens „Food Angels“ bedient.

Freiraum unabhängig von der Hochschule

Die Campus Founders agieren einerseits in enger Verbindung mit der Hochschule und sind andererseits unabhängig. Alles aus einer Hand, ist die Idee: Fachlich-wissenschaftliche Beratung durch Hochschulprofessoren, Kooperation mit Gründerprogrammen an den Heilbronner Hochschulen, Gründerbetreuung und Start-up-Programme, Kontaktaufnahme zu Investoren und Kunden. Selber investieren können die Campus Founders als Teil einer Stiftung nicht.

In zwei Jahren sollen die Campus Founders sogar ein eigenes Gebäude auf dem Bildungscampus bekommen. Bisher hat man rund hundert Veranstaltungen organisiert und begleitet zurzeit insgesamt 69 Start-up-Teams. Der Schwerpunkt liegt bei Gründungen im Frühstadium. Aber erste Vorzeigegründungen wie etwa das Datenanalyse-Start-up Mikan haben sich Investments gesichert. Noch hat sich kein einzelner Schwerpunkt herauskristallisiert. Start-ups aus dem Lebensmittelbereich stehen neben dem Schwerpunkt Lernen in Unternehmen oder Personalmanagement. Klassische Themen aus der Region wie Maschinenbau oder Robotik, aber auch Handel und Logistik sind vertreten.

Der Großkunde DHL aus dem Bereich Logistik hat Steven Bliim aus Australien nach Heilbronn gebracht. Sein Start-up Cipherpoint will bei den sensiblen Prozessen im Versandbereich für Datensicherheit sorgen. Gerade im sensiblen Datenbereich gehe es um Vertrauen, für das die lokal vernetzten Campus Founders bürgten: „Sie brauchen da die Verbindungen zur lokalen Wirtschaft.“ Anders sei der gewaltige Sprung nach Deutschland nicht möglich gewesen. „Ich bin angenehm überrascht gewesen, wie international, vor allem europäisch es hier zugeht“, sagt Bliim. Als seine Frau und er die Bundesgartenschau erlebten, seien sie von der Dynamik in Heilbronn überzeugt gewesen.

Start-up aus Australien

Künstliche Intelligenz für Bäcker

Fabian Taigel musste sich hingegen nur aus dem nahen Würzburg nach Heilbronn begeben. Sein Start-up Bäcker AI will mittels Künstlicher Intelligenz und Daten, die vom Wetter bis zu Verkaufsstatistiken reichen, Bäckern eine bessere Prognose erlauben, wie viel von ihren schnell verderblichen Produkten Käufer finden. Dass er hier ist, verdankt er einem Zufall: Er nahm in Heilbronn an einem regionalen Start-up-Wettbewerb teil – und wurde von den Campus Founders direkt angesprochen. „Man kümmert sich hier richtig um uns. Wir haben hier alle Möglichkeiten, Coaching, Hilfe beim Marketing, Empfehlungen für mögliche Kunden,“ sagt er. Man ist stark bei der Technologieentwicklung – doch beim Drumherum, etwa der Finanzierung, fehlen Erfahrungen. Und hier füllen die Campus Founders die Lücken.

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