Startup aus Deckenpfronn Revolutionäre Wurst aus Omas Waschküche

Die junge Gründerszene: Manuel und Marcel Stöffler mit ihrem Kompagnon Michael Ziegler (von links) Foto: Kevin Kuhn
Die junge Gründerszene: Manuel und Marcel Stöffler mit ihrem Kompagnon Michael Ziegler (von links) Foto: Kevin Kuhn

Aus ihren Hobbys wollen die Brüder Marcel und Manuel Stöffler mit ihrem Kumpel Michael Ziegler ein Geschäft machen: Für sportliche Grillfans haben sie ein neues Produkt kreiert – mit wenig Fett und viel Geschmack. Das Start-up kommt gut an.

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Deckenpfronn - In der Waschküche seiner Oma hat sich Marcel Stöffler eingerichtet. Ein Fleischwolf steht dort, eine Füllmaschine, es gibt zwei Arbeitsplatten und Gewürzregale. Der Raum ist sein Labor. „Unsere Mutter hat ihn irgendwann aus der Küche geschmissen, weil er mit seinen Entwicklungen immer so viel Sauerei machte“, erzählt sein Bruder Manuel. Als 15-Jähriger hat Marcel Stöffler die erste eigene Wurst kreiert, und das findet er gar nicht so besonders: Schließlich machte er damals eine Lehre zum Metzger, und Metzger machen nun mal ihre Wurst selbst. „Da kann man sehr kreativ sein“, sagt der 25-Jährige. Seine Experimente führten ziemlich weit – zu 30 Wurstvariationen, von denen manche fast fettfrei sind, und einem Start-up namens Grillido.

Bei einer Feier hatte Marcel Stöffler mal wieder alle Beteiligten begeistert. Ob es beim Geburtstagsfest des Vaters mit einer Bärlauchwurst war oder bei der Abschiedsparty nach seinem Lebensmitteltechnikstudium in Berlin, darüber sind sich die Brüder uneins. „Schade, dass es so etwas nicht zu kaufen gibt“, sagte jedenfalls Manuel Stöffler bei der Gelegenheit, und sein Kumpel Michael Ziegler erklärte: „Jungs, da machen wir was draus!“ Auf den Weihnachtsmärkten von Sindelfingen, Weil der Stadt und Rottenburg wagten die drei Deckenpfronner dann ein Testessen und servierten Putenwurst mit Orangen und Zimt. Mittlerweile verkaufen sie in der Woche bis zu 6000 Stück übers Internet.

Die Wurstrevolution ist eine Verpflichtung

„Anfangs war die Wurstrevolution ein Hobby, jetzt ist eine Verpflichtung daraus geworden“, sagt Manuel Stöffler. Nebenher lässt sich das Unternehmen nicht mehr stemmen. In seinem Büro stapeln sich die Visitenkarten, die ihm an ihrem Stand auf der Fitnessmesse Fibo zugesteckt worden sind. Der 27-Jährige arbeitet eigentlich als Wirtschaftsingenieur für Daimler. Michael Ziegler hat gerade sein Studium in München mit einem Master in technischer Betriebswirtschaftlehre abgeschlossen. Geld verdient bei Grillido momentan nur der Produktentwickler, und der hat viel zu viel zu tun: Bisher stellte Marcel Stöffler die Würste in der Wurstküche seines Onkels Walter Ziegler her, die Oma und Omas Nachbarin halfen beim Verpacken und Verschicken. Nun tüfteln die Firmengründer an der richtigen Wachstumsstrategie.

Supermarktketten haben schon Interesse bekundet und Investoren. Aber Grillido soll nicht verbrannt werden, sondern schonend gegart: „Wir wollen eine sehr traditionelle Branche revolutionieren“, sagt Michael Ziegler. Das Potenzial dafür steckt in ihrer Wurst, sind sich die Deckenpfronner sicher. Denn im Schnitt haben die Kreationen ein Drittel weniger Kalorien als die herkömmliche Ware und ihrer Meinung nach viel mehr Geschmack, ohne Zusatzstoffe und Fleisch aus Massentierhaltung. Die Variation Bavaria ist beispielsweise mit Schweinefleisch, Sauerkraut und Rauchfleisch gefüllt, im Bestseller Popeye sind Spinat, Schafskäse und Hähnchenfleisch kombiniert. Die leichteste Wurst besteht aus Putenfleisch, Spargel, Balsamico-Essig und Honig – und nur 2,4 Gramm Fett. Mit „Grillido Sport“ hat Marcel Stöffler noch einen Eiweißriegel für Sportler in Form eines Peitschenstecken geschaffen.

„Grillen ist für mich der geilste Sport“

„Was wir machen, gibt es in dieser Konsequenz weltweit noch nicht“, meint Michael Ziegler. Ihre Zielgruppe sind vor allem kalorienbewusste Frauen und Sportler, ihre Marke soll für ein modernes Lebensgefühl stehen. „Grillen ist für mich der geilste Sport“, bringt Manuel Stöffler den aktuellen Trend auf den Punkt. Beim Wettbewerb „Best of Munich“ steht Grillido derzeit im Finale der besten zehn Start-ups der Stadt. An verschiedenen Hochschulen hat Michael Ziegler Projektarbeiten angezettelt, unter anderem, um die Wirkung der Würste ernährungswissenschaftlich zu untersuchen sowie eine umweltfreundliche Designpackung zu entwickeln. Marcel Stöffler steht derweil mehrmals in der Woche in Omas alter Waschküche und macht seine Experimente: „Oft fällt mir sofort etwas ein, das gut zusammenpasst“, erklärt er seine Vorgehensweise. Gerade tüftelt er an einem weiteren Powersnack, eine Art Müsliriegel mit Fleischeinlage.




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