Startup Autobahn Eliso – Pitchen als ein Appetithappen

Von Susanne Roeder 

IdeenwerkBW-Schwerpunkt Startup-Pitch (1): Knackige Präsentationen sind für Gründer lebenswichtig. Wir haben bei erfolgreichen Startups gefragt, was ihr Rezept ist. Das Stuttgarter Startup Eliso überzeugte mit Infrastruktur für Elektromobilität im Programm Startup Autobahn.

Das Team von Eliso – Geschäftsführer Johannes Brodführer ist zweiter von links. Foto: Susanne Roeder
Das Team von Eliso – Geschäftsführer Johannes Brodführer ist zweiter von links. Foto: Susanne Roeder

Stuttgart - Wer es in die Arena 2036 schafft, hat es wirklich geschafft? So einfach ist die Gleichung nicht, zumindest aber sind es „exzellente Startbedingungen“, urteilen die Jungunternehmer der Eliso GmbH aus Stuttgart. Kaum stand das Innovationszentrum rund um das Automobil am Pfaffenwaldring 19 auf dem Campus der Universität Stuttgart, konnten die Gründer des Ladeinfrastrukturdienstleisters dort ihre erste Heimat finden.

„Ihr seid ein E-Mobilitäts-Startup aus Stuttgart, wir sind ein Mobilitäts-Akzelerator. Kommt doch zu uns in die Räume“, so habe die Einladung zur Präsentation, dem so genannten Pitch gelautet, sagt der Geschäftsführer und Vater von Eliso, Johannes Brodführer. Ausgesprochen wurde sie von Plug and Play, dem amerikanischen Partner des Programms Startup Autobahn von Daimler. „Es war eine wunderbare Zeit, für uns die perfekte Startrampe“, resümieren die Gründer einhellig. „Schließlich erforscht die Arena die Automobilproduktion der Zukunft, und davon wollen wir ein Teil sein.“

Ein Jahr lang von der Arena 2036 profitiert

In der Arena 2036 profitierte Eliso für ein knappes Jahr von vielen Vorzügen. Dann aber musste mehr Platz her, denn Eliso ist binnen einem Jahr von vier auf zehn Mitglieder angewachsen. So bezog das Team nach einer Übergangslösung vor kurzem sein neues Zuhause und Wunschquartier im Heusteigviertel und somit mittendrin im Stuttgarter Kesseltreiben.

Im Pitchen sind sie mittlerweile erfahren. „Natürlich ist man vor einem Pitch aufgeregt, vor allem war der für die Arena 2036 ja noch einer der ersten zehn Pitches. Jetzt sind es 30 bis 40, die ich hinter mich gebracht habe“, erzählt Johannes. Nach wie vor sei es keine Routine; die stelle sich bei Pitches wohl nie wirklich ein. „Der Gegenüber und die Situation sind doch immer wieder neu. Aber mit der Zeit wird man immer sicherer.“ Der Pitch in der Arena 2036, bei dem es in drei Minuten alles Wichtige zu erzählen galt, war zudem nicht in der Muttersprache, sondern auf Englisch.

„Es läuft dann aber eigentlich immer besser, als man denkt.“ Zumal Johannes einen Teil seines Studiums an der Ivy League Universität Berkeley verbracht hatte. Wie oft hat er geübt? „Nur einmal“, sagt er. Man kenne schließlich sein Thema und das solle authentisch rüberkommen.

Auch für Eliso ist gutes Pitchen das A und O

Gutes Pitchen hält der auf diesem Gebiet unterdessen Erfahrene für das A und O beim Gründen. „Ich glaube, bei den Pitches ist es ganz wichtig, dass man nicht hundertmal übt. Es geht darum, die wichtigste Botschaft rüberzubringen – und die muss emotional verstanden werden“, ist er überzeugt. Eine gewisse Aufregung dabei sei sympathisch. Und: „Man macht es ja doch jedes Mal ein bisschen anders, baut da noch einen Satz ein, eine Pointe, einen Kommentar.“

Beim Pitchen gehe es nicht so sehr um Fakten, sondern darum, das Interesse zu wecken, die Zuhörer gewogen zu machen für das Geschäftsmodell. Ähnlich einer kleinen Vorspeise in gehobenen Restaurants, mit dem die Küche die Gaumen ihrer Gäste für Weiteres stimuliert. „Wenn du überzeugt bist von Deiner Geschäftsidee und findest, dass sie läuft, Spaß macht und sehr sinnvoll ist, dann trägst Du das automatisch sehr engagiert vor und kannst dein Publikum und potenzielle Investoren leichter faszinieren.“ Und das gelingt Eliso gut. Die zweite Finanzierungsrunde ist abgeschlossen, ein weiterer Investor nun an Bord.

Das Geschäftsmodell liegt voll im Trend

Das Geschäftsmodell von Eliso ist topaktuell: Man will die Elektromobilität vorantreiben. Im Namen steckt der Anspruch, elektrische Infrastrukturlösungen anzubieten. Angefangen hat alles mit einem Hotelbesitzer, den Johannes seit Jahren geschäftlich wie privat kannte. Johannes‘ Idee, Ladeinfrastruktur als Gesamtpaket mit Planung, Beratung, Installation und Betrieb seinen Gästen anbieten zu können, gefiel ihm. „Als er mir für diese Leistungen Geld gab, war dies für mich gleichzeitig der Beweis für das Geschäftsmodell und das Startsignal für die Gründung von Eliso.“

Als studierter Innovationsmanager kommt er nicht direkt vom Fach. „Tatsächlich aber war es bei mir so, dass ich mich während des Studiums sehr stark in die Elektromobilität vertiefte. Die Materie hat mich von Anfang an so stark interessiert, dass ich mir binnen zehn Jahren auch ohne das klassische Ingenieurstudium sukzessive das nötige Wissen angelesen und angeeignet habe“, sagt er. Aber das gehe nur „zusammen mit meinem Team, das ich mir sukzessive zusammengestellt habe.“

Geld verdient Eliso mit dem Service

Mit seinem Serviceangebot habe er auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, habe alles sehr bewusst geplant. Erst jetzt komme Bewegung in die Branche. Immer wieder ändere sich etwas, komme eine neue Gesetzgebung. „Das macht es anstrengend, aber auch spannend, weil man immer wieder gezwungen ist, andere Lösungen zu finden, einen neuen Weg einzuschlagen. Startup geht nur mit Vollgas.

Sicher ist sich der Gründer auch dabei: „Es ist vor allem das Wie im Team, das den Unterschied macht. Ich habe die richtigen Leute nicht nur gefunden, sondern sie auch behalten. Nur weil das Team so wunderbar funktioniert, sind wir da, wo wir sind. Und weil wir Gas geben und den extra Meter laufen.“

„Bei uns geht es nicht nur um den Aufbau und die Installation einer Ladestation, sondern auch um deren Management und Betrieb.“ Letztlich verdient Eliso somit nicht nur beim Aufbauen. „Hier kämpfen wir gegen milliardenschwere Giganten – aber wir bieten ja den Rundum-Service auch an, also Ladevorgang, Abrechnung, Lastmanagement und Wartung.“ Je größer das Netz wird, umso mehr Geld verdient dann das junge Unternehmen. Das Ziel ist klar: Eliso will sich auf dem Markt der Ladeinfrastruktur etablieren.

Kurzporträt: Startup für Elektromobilität

Eliso sitzt in Stuttgart und hat eine Dependance in Berlin. Der Dienste des Elektromobilitätsdienstleisters rund ums Laden bedienen sich Kunden und Partner wie der Flughafen Stuttgart, Mahle, Elektromobilität Südwest, Fraunhofer IAO, TÜV Rheinland, AOK, die Immobilienfirma Pflugfelder.

Dass er etwas Eigenes auf die Beine stellen wollte, war dem studierten Innovationsmanager Johannes Brodführer frühzeitig klar. Vor der Gründung von Eliso arbeitete er als Berater, unter anderem für VW, BMW und Siemens. Im Eliso Team sind ein Ingenieur für regenerative Energien, Betriebswirte, Wirtschaftsmathematiker, Informatiker, ein Journalist. Die bisher einzige Frau im Team verantwortet das Marketing – und damit prompt einen klassischen Frauenberuf.

Kontinuierlich sucht Eliso neue Mitarbeiter. Als Startup sei das nicht leicht, zumal die Gehälter unter denen etablierter Firmen liegen. Entscheidungskompetenz haben dafür alle Team-Mitglieder von Anfang an, umgekehrt sei es Bedingung, auch Verantwortung zu übernehmen.