Statistik der Polizei Wie sicher lebt es sich im Rems-Murr-Kreis?

Die Polizeipräsidien in Baden-Württemberg geben derzeit ihre Jahreszahlen heraus. Foto: Marijan Murat/dpa

Die Polizei erklärt, in welchen Städten sich die meisten und die wenigsten Straftaten ereignen. Ein Allzeithoch gibt es in einem besonders tragischen Bereich der Kriminalität.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Deutschland versinkt in Mord, Totschlag und Vergewaltigung – könnte man zumindest meinen, zöge man sein Weltbild nur aus den Kommentarspalten der sozialen Medien. Dort zeichnen Nutzer regelmäßig ein düsteres Bild von der Sicherheitslage.

 

Doch ist diese wirklich so schlecht? Nüchternen Aufschluss darüber geben regelmäßig die Jahresberichte der Polizeipräsidien im Land. Wir haben uns die Statistik der Polizei Aalen angesehen, die sich um die Landkreise Rems-Murr, Schwäbisch Hall und den Ostalbkreis kümmert. Unsere Übersicht zeigt die wichtigsten Fakten zur Kriminalität im Jahr 2025.

Nur im Raum Pforzheim lebt es sich sicherer als hier

Im Jahr 2025 gab es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen deutlich weniger Straftaten: Mit 34.071 Fällen gab es, im Sieben-Jahres-Vergleich gesehen, nur im Corona-Jahr 2021 weniger Straftaten. Insgesamt sind die drei Landkreise das zweitsicherste Gebiet in ganz Baden-Württemberg. Das wird aus der sogenannten Häufigkeitszahl (HZ) deutlich, welche die Zahl der Straftaten in Relation zu jeweils 100.000 Einwohnern setzt. Diese beträgt hier lediglich 3553 – nur im Bereich des Präsidiums Pforzheim gab es weniger Straftaten. Zum Vergleich: Die Polizeipräsidien in Stuttgart (HZ: 8797) und Freiburg (6431) haben es mit einer deutlich höheren Kriminalitätsbelastung zu tun.

Der Rems-Murr-Kreis hatte im vergangenen Jahr eine – immer noch sehr niedrige – Häufigkeitszahl von durchschnittlich 3701. Aber innerhalb des Landkreises gibt es deutliche Unterschiede. Während Weinstadt mit einer HZ von 3668 statistisch gesehen die sicherste Stadt im Landkreis ist, passieren in Winnenden (HZ: 5081) deutlich mehr Straftaten. „Bereiche mit Autobahnen, Bundesstraßen und einer guten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sind von Straftaten meist stärker belastet“, erklärt der Polizeipräsident Reiner Möller.

Die Kriminalität in den Kreisstädten im Vergleich Foto: Polizei Aalen

Weniger Drogenkriminalität – aber nur wegen neuer Gesetzeslage

Erfreulich: Moderate Rückgänge gab es bei den Gewalt- und Aggressionsdelikten, beim Diebstahl und bei den Messerangriffen. Auch die Zahl der Angriffe auf Rettungskräfte und Polizisten ist leicht gesunken. Ein Rückgang fällt mit Blick auf die Zahlen besonders ins Auge: Bei der Rauschgiftkriminalität ist die Zahl der Straftaten um knapp 36 Prozent, also um mehr als ein Drittel, zurückgegangen. Das sieht zunächst nach einer positiven Entwicklung aus, hat aber eine besondere Ursache: „Der Grund hierfür ist vor allem das Konsumcannabisgesetz“, sagt Möller. Cannabis ist weitgehend legalisiert – was früher ein Gesetzesverstoß war, taucht nun nicht mehr in der Statistik auf.

Polizeipräsident Reiner Möller (Archivbild) Foto: dpa

Trauriger Rekord bei der Kinderpornografie

Anstiege gab es allerdings bei den Straftaten gegen das Leben, worunter Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen und fahrlässige Tötung, aber auch strafbarer Schwangerschaftsabbruch zählen. Während es im Rems-Murr-Kreis zwar deutlich weniger solche Fälle gab, verzeichnete die Polizei im Ostalbkreis ein Plus von 80 Prozent und im Kreis Schwäbisch Hall fast 43 Prozent mehr solcher Fälle. Insgesamt bedeutet dies einen Anstieg um fast 24 Prozent auf 42 Fälle in den drei Landkreisen – entgegen des abwärts zeigenden Landestrends.

Einen Anstieg gab es auch wieder bei den Fällen von Kinder- und Jugendpornografie. Dies zeigt vor allem der Vergleich mit dem Vor-Corona-Jahr 2019. Verzeichnete die Polizei damals noch 98 solcher Fälle, waren es im vergangenen Jahr 514, das ist ein Allzeithoch. Ein Großteil der Anzeigen stammt aus Hinweisen der US-Organisation NCMEC (National Center for missing and exploited children). Die Datenmengen, die diese den deutschen Ermittlern weiterleitet, sind enorm – und die Belastung für die Fahnder groß, trotz des Einsatzes von künstlicher Intelligenz.

Noch keine Zahlen zu politisch motivierten Taten – warum?

Eine Auffälligkeit in diesem Jahr: Die Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität liegen noch nicht vor. Eine Sprecherin des baden-württembergischen Innenministeriums erklärt, das Land habe in diesem Jahr auf eine neue Onlineversion der Kriminalstatistik umgestellt. „Dadurch konnten wir die Menschen schneller informieren“, sagt sie. Die Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität würden ergänzt, sobald sie vorlägen. Im Jahr zuvor handelte es sich um rund 500 Straftaten.

In der Statistik taucht auch ein anderer Bereich nicht auf – und das trotz eines Schadens von fast zwei Millionen Euro in den drei Landkreisen: Weil bei vielen betrügerischen Anrufen der Tatort im Ausland liegt, fließen sie in die Zahlen nicht mit ein. Laut Reiner Möller ist die Aufklärungsquote hier mit einem halben Prozent extrem niedrig – „trotzdem bitten wir dringend darum, diese Fälle zu melden“.

Einen kompletten Überblick über die Kriminalitätsstatistik im Rems-Murr-Kreis finden Sie auf der Webseite des Polizeipräsidiums Aalen (ppaalen.polizei-bw.de)

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