Statistik für den Kreis Ludwigsburg Zahl der ADHS-Diagnosen nimmt zu

Von Lisa Kutteruf 

Bei immer mehr Menschen im Landkreis Ludwigsburg wird eine ADHS festgestellt. Vor allem 10- bis 14-jährige Jungen sind betroffen.

Häufig macht sich eine ADHS erst in der Schule bemerkbar. Beim Verdacht auf die Störung sind ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung wichtig. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Häufig macht sich eine ADHS erst in der Schule bemerkbar. Beim Verdacht auf die Störung sind ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung wichtig. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Ludwigsburg - Unaufmerksam, impulsiv, übermäßig aktiv. Diese Eigenschaften treffen auf Menschen zu, die an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. 957 Versicherte der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) waren im Jahr 2017 im Kreis Ludwigsburg wegen der Erkrankung in Behandlung, wie die Krankenkasse mitteilt. Zwischen 2013 und 2017 ist die Zahl demnach um fast vier Prozent pro Jahr angestiegen. Nach Angaben der AOK sind vor allem Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren von ADHS betroffen.

In Deutschland erhielten etwa fünf von 100 Kindern eine ADHS-Diagnose. Als auffällig bezeichnet es die Krankenkasse, dass Männer deutlich häufiger von der Krankheit betroffen seien als Frauen: Von 32 729 Versicherten, die aufgrund von ADHS in Behandlung sind, seien 23 614 männlich; das entspricht einem Anteil von etwa 72 Prozent.

ADHS-Fälle in Ludwigsburg unter dem Landesschnitt

Insgesamt wurde im Jahr 2017 bei 0,5 Prozent aller AOK-Versicherten im Kreis Ludwigsburg eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert. Zum Vergleich: Im Rems-Murr-Kreis waren es 0,6 Prozent. Damit liegen beide Landkreise unter dem Durchschnitt in Baden-Württemberg, der sich auf 0,8 Prozent beläuft.

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Das Thema ADHS ist immer wieder Gegenstand der Lehrerfortbildung im Landkreis, teilt Hubert Haaga, der Leiter des Staatlichen Schulamts Ludwigsburg, auf Anfrage mit. „Wichtig ist, dass die Schulen gut in ein Netzwerk der Hilfen eingebunden sind, um im Einzelfall – wenn notwendig – weitere Unterstützungsangebote zu aktivieren“, sagt Haaga. Aussagen darüber, wie sich die steigende Anzahl der ADHS-Diagnosen an den Schulen bemerkbar macht, kann das Schulamt hingegen nicht treffen, da keine Erhebungen zu ADHS-Erkrankten existierten.

Im Erwachsenenalter verändern sich die Symptome

Ein gewisses Maß an Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Aktivität bei Kindern und Jugendlichen sind der AOK zufolge durchaus normal. „Bei einer ADHS nehmen sie allerdings ein Ausmaß an, das sich deutlich vom Verhalten Gleichaltriger unterscheidet“, sagt AOK-Ärztin Sabine Knapstein. Beim Verdacht auf ADHS seien ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung wichtig, um andere Ursachen für das Verhalten des Kindes auszuschließen. Auch Schlafstörungen, Sehfehler, Schwerhörigkeit, oder eine Schilddrüsenüberfunktion könnten Auslöser für Konzentrationsschwierigkeiten oder Hyperaktivität sein. Kinder und Jugendliche mit ADHS neigen offenbar zu Unfällen und Entwicklungsproblemen. Im Erwachsenenalter veränderten sich die Symptome oft. Typisch seien innere Unruhe oder Rastlosigkeit.

Die Ursachen der ADHS sind nicht geklärt. „Vermutlich wirken die Veranlagung und äußere Einflüsse zusammen“, sagt Knapstein. Studien zufolge seien Kinder häufiger betroffen, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft geraucht, Alkohol- oder Drogen konsumiert hätten. Manche Fachleute sähen ADHS als Folge von Reizüberflutung, Bewegungsmangel und starker Leistungsorientierung. Zu diesen Theorien gibt es aber laut Knapstein noch keine zuverlässigen Studien.