Statt Amazon Hachette will Bücher über Twitter verkaufen

Von Nora Stöhr 

Die Autoren der US-Verlagsgruppe Hachette testen nach dem Streit mit Amazon einen neuen Vertriebsweg – Bücher sollen über Twitter beworben und verkauft werden.

Funktioniert der direkte Verkauf von Büchern über Twitter?  Diese Strategie will der Verlag Hachette nun ausprobieren. Foto: dpa
Funktioniert der direkte Verkauf von Büchern über Twitter? Diese Strategie will der Verlag Hachette nun ausprobieren. Foto: dpa

Stuttgart - Die US-Verlagsgruppe Hachette geht neue Vertriebswege und will den Kurznachrichtendienst Twitter als Verkaufsplattform nutzen. Die Idee: in Zukunft sollen Hachette-Autoren ihre Bücher mit 140 Zeichen via Twitter bewerben, und die User sollen die beworbenen Bücher dort gleich und direkt kaufen können.

Dafür kooperiert Hachette mit dem Start-up Gumroad, das den Buy-Button, also Kauf-Knopf, zur Verfügung stellt – eine Schaltfläche, die in die Tweets der Autoren eingebaut ist und die den direkten Einkauf erlaubt, ohne dafür das soziale Netzwerk verlassen zu müssen. Über Gumroad können Nutzer schon jetzt Musik direkt über Twitter von Künstlern kaufen.

Hachette startet seinen Testlauf mit beliebten Autoren

Ein erster Testlauf soll nach Angaben von Hachette noch in diesen Tagen starten. Zunächst soll nur eine kleine Auswahl an Büchern von Autoren mit vielen Twitter-Followern verkauft werden. So werden in Kürze die neusten Werke der Sängerin Amanda Palmer (eine Million Follower), des Ex-Astronauten Chris Hadfield (1,2 Millionen Follower) und ein Buch des Satire-Magazins „The Onion“ (6,6 Millionen Follower) über Twitter erhältlich sein.

„Schon jetzt läuft ein großer Teil unseres Marketings über unsere Social Media Kanäle“, sagte Hachette-Chef Michael Pietsch dem britischen Fachmagazin „The Bookseller“. Die Verkäufe via Twitter seien da ein natürlicher nächster Schritt.

Besonders hart treffen könnte Hachettes Versuch, seine Bücher direkt zu vertreiben, den Onlinehändler Amazon. Mit ihm führte Hachette – einer der fünf großen Verlagskonzerne in den Vereinigten Staaten – monatelang einen Streit um Preise und die Verteilung von Einnahmen bei E-Books. Als Druckmittel hatte Amazon im Frühjahr begonnen, weniger Printtitel der Verlage ins Lager zu nehmen, sodass Kunden nur mit Zeitverzögerung beliefert wurden. Mitte November wurde vereinbart, dass Hachette das Recht hat, die Preise seiner E-Books selbst festzulegen.