Stau-Hotspot bei Pforzheim „Entscheidender Meilenstein“ der Riesen-Baustelle auf der A8 rückt näher

Blick über die Baustelle im Enztal in Fahrtrichtung Stuttgart – hier Anfang Dezember 2025 Foto: Autobahn GmbH

2025 kam die wenig frohe Botschaft: Der Ausbau der A-8-Enztalquerung bei Pforzheim verzögert sich bis 2027. Es geht aber auch voran – ein Blick auf den aktuellen Stand.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Wer regelmäßig im Großraum Stuttgart im Auto sitzt, der kennt sie mindestens aus den Staunachrichten oder hat selbst an dieser Stelle schon viel Zeit verloren: die Enztalquerung. Seit rund vier Jahren wird hier, zwischen den Ausfahrten Pforzheim-Nord und Pforzheim-Süd, die Autobahn mit der Nummer 8 von zwei auf drei Fahrspuren je Richtung ausgebaut. Seitdem hat der Streckenabschnitt den Ruf als wohl staureichster Streckenabschnitt auf den baden-württembergischen Autobahnen verfestigt.

 

Das belegt auch die Statistik: Auf rund 5000 Staustunden kam der Automobilclub ADAC in seiner aktuellsten Berechnung für das Jahr 2024, an gut 13 Stunden pro Tag wurde demnach hier die Geduld der Fahrer strapaziert. Eine Statistik für 2025 gibt es zwar noch nicht, an Staumeldungen haperte es aber auch im vergangenen Jahr nicht. 2025 folgte dann ausgerechnet auch noch die schlechte Botschaft, dass die Fertigstellung des Mammutprojekts länger als geplant dauert – nicht Ende 2026, sondern erst 2027 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

A8 bei Pforzheim: Statistisch an jedem Tag 13 Stunden Stau

Aber was passiert hier eigentlich – und warum? Der Streckenabschnitt bei Pforzheim mit einer Gesamtlänge von 4,8 Kilometer ist das letzte Stück, auf dem die A 8 noch keine sechs Spuren hat. Mit dem Großprojekt Enztalquerung, ausgeführt von der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest, soll der Verkehr künftig flüssiger laufen. Außerdem werden auf der Strecke, die noch vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde und teilweise gefährliche Auf- und Abfahren beinhaltet, Steigungen und Gefälle reduziert – für mehr Verkehrssicherheit.

Dafür wird die Fahrbahn teils tiefergelegt, um bis zu 13 Meter. Nördlich der Enz wird die Autobahn außerdem eingedeckelt, hier entsteht, zwischen den Wohngebieten von Eutingen und Kieselbronn, auf 380 Meter Länge ein Tunnel.

Und noch weitere Maßnahmen gehören zum großen Projektpaket: zahlreiche neue Brückenbauten, der Ausbau der Bundesstraße 10, eine komplett neue Anschlussstelle, eine Grünbrücke für Tiere, Lärmschutzbauten, auch Entwässerungssysteme. Alleine für die tiefergelegte Fahrbahn müssten laut Autobahn GmbH 1,1 Million Kubikmeter Gestein und Erde bewegt werden.

Enztalquerung: Verkehr wird bald auf die erste fertige Fahrbahn umgeleitet

Immerhin, einen Stillstand gab es auf der Riesen-Baustelle im Jahr 2025 trotz angekündigter Verzögerung nicht. Es seien zentrale Bauwerke wie die Grünbrücke Hagenschieß, die neuen Brücken über die B 10 und über die Enz in Fahrtrichtung Stuttgart sowie die erste Röhre der Lärmschutzeinhausung entscheidend vorangebracht worden, hieß es seitens der Autobahn GmbH vor dem Jahreswechsel. „Der Baufortschritt an der A-8-Enztalquerung ist für alle sichtbar“, so Christine Baur-Fewson, Direktorin der Niederlassung Südwest, in einer Mitteilung. Und tatsächlich: Bei veröffentlichten Drohnenbildern vom Dezember 2025 ist die asphaltierte Fahrbahn in Richtung Stuttgart ebenso gut zu erkennen wie die erste, fast fertige Röhre des neuen Tunnels.

Die erste Röhre des rund 380 Meter langen Tunnels nördlich der Enz ist weitestgehend fertig. Anfang 2026 soll hier der Verkehr durchfließen können. Foto: Autobahn GmbH

Besonders deutlich wird sich der Fortschritt des Projekts wahrscheinlich auch recht bald für die Autofahrer selbst zeigen. Denn Anfang dieses Jahres soll der Verkehr mit jeweils zwei Spuren pro Fahrtrichtung auf die fertiggestellte Fahrbahn in Richtung Stuttgart geleitet werden, dann geht auch die erste Tunnelröhre im überdeckelten Bereich nördlich der Enz in Betrieb. Das sei ein „entscheidender Meilenstein“, so Baur-Fewson. Für die Autofahrer wird damit auch eine enge Kurve an der Enzbrücke entfallen, die Autobahn GmbH verspricht sich davon weniger Unfälle im Baustellenbereich. Wann genau die Umlegung des Verkehrs auf die neue Fahrbahn vonstattengeht, ist noch nicht bekannt – lange soll es aber wohl nicht mehr dauern.

2026 wird es auf der A 8 weitere Vollsperrungen geben

Gefasst machen müssen sich die Autofahrer derweil auch in diesem Jahr auf einige Vollsperrungen. Laut Autobahn GmbH wird die B 10 voraussichtlich im ersten Halbjahr wegen dem Abbruch einer Behelfsbrücke gesperrt. Im zweiten Halbjahr wird dann die A 8 selbst dichtgemacht für den Einhub neuer Überbauten an zwei Brücken. Genau Termine gibt es noch nicht. Bei Vollsperrungen der Autobahn wurden diese in der Vergangenheit meist auf einzelne Wochenenden begrenzt.

Für Anrainerkommunen, Anwohnern, Pendlern und Lokalpolitik heißt es gleichwohl auch in diesem Jahr weiterhin: Aushalten und Durchhalten. Denn die Baustelle kostet nicht nur Zeit, Nerven – und der Stadt Pforzheim ein einigermaßen unverschuldetes Image als Staustadt – sie kostet auch Geld. Die aktuelle Kostenschätzung liegt noch bei 340 Millionen Euro. Tendenz aber steigend. Denn die Bauverzögerung ist hier noch nicht eingepreist.

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