ExklusivStaudt über die Situation beim VfB Stuttgart „Wir brauchen jetzt keine Experimente“

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VfB-Ehrenpräsident Erwin Staudt spricht mit der Stuttgarter Zeitung über Robin Dutt, Alexander Zorniger und mögliche Stuttgarter Trainerkandidaten.

Erwin Staudt (rechts, mit Dieter Hundt) macht sich Sorgen um den VfB. Foto: Baumann
Erwin Staudt (rechts, mit Dieter Hundt) macht sich Sorgen um den VfB. Foto: Baumann

StuttgartErwin Staudt (67) macht sich große Sorgen um den VfB Stuttgart. In seinen Augen sollte der Club möglichst schnell einen erfahrenen Trainer verpflichten, zum Beispiel Lucien Favre.

Herr Staudt, hat es Sie überrascht, dass Alexander Zorniger nach dem verheerenden Auftritt der Mannschaft beim 0:4 am Samstag gegen Augsburg entlassen worden ist?
Ich nehme nicht an, dass die Vereinsführung ihre Entscheidung von einem einzigen Spiel abhängig gemacht hat, auch wenn dieses Spiel ein absoluter Tiefpunkt war, seit ich den VfB verfolge – und das mache ich ja schon seit vielen Jahren.
Was hat Sie am Samstag besonders gestört?
Alles! Da hat gar nichts gepasst – das ganze Verhalten der Spieler nicht, angefangen von ihrer Körpersprache. Deshalb war es absolut nachvollziehbar, dass sie von den Zuschauern verhöhnt wurden – und genauso nachvollziehbar ist es, dass der Club den Trainer für diese Vorstellung verantwortlich macht.
Was hat Zorniger falsch gemacht?
Da erinnere ich an Friedrich den Großen, der hat einmal gesagt: Ein General ohne Fortune ist ein schlechter General.
Es dürfte jedoch nicht nur das Glück gewesen sein, das dem Trainer gefehlt hat?
Ich halte Alexander Zorniger für einen authentischen Mann, der eine klare Vorstellung von Fußball und auch viel Stehvermögen hat. Das sind gute Eigenschaften, finde ich – und das schätze ich an ihm auch.
Aber?
Man muss ja nur auf die Tabelle gucken. Es geht um Punkte – und davon hat der VfB deutlich zu wenig.
Jetzt übernimmt Jürgen Kramny das Team bis auf Weiteres. Glauben Sie, dass daraus eine Dauerlösung über die Partie am Sonntag in Dortmund hinaus werden könnte?
Ich denke, dass Jürgen Kramny bei der zweiten Mannschaft bleiben wird. Jetzt springt er in Dortmund ein und wird sicher versuchen, das Beste aus dieser Situation zu machen.
Und wie sollte es danach weitergehen?
Der VfB braucht einen Trainer, der erfahren ist – so schnell wie möglich. Meiner Meinung nach muss das eine überzeugende Persönlichkeit aus der Bundesliga sein, denn die Aufgabe ist nicht einfach. Der neue Mann muss das Team auch schon auf die Rückrunde vorbereiten. Dann geht es für den VfB um die Wurst.
Die Lage ist ernst. . .
Deshalb brauchen wir jetzt auch keine Experimente, sondern eine klare Linie.
Schade eigentlich, dass angesichts dessen der zweimalige Retter Huub Stevens nicht mehr auf dem Markt ist, sondern schon in Hoffenheim gelandet ist.
Es wäre aber ohnehin ein Armutszeugnis gewesen, ihn zum dritten Mal zu verpflichten. Der VfB muss sich nun etwas anderes einfallen lassen.
Was wäre für Sie eine optimale Lösung?
Von den gehandelten Kandidaten könnte ich mir Lucien Favre und Markus Gisdol sehr gut vorstellen. Tayfun Korkut kenne ich dagegen zu wenig, um ihn beurteilen zu können. Aber insgesamt hat unser Manager Robin Dutt da natürlich den besseren Marktüberblick.
Dutt hat Zorniger geholt und ihn mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet – im Nachhinein erwies sich das als Fehlgriff. Ist der Manager dadurch beschädigt?
Die hinter dieser Verpflichtung steckende Absicht von Robin Dutt war klar erkennbar und nachvollziehbar. Aber jeder weiß, dass es im Fußball keine Garantie und immer ein Restrisiko gibt – selbst wenn man José Mourinho unter Vertrag nehmen würde.
Trotzdem bleibt die Tatsache, dass sich Dutt in der Sache mit Zorniger getäuscht hat.
Leuten in solchen Positionen muss man aber ein paar Schüsse frei geben. Man muss ihnen zubilligen, dass sie sich auch mal irren können. Nur wer keine Entscheidungen trifft, macht keine Fehler.