Staus in Stuttgart-Möhringen Experten haben Möhringer Verkehr im Blick

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Ralf Thomas, der Leiter der Integrierten Verkehrsleitzentrale, hat im Bezirksbeirat berichtet, wo die Stadt Kameras installiert hat und welche Möglichkeiten er und seine Mitarbeiter nun haben.

Die Kameras senden alle 90 Sekunden ein Bild an die Mitarbeiter der Integrierten Verkehrsleitzentrale in Bad Cannstatt. Foto: Integrierte Verkehrsleitzentrale
Die Kameras senden alle 90 Sekunden ein Bild an die Mitarbeiter der Integrierten Verkehrsleitzentrale in Bad Cannstatt. Foto: Integrierte Verkehrsleitzentrale

Möhringen - Der blinde Fleck ist weg. Die Stadt Stuttgart hat in den vergangenen Monaten zehn Kameras im Stadtbezirk Möhringen installiert. Die Bilder, die von diesen im 90-Sekunden-Takt gesendet werden, flimmern über die Bildschirme in der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ) in Bad Cannstatt. Vor den Monitoren sitzen der Leiter Ralf Thomas und seine Kollegen und werten die Daten aus. Sie sehen, wo der Verkehr langsam rollt oder gar steht und welche Kreuzungen verstopft sind. „Wir sind jetzt gut ausgestattet. Ein paar Kameras kommen noch und ein paar weitere Kameras wären noch wünschenswert“, sagte Thomas am Mittwochabend im Bezirksbeirat.

Das Ziel ist es freilich, dass der Verkehr besser fließt. Bis die Mitarbeiter der IVLZ aber sinnvoll eingreifen können, werden wohl noch ein paar Monate vergehen. „Wir müssen zunächst Daten und Erfahrungen sammeln“, sagte Thomas. Prinzipiell haben er und seine Kollegen die Möglichkeit, zum Beispiel die Ampelschaltungen an den Kreuzungen zu verändern und der ein oder anderen Richtung eine längere Grünphase zu geben. Zudem gibt die IVLZ Verkehrsmeldungen heraus, die dann von den örtlichen Radiosendern oder auch von den Navigationsgeräten an die Autofahrer weitergegeben werden. Darüber hinaus werden die Mitarbeiter bei der Planung von Baustellen zurate gezogen oder bei Veranstaltungen, die ein größeres Verkehrsaufkommen erwarten lassen.

Manchmal reicht ein Anruf

Manchmal genügt sogar ein Anruf. So war es vor Kurzem, als ein Laster vor der Baustelle an der Vaihinger Straße 25 bis 29 eine Fahrspur in Richtung Rembrandtstraße blockierte. „Die Autos stauten sich schon bis zur Filderbahnstraße. Doch ein Anruf beim Bauleiter reichte, binnen kurzer Zeit war der Lkw wieder weg“, erzählte Thomas im Bezirksbeirat. Anschließend habe man noch ein wenig an der Ampelschaltung justiert, sodass sich der Stau schnell aufgelöst habe.

Thomas räumte aber auch ein, dass sich diese Szene um die Mittagszeit, also bei geringem Verkehrsaufkommen, abgespielt habe. Dennoch sei es ein gutes Beispiel für das, was die Mitarbeiter der IVLZ leisten können. Generell gelte, dass die IVLZ nicht in den normalen, tagtäglichen Verkehr eingreife, sondern nur bei besonderen Situationen, also zum Beispiel bei Unfällen oder Baustellen.

Noch keine Wünsche für den Doppelhaushalt

Die Bezirksbeiräte freuten sich, dass Möhringen nun an die IVLZ angeschlossen ist. „Der Verkehr soll auf der Autobahn und der Nord-Süd-Straße bleiben, um die Wohngebiete zu entlasten“, formulierte der CDU-Bezirksbeirat Fred Wagner ein Ziel. Er wollte wissen, ob sich die IVLZ für die Filderebene noch etwas wünsche, das im kommenden Doppelhaushalt finanziert werden sollte. Thomas antwortete, dass es für Wünsche zu früh sei, weil die Kameras erst vor Kurzem installiert wurden und man nun zunächst Daten sammeln müsse.

„Sie sind unsere große Hoffnung“, sagte Dieter Bernhardt (SPD) und ergänzte: „Wir hoffen, dass die IVLZ den Verkehr bei uns ein bisschen besser in den Griff bekommt.“ Das Problem sei der Verkehr, der von der Autobahn, der B 27 und der Nord-Süd-Straße komme, also die Fahrzeuge, „die eigentlich gar nicht zu Möhringen gehören“. Bernhardt fragte, ob die IVLZ ausschließlich Empfehlungen geben dürfe, oder ob auch Zwangsmaßnahmen denkbar seien. Thomas antwortete, dass restriktive Maßnahmen wie eine Zuflussregulierung durchaus möglich seien. „Das müssen wir uns aber sehr genau anschauen, denn damit produzieren wir immer wo anders Stau, und außerdem kommt dann auch die eigene Bevölkerung nicht mehr rein. Da kann man ja nicht unterscheiden.“

Verstopfte Kreuzungen sind häufig ein Problem

Ingrid Schulte (SPD) wollte wissen, ob die IVLZ auch ein Auge auf die häufig verstopften Kreuzungen in Möhringen haben. Das Problem sei, dass manche Autofahrer auch dann noch in die Kreuzung einfahren, wenn der Verkehr auf der anderen Seite gar nicht mehr abfließt. „Ich hoffe, dass wir nun all diese Kreuzungen im Blick haben“, antwortete Thomas. Die IVLZ könne in solchen Fällen eingreifen. So zum Beispiel mit längeren Grünphasen und mit Stauschleifen. Letzteres bedeutet, dass der Verkehr bereits vor der kritischen Kreuzung an einer Ampel zurückgehalten wird.

Oliver Laauser (Grüne) wollte wissen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Meldungen der IVLZ auch tatsächlich auf den Navigationsgeräten erscheinen. „Wir können die Betreiber nicht dazu zwingen. Aber die meisten machen es, weil sie einen Mehrwert darin sehen“, antwortete Thomas.

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