Staus in und um Leonberg Verkehrschaos: Es muss endlich gehandelt werden

Der Leonberger FDP-Fraktionschef Horst Nebenführ (links) erläutert Thomas K. Slotwinski seine Pläne für eine Umfahrung. Foto: Simon Granvillle

Seit Jahrzehnten wird über eine Entlastung Leonbergs diskutiert. Der FDP-Plan ist eine gute Grundlage, um Worten Taten folgen zu lassen, meint Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Die Diskussion um die Verkehrsführung in Leonberg kann ohne Übertreibung als unendliche Geschichte bezeichnet werden. Die Älteren werden sich noch an die Debatten um den Engelbergtunnel als Umfahrung erinnern, die dann in der Realisierung des großen Autobahntunnels aufgegangen sind.

 

Eine gänzlich andere Tunnelvariante sorgte bis vor acht Jahren für reichlich Gesprächsstoff: Eine Umfahrung unter der Altstadt sollte das Leonberger Zentrum entlasten. Auf Höhe des Haldengebiets wären die Autofahrer unter der Erde verschwunden und hinter dem Bahnhof wieder hervorgekommen, um von dort aus über die Brennerstraße zu Autobahn zu gelangen. Über diese Möglichkeit hatte auch der damals gerade frisch gewählte Oberbürgermeister Martin Kaufmann, wie sich Cohn seinerzeit noch nannte, laut nachgedacht. Doch die Pläne vom Altstadttunnel scheiterten am Geld und den schwierigen Bodenverhältnissen. Und letztlich auch am fehlenden Willen der Umsetzung.

Vor sechs Jahren erregte ein Plan der Freien Wähler größeres Aufsehen. Deren Stadtrat Johannes Frey, ein hauptberuflicher Architekt, hatte eine Streckenführung von der Autobahnabfahrt Leonberg-West durch die Felder an Höfingen vorbei entwickelt. Der entscheidende Vorteil gegenüber den Vorgängermodellen: Nicht nur die Innenstadt würde entlastet, sondern auch Gebersheim und Höfingen. Beide Stadtteile sind dicht, wenn der Engelbergtunnel gesperrt ist, und die Lastwagen und Autos sich von der A 81 bei Ditzingen querbeet auf die A 8 bei Rutesheim quälen.

Freys Variante war bewusst im Vorfeld der damaligen Kommunalwahl platziert worden, danach versandete sie in der Routine des Alltags. Bis sie jetzt von den Leonberger Liberalen in Form einer abgespeckten Version wiederbelebt wurde. Hat sich doch die Verkehrssituation im Leonberger Stadtgebiet und am mehr berüchtigten als berühmten Autobahndreieck in den vergangenen Jahren keineswegs entspannt. Im Gegenteil: Sperrungen des unter gefühlter Endlossanierung stehenden Engelbergtunnels gehören beinahe zur Tagesordnung, verbunden mit den schon erwähnten Auswirkungen auf das Umfeld.

Staus am Engelbergtunnel gehören zum nervigen Alltag. Foto: KS-Images /Andreas Rometsch

Ist es aber in Zeiten, in denen allenthalben der große Begriff der Verkehrswende die Runde macht, sinnvoll, auf eine neue Straße zu setzen? Es spricht im konkreten Fall vieles dafür. Die Zahl der Autozulassungen nimmt nicht ab, sondern zu. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Und so lange die Bahn weder für Menschen noch für Güter ein verlässliches Transportmittel ist, wird auch die Zahl der Lkw ansteigen.

Freys Pläne überarbeitet haben der Leonberger FDP-Fraktionschef Horst Nebenführ und der frühere Stadtverbandsvorsitzende Kurt Kindermann. Beide sind abgeklärte Realpolitiker. Als Physiker verlässt sich insbesondere Nebenführ mehr auf Zahlen und Fakten als auf Emotionen. Aber man muss auch kein Experte sein, um zu erahnen, dass angesichts des real existierenden Verkehrsaufkommens weder die absolut wünschenswerten Visionen beruhigter Innenstädte mit grünen Lungen, noch die dringend gebotene Entlastung der im Durchgangsverkehr erstickenden Ortsteile realisierbar ist. Das geht nur, wenn dort signifikant weniger Autos und Lastwagen unterwegs sind.

Die Pläne für eine Umfahrung Leonbergs sollten nach Jahrzehnten des Lavierens deshalb endlich angepackt werden. Das kann durchaus schrittweise geschehen, so wie es jetzt der Freie-Wähler-Fraktionschef Axel Röckle vorgeschlagen hat. Aber geschehen muss es. Eine ernsthafte Machbarkeitsstudie, die mit dem kommenden Haushalt beschlossen werden soll, wäre ein erster konkreter Schritt. Bis dann einige wenige Kilometer Straße liegen, wird es ohnehin noch viele Jahre dauern.

Deshalb ist auch die Inbetriebnahme der Pförtnerampeln, die am Stadteingang bei Höfingen den Verkehr aufhalten sollen, wenn es im Zentrum dicht ist, kein Argument gegen eine Umgehung. Die Ampeln können gute Dienste leisten, um eine weitere Verschärfung zu reduzieren. Aber die finale Lösung sind sie nicht, wird der Stau doch nur von A nach B verlagert.

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