Steckenpferd-Reiten in Schorndorf Reitsport mit dem Steckenpferd – Hobby Horsing erlebt einen echten Boom

, aktualisiert am 26.01.2026 - 11:26 Uhr
Über die Hürden springen die kleinen Steckenpferd-Reiterinnen besonders hoch hinaus.. Foto: Gottfried Stoppel

Was oft belächelt wird, erlebt auf Social Media gerade einen echten Boom: Hobby Horsing – der Sport mit dem Steckenpferd – begeistert immer mehr Menschen, auch im Rems-Murr-Kreis.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Ob braun mit weißer Blesse, schwarz mit wallender Mähne, in edlem Creme, doch lieber in Weiß mit akkurater Flechtfrisur oder auch mal zweifarbig gescheckt – die Steckenpferde, mit denen die Kinder beim TSV Schornbach, ein Teilort von Schorndorf (Rems-Murr-Kreis), einmal die Woche trainieren, sind von der Optik her genauso vielfältig wie ihre tierischen Vorbilder. Und auch wenn es darum geht, was mit den Stöcken, an denen ein Pferdekopf angebracht ist, gemacht wird, scheint es fast keine Unterschiede zum „echten“ Reitsport zu geben.

 

So geht es beim sogenannten Hobby Horsing ebenso um Springreiten, Dressur und verschiedene Gangarten. Doch was macht den neuen Trendsport, der auf Social Media häufig belächelt wird, aber trotzdem jede Menge Klicks kriegt, denn nun eigentlich aus? Jochen Kohner, der beim TSV Schornbach rund zehn Mädchen in Hobby Horsing trainiert, muss da nicht lange überlegen: „Es ist beachtlich und sehr beeindruckend, wie hoch da teilweise aus dem Stand über Hürden gesprungen wird. Das ist längst eine richtige ernstzunehmende Sportart“, sagt der 56-Jährige, der mit jeder Menge Herzblut bei der Sache ist.

„Papa, können wir das in der Turnhalle machen?“

Dabei fing alles ganz langsam und harmlos an. Seine eigene Tochter brachte den Mann aus Schorndorf dazu, sich näher mit Hobby Horsing auseinander zu setzten. „Die Kinder aus der Nachbarschaft spielten auf der kleinen Wendeplatte bei uns und sprangen mit selbst gebastelten Steckenpferden über Kisten“, sagt Jochen Kohnert und erinnert sich noch genau, wie seine mittlerweile neunjährige Tochter Matilda danach zu ihm kam und ihn fragte, ob man das Ganze nicht mal in der Turnhalle veranstalten könne.

Als Papa will man seiner Tochter ja eigentlich keinen Wunsch abschlagen, aber der 56-Jährige wusste schlicht nicht, ob da was zu machen ist. Also stellte er einfach mal eine Anfrage – bei der Brühlhalle und beim TSV Schornbach. Mit Erfolg: Der Abteilungsleiter des Gesamtvereins war begeistert von der Idee und stellte für die Idee drei Monate lang die Brühlhalle zur Verfügung. „So konnten wir ausprobieren, ob das überhaupt auf Interesse stößt“, sagt Kohnert, der mittlerweile fest im Verein integriert ist und 2025 zum Abteilungsleiter gewählt wurde.

„Das wird größer als wir dachten“ – Hobby Horsing boomt

Damals habe er nach dem grünen Licht des Vereins mit seiner Tochter Matilda Flyer für die Schule konzipiert und der Rest sei dann ein Selbstläufer gewesen: „Gleich zum ersten Training kamen um die acht bis zehn Mädchen und wir haben gespürt, das wird größer als wir dachten“, sagt Kohnert, der sich erst mal im Internet schlau machte, wie er das Training am besten aufbaut und sich kurz darauf um einen Trainerschein bemühte.

In mehreren Abendterminen lernte der 56-Jährige, wie man die kleinen Reiterinnen richtig beschäftigt und schloss den Schein beim Deutschen Hobby Horsing Verband dann mit einer praktischen Prüfung in Freiburg ab. Neben Theorie und Unfallprävention stand vor allem die korrekte Ausführung der Sportart auf dem Lehrplan. Unterstützt wird er bei den wöchentlichen Trainingseinheiten von Co-Trainerin Susanne Vesel.

Beim Hobby Horsing sind alle Farben und Formen vertreten – die kuscheligen Freunde warten auf ihren Einsatz. Foto: Gottfried Stoppel

Die beiden kombinieren in der Brühlhalle im Schorndorfer Teilort Schornbach am liebsten Aufwärmen mit der Nachahmung von Pferdegängen und realen Reitsportelementen wie Dressurlektionen und Springen über Hindernisse – oft begleitet von Musik. „Wir beginnen meist mit Aufwärmspielen und gehen dann über zu den Gangarten und Figuren bis hin zum Springen. Der Spaß steht an erster Stelle“, sagt Kohnert und betont, wie anstrengend das Ganze sei. „Da braucht es viel Training“, sagt der 56-Jährige, der sich mit einigen aus seiner Gruppe aktuell auf das Turnier Firecup vorbereitet. „Da hat meine Tochter mit Erfolg teilgenommen. Nun wollen es mehrere Mädels probieren, das ist klasse.“

Das Reiten mit einem Steckenpferd kommt ursprünglich aus Finnland

Bei dem von vielen als ziemlich skurril verpönten Trend – er hat aber durchaus seine Liebhaber, kommt ursprünglich aus Finnland und wird auch beim TV Oeffingen in Fellbach angeboten – werden neben Koordination auch Balance, Sprungkraft und Raumgefühl geschult. „Durch die hohen Sprünge sind auch Elemente der Leichtathletik dabei“, erklärt Jochen Kohnert. Selbstverständlich würden die Pferdeköpfe, die es unterschiedlich groß und schwer gibt, auch gut umsorgt von ihren Besitzerinnen. So werden die Mähnen gerichtet, es wird gestreichelt und aufgehübscht, und die Pferde haben natürlich auch alle einen Namen.

Aktuell sind um die zehn Mädchen immer montags beim TSV Schornbach auf dem Steckenpferd im Einsatz. Foto: Gottfried Stoppel

Gedacht sei sein Training für Kinder im Grundschulalter, sagt Jochen Kohnert, der ein extra T-Shirt in Senfgelb mit Logo für die Kids im Alter von sieben bis neun Jahren kreiert sowie mit 3D-Druck Schilder für die Hürden konzipiert hat.„Es kamen auch schon mal Jungs zum Schnuppern, aber nur, weil an dem Tag Fußball ausfiel. Es ist schon eher was für Mädels. Die lieben Pferde, und es schallt auch mal ein Wiehern durch die Halle.“ Es könne also genau das Richtige sein, wenn Reitstunden zu teuer seien, aber das Kind unbedingt Reiten wolle, sagt er. „Der Sport ist gerade einfach immer mehr im Kommen. Die Leute fahren teils richtig weit für ein Hobby-Horsing-Turnier.“

Ganz wichtig ist dem 56-jährigen Familienvater auch zu betonen, dass beim Hobby Horsing mit aufrechtem Oberkörper und über die Fußspitze gelaufen werde. Um die Mädchen daran zu erinnern, hat Kohnert einen Schuh entwickelt, der im vorderen Bereich ein Hufeisen eingearbeitet hat, quasi als Gedankenstütze. „Natürlich nicht aus Metall, aber von der Form her passend. So werden sie daran erinnert, dass sie Pferde sind und mit den Zehen zuerst auftreten müssen“, sagt er und will mal schauen, ob er Abnehmer für seine Idee findet – aber natürlich nur, wenn er neben seinem Job und dem Ehrenamt als Trainer noch Zeit dafür findet, denn die Arbeit mit den Kindern und ihren Steckenpferden geht vor.

Hobby Horsing – Reitglück auf einem Steckenpferd

Info
Neue Interessierte sind bei Jochen Kohnert jederzeit willkommen. Das Training findet außerhalb der Schulferien immer montags von 16.15 bis 17.15 in der Brühlhalle Schornbach statt.

 

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