Stefan Hartung zur Strategie Bosch-Chef: „Beim Rüstungsgeschäft geht es auch um unsere Identität“

Über die Frage nach der Rüstungsproduktion wird bei Bosch vor dem Hintergrund der eigenen Werte entschieden. Foto: LG/Leif Piechowski

Die Verteidigungsindustrie boomt. Bosch hält sich in diesem Bereich aber zurück. Konzernchef Stefan Hartung erklärt, was das mit der Eigentümerstruktur zu tun hat.

Einen Verhaltenskodex zu haben, bedeutet bei vielen Unternehmen noch lange nicht, sich auch daran zu halten. Beim Traditionsunternehmen Bosch fühlt man sich dagegen streng an den eignen „Code of Conduct“ gebunden. Es ist ein Leitfaden für das tägliche Handeln, der sich auch an den ethischen Standards von Firmengründer Robert Bosch orientiert. Das macht das derzeit boomende Rüstungsgeschäft zum einem heiklen Thema für den Technologieriesen mit der Zentrale auf der Gerlinger Schillerhöhe.

 

Die Frage nach einer stärkeren Produktion von Rüstungsgütern beantwortet Bosch-Chef Stefan Hartung im Interview mit dieser Zeitung auch mit der besonderen Unternehmensverfassung: „Unsere Eigentümerstruktur prägt das Unternehmen stark, die Mehrheit der Anteile liegt bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung“, so Hartung: „Die Familie ist über Gesellschafterrechte eingebunden.“

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Bosch will kein Rüstungsunternehmen sein und orientiert sich an Leitplanken. Foto: dpa

Strategische Weichenstellungen – etwa die Frage, ob man sich stärker in Richtung Rüstungsproduktion bewegen soll – würden immer auch vor dem Hintergrund der Bosch-Werte diskutiert. „Es geht nicht nur um Wirtschaftlichkeit, sondern auch um Identität“, erläutert Hartung.

Fragen, die über das operative Geschäft hinausgehen

Die operative Entscheidung liege bei den Gremien des Unternehmens, stellt der Vorsitzende der Geschäftsführung klar, sagt aber auch: „Aber wenn es um strategische Richtungsfragen geht, also zum Beispiel darum, wie weit wir im Verteidigungsbereich gehen, dann ist das keine rein operative Frage, sondern eine, die das Selbstverständnis betrifft.“

Im Rüstungsgeschäft agiert Bosch bisher nur als Zulieferer für wehrtechnische Anwendungen. Das beinhaltet beispielsweise Zündkerzen, Lenksysteme oder Einspritztechnik für Militärfahrzeugen oder Produkte aus dem Bereich Elektronik.

Nur Teilbörsengänge sind denkbar

„Unsere Verfassung setzt klare Leitplanken“, sagt Stefan Hartung. Deshalb sei auch ein vollständiger Börsengang keine Option, weil er die Struktur fundamental verändern würde. Teilbörsengänge einzelner Bereiche seien jedoch denkbar, „wenn sie strategisch sinnvoll sind“.

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