InterviewStefan Krebs, der IT-Chef im Land Der Neue

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Stefan Krebs ist der erste Chief Information Officer des Landes Baden-Württemberg. Was er genau macht, weiß fast niemand – doch jeder Bürger soll von seiner Arbeit profitieren.

Hat viel vor: Stefan Krebs im Innenministerium Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Hat viel vor: Stefan Krebs im Innenministerium Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Stuttgart – - Bis vor Kurzem hat Stefan Krebs fast niemandem verraten, was er beruflich macht. Der Computerexperte hatte keine Lust darauf, auch privat ständig Computergespräche führen zu müssen. Doch nun muss er sich umstellen: Er hat einen neuen, einen öffentlichen Job. Der 54-Jährige soll die IT des Landes auf Zack bringen und den elektronischen Bürgerservice vorantreiben. Ein Gespräch über – Computer. Und über Sicherheit, heftige Debatten und Notlügen.
Herr Krebs, Ihre Berufsbezeichnung lautet Chief Information Officer, kurz CIO. Wie erklären Sie Ihren Kindern, was ein CIO macht?
Meinen Kindern würde ich es so erklären: Der CIO ist der, der dafür sorgt, dass zu Hause das Wlan stabil läuft.
Und was sagen Sie Ihrer Frau?
Der CIO ist der oberste Verantwortliche für die Informationstechnologie. Mein Antritt beim Land Baden-Württemberg ist unter der Maßgabe erfolgt, dass ich dem Land eine einheitliche IT-Struktur verschaffe, die wirtschaftlich, nachhaltig, serviceorientiert und dennoch sicher ist.
Das heißt, all dies ist bis jetzt nicht der Fall?
Die Landesverwaltung verfügt über eine gute IT-Infrastruktur und kompetentes IT-Personal. Doch es gibt durchaus Nachholbedarf. Die IT-Strukturen des Landes sind über viele Jahre gewachsen. Nun wollen wir sie ordnen und optimieren.
Für wie viele Computer sind Sie zuständig?
Das ist genau eine der Fragen, die wir momentan nicht beantworten können, weil wir nämlich gar nicht genau wissen, wie viele Computer im Land Baden-Württemberg für das Land Baden-Württemberg betrieben werden. Die einheitliche Betrachtungsweise, die wir über unser zentrales Systemhaus BITBW anstreben, haben wir noch nicht. Grob geschätzt würde ich sagen, es sind zwischen 100 000 und 120 000 Geräte, wenn wir die Handys, iPads und Smartphones mitzählen, die Verwaltungsmitarbeiter benutzen.
Aber Sie können sicher sein, dass diese Geräte sicher sind?
Auch jemand mit meiner Spezial-Expertise sieht einem Computer nicht unmittelbar an, ob er verseucht ist. Deshalb war eine meiner ersten Maßnahmen als CIO, eine entsprechende Untersuchung zu beauftragen. Das Ergebnis liegt mir noch nicht vor.
Im Netz der Bundesregierung werden täglich mehr als 3500 Angriffe registriert. Erschreckt Sie diese Zahl?
Nein! Das ist die Realität. Sie setzen sich ja auch ins Auto, obwohl Sie wissen, dass es gefährlich sein kann. Wichtig ist, dass ich eine derartige Bedrohung kenne, einschätzen und Gegenmaßnahmen treffen kann.
Haben Sie Angriffszahlen für das Land?
Ja, wir führen ebenfalls entsprechende Auswertungen durch.
Und?
Die behandeln wir vertraulich.