Steigende Abfallmengen im Kreis Göppingen Die Pandemie hinterlässt mehr Müll

Das Müllaufkommen ist derzeit in allen Bereichen hoch. Das Bild zeigt die Sperrmüllabteilung der ETG in Holzheim. Foto: /Foto: Giacinto Carlucci
Das Müllaufkommen ist derzeit in allen Bereichen hoch. Das Bild zeigt die Sperrmüllabteilung der ETG in Holzheim. Foto: /Foto: Giacinto Carlucci

Ob Altholz, Bauschutt oder Kartons: Corona lässt die Müllberge wachsen. Es wird aber nicht nur mehr online gekauft. Viele nutzen den Lockdown, um zu renovieren oder auszumisten.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Kreis Göppingen - Verpackungsintensive Online-Einkäufe nehmen zu, wilde Müllablagerungen werden in Kommunen zunehmend zum Problem. Die Pandemie scheint auch beim Thema Müll ihre Spuren zu hinterlassen. Machen die Entsorger eine ähnliche Erfahrung?

Es sei durchaus festzustellen, dass die Menschen in dieser Zeit Dinge in Angriff nähmen, für die sie sonst keine Zeit hätten, berichtet Beate Schwarz, Geschäftsführerende Gesellschafterin des Entsorgungsunternehmens ETG. Die Müllmengen wie die Kleinanlieferungen zeigten, dass Renovierungen und Entrümpelungen erfolgt seien. Alte Farben und Lacke, Tapeten, alte Putzmittel, Öle, Bauschutt, Altholz, Fenster, Fliesen, zerlegte Schränke, allerhand Materialien, die auf Umbauten hindeuteten, zählt die Chefin der Pet Recycling GmbH sowie der Fetzer Rohstoffe + Recycling GmbH auf. Das alles führe auch zu einem stärkeren Andrang.

20 Prozent mehr Hausmüll

Auch das Hausmüllaufkommen sei angestiegen, so Schwarz weiter. Von einer Verschiebung der Abfallmengen aus dem gewerblichen in den privaten Bereich kann auch der Betriebsleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises (AWB), Dirk Kurzschenkel, berichten: Entsorger hätten einen Anstieg des Hausmüllaufkommens von bis zu 20 Prozent im ersten Monat der Pandemie verzeichnet, bei gleichzeitig abnehmenden Gewerbe- und Industrieabfällen.

Das zunehmende Online-Shopping hinterlässt in den blauen Tonnen seine Spuren. Der Anteil an Kartonagen ist gestiegen. Mehr Pappe, weniger Papier. Diese Entwicklung sei zwar während der Pandemie verstärkt worden, der Trend zeichne sich allerdings schon länger ab, sagt Schwarz. Der Anteil an Zeitungen und Zeitschriften nimmt ab, Kartonagen nehmen zu. AWB-Betriebsleiter Kurzschenkel unterstreicht dies mit konkreten Zahlen: „Die Sammelmenge für Papier ist zwar um vier Prozent leicht gefallen.“ Dies liege daran, dass „schwere Druckerzeugnisse“ in der Menge zurückgegangen seien und Pappemengen dies bezüglich des Gewichts nicht hätten ausgleichen können, obwohl sie „deutlich gestiegen seien“. Eine weitere Folge: „Die Container für Kartonagen mussten deutlich öfter geleert werden als in früheren Jahren.“

Wellenbewegung auf den Wertstoffhöfen

Doch die signifikante Erhöhung der Online-Einkäufe schlägt sich nicht nur in der blauen, sondern – ergänzt durch die veränderte Lebensführung – auch in der gelben Tonne nieder. Nach Schätzungen von Entsorgern sei die Abfallmenge im Bereich der Leichtstoffverpackungen seit März des vergangenen Jahres um rund zehn Prozent gestiegen. „Während die Abfallmengen nach Ende des ersten Lockdowns rückläufig waren, stiegen sie gegen Ende des Jahres 2020 infolge des zweiten Lockdowns wieder an“, weiß Kurzschenkel.

So waren die pandemischen Wellenbewegungen auf den Wertstoffhöfen, bei den Entsorgern und Verwertern sichtbar; selbst die Schließung oder Öffnung der Baumärkte sei entsprechend ablesbar, erzählt Beate Schwarz. Kurzzeitig sei der Rest- und Sperrmüll bis zu 40 Prozent höher als sonst gewesen, berichtet Kurzschenkel. Die Ausgangsbeschränkungen hätten dazu geführt, dass die Bürger daheim mehr Abfall produziert hätten und verstärkt Wertstoffhöfe aufgesucht hätten, so Kurzschenkel weiter. Teilweise seien diese auch im Rahmen eines „Freizeitverhaltens“ angefahren worden.

Müll bleibt oft im Wald liegen

Dass nicht aller Müll, alle Wertstoffe dort ankommen, wo sie sollen, ist eine weitere Beobachtung. Auch Schwarz selbst hat dies schon erfahren. Bereits zweimal verletzte sich ihr Hund in der Natur behandlungsbedürftig an Glasscherben. Auch dies sei durch die Pandemie verstärkt worden, habe sich aber bereits vorher abgezeichnet. Feiernde Kleingruppen hätten sich dorthin verzogen, wo sie sich vom Kontrollradar unbehelligt gefühlt hätten – der Müll blieb häufig in Wald und Flur liegen.

Das Verhalten, das auf eine mangelnde Bewusstseinsbildung in dieser Hinsicht hindeute, beobachte sie schon länger, berichtet Schwarz. Gerade rund um Glascontainer sind solche Auswüchse keine Seltenheit. Entscheidender Faktor scheine die bequeme Anfahrt zu sein. Weinkartons werden neben Container gestellt. Doch auch ganze Sofas und sonstiger Müll werde dort abgeladen. Auf dem ehemaligen Speisergelände in Göppingen, wo heute gut besuchte Märkte sind, mussten die Container gar abgebaut werden, da die Vermüllung entsprechende Ausmaße angenommen hatte.




Unsere Empfehlung für Sie