Steigende Corona-Zahlen Stuttgart reißt die Vorwarnstufe

Die Zahl der Covid-19-Patienten in den Stuttgarter Krankenhäusern wächst wieder. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

In der Landeshauptstadt liegt der Sieben-Tages-Wert knapp über der Vorwarnstufe von 35 Fällen. Am Mittwoch wird deshalb über Einschränkungen des öffentlichen Lebens diskutiert. In den Krankenhäusern wächst die Zahl der Covid-19-Patienten wieder.

Familie/Bildung/Soziales: Mathias Bury (ury)

Stuttgart - In der Landeshauptstadt wird am Mittwoch über Einschränkungen im öffentlichen Leben zur Eindämmung des Corona-Infektionsgeschehens beraten. Wie das Landesgesundheitsamt am frühen Dienstagabend mitteilte, liegt der Sieben-Tages-Wert der Infektionen pro Hunderttausend Einwohner mit 35,4 neuen Fällen über dem Schwellenwert von 35. Die Neuinfektionen in der Stadt wurden am Dienstag mit 14 angegeben.

 

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in den vergangenen Wochen stetig gestiegen, am vergangenen Freitag hatte die Stadt die Vorwarnstufe mit 35,8 Fällen bereits gerissen. Das habe man aber erst am Montag durch Nachmeldungen bei den Neuinfektionen bemerkt, erklärt Stadtsprecher Sven Matis. Da war der Sieben-Tages-Wert bereits auf 34,4 Fälle zurückgegangen. „Wir hätten sicher gehandelt, wenn wir das rechtzeitig gemerkt hätten“, so Matis.

Entscheidung des Landes „als Signal“

Der Leiter des städtischen Gesundheitsamts, Stefan Ehehalt, hatte bereits vor Bekanntwerden des überschrittenen Schwellenwerts deutlich gemacht: Die Hochstufung des Landes auf die zweite Pandemiestufe „wirkt als Signal“. Man sei „schon seit einigen Tagen in erhöhter Reaktionsbereitschaft“, so der Amtsleiter. „Wenn es so fortschreitet, erleben wir auch in Stuttgart erneut Beschränkungen unseres Alltags.“ Man sei für diesen Fall „gewappnet“.

Vorstellbar wäre, dass auch die Landeshauptstadt eine Beschränkung von Feiern erlassen könnte. Im Kreis Esslingen, wo die Sieben-Tage-Inzidenz auf 40,6 Fälle gestiegen war, wurden Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen wie Gaststätten auf höchstens 50 Personen begrenzt. Weiterhin wäre sogar eine Verminderung bei privaten Feiern auf nur noch 25 Personen möglich.

54 Schulklassen und 15 Kitagruppen in Quarantäne

Bislang lasse sich das Infektionsgeschehen „noch nachvollziehen“, sagt Stefan Ehehalt. „Aber wir stoßen an Grenzen.“ Der Amtsleiter appelliert dringend an die Menschen, „wachsam zu sein, die Maskenpflicht sowie die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten und Räume oft zu lüften“.

Gegenwärtig sind in Stuttgart Kinder aus 15 Kitas und 54 Schulen mit teils mehreren Klassen im Zusammenhang mit aufgetretenen Corona-Fällen in Quarantäne. Fälle in zwei weiten Schulen seien „in Abklärung“, sagt Stadtsprecher Matis. Auch wenn der Großteil der Neuansteckungen bei Personen zwischen 30 und 50 Jahren festgestellt werde, „nimmt der Anteil der über 60-Jährigen zu“, erklärte er.

Zahl der Patienten steigt stetig

Diese Entwicklung hat Folgen für die Stuttgarter Krankenhäuser. „Die Zahl der Covid-19-Patienten steigt seit einigen Wochen langsam, aber stetig“, erklärt Jan Steffen Jürgensen, der Medizinische Vorstand des städtischen Klinikums. Derzeit werde dort wieder „eine niedrige zweistellige Zahl“ von Patienten stationär wegen Covid-19 behandelt, drei intensivmedizinisch.

Eine leichte Zunahme verzeichnet man auch im Marienhospital. Sechs Patienten seien auf einer Covid-19-Normalstation, am Vortag waren es vier. Kein Patient liege auf der Intensivstation, sagte Pressesprecher Rainer Kruse. Im Diakonie-Klinikum werden drei Covid-19-Patienten auf einer Normalstation behandelt, „einer mehr als gestern“, so Pressesprecher Frank Weberheinz.

Anzeichen für Lieferengpässe bei Testreagenzien

Merklich höher sind die Zahlen im Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK), in dem man derzeit 20 Covid-Patienten stationär behandelt, sechs davon auf der Intensivstation, vier müssen beatmet werden. Die Lage sei zwar noch „gut kontrolliert“, sagt Mark Dominik Alscher, der Medizinische Geschäftsführer des RBK. „Die Zahlen nehmen aber doch deutlich zu.“ Deshalb würde er die Corona-Tests gerne noch ausweiten. Nur: Es gebe erste Anzeichen für Lieferengpässe der dafür nötigen Reagenzien, so Alscher.

Diese Entwicklung zeige sich auch in der Fieberambulanz des RBK. „Die positiven Abstriche nehmen zu“, sagt Alscher. So hätten an einem Tag 247 Abstriche sechs positive Tests ergeben. Damit liege man „deutlich über einem Prozent“. Aus diesem Grund sieht der Medizinische Geschäftsführer des RBK den Zeitpunkt für gekommen, über strengere Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens nachzudenken.

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