Steigende Covid-19-Infektionen Jetzt kommt die Maskenpflicht in Ludwigsburg

Von und Susanne Mathes 

In nahezu der gesamten Ludwigsburger Innenstadt muss bald eine Maske getragen werden – auch im Freien. Auch landkreisweit gelten bald strenge Corona-Auflagen. Was kommt konkret auf die Bürger zu?

Maskenpflicht in der Innenstadt: Das gilt jetzt auch bald in Ludwigsburg. Foto: dpa/Roberto Pfeil
Maskenpflicht in der Innenstadt: Das gilt jetzt auch bald in Ludwigsburg. Foto: dpa/Roberto Pfeil

Ludwigsburg - Die Stadt und der Kreis Ludwigsburg werden mit einem umfassenden Maßnahmepaket auf die steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen in der Region reagieren. Waren die meisten Maßnahmen, die der Kreis in die Wege leite wird, bereits am Montagabend bekannt geworden, birgt das am Dienstag beschlossene Paket der Stadt gleich mehrere Überraschungen – die mit teils erheblichen Einschränkungen für die Bürger in Ludwigsburg einher gehen.

So wird voraussichtlich noch in dieser Woche eine allgemeine Maskenpflicht in der Innenstadt in Kraft gesetzt, zudem ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum. „Wir haben im Stab für den Katastrophenschutz entschieden, dass wir über die bald landkreisweit geltenden Regelungen hinaus gehen werden“, sagt der zuständige Bürgermeister Konrad Seigfried. Weil Ludwigsburg viel dichter bebaut sei als andere Kommunen im Kreis, benötige die Stadt eigene Konzepte.

Die Stoßrichtung ist klar

In den nächsten Tagen muss das Rathaus noch den exakten Bereich der Innenstadt abstecken, der nur noch mit Maske betreten werden darf. Klar ist aber, dass das Gebiet sich vom Bahnhof über den Schillerplatz, das Umfeld der Wilhelmgalerie, den Marktplatz bis zum Marstall erstrecken wird, inklusive der Fußgängerzone und angrenzender Straßen und Plätze. Außerhalb von Bars und Restaurants wird in dieser Zone zudem jede Form von Alkoholkonsum verboten. Auf die Einführung einer strengen Sperrzeit für Gastronomiebetriebe verzichtet die Stadt vorerst. „Wir behalten uns aber vor, die Sperrzeit anzuordnen, wenn das Infektionsgeschehen dies nötig macht“, so Seigfried.

Die Stoßrichtung ist klar: Große Ansammlungen von Menschen ohne Maske, organisierte oder spontane Feiern und Zusammenkünfte sollen verhindert werden. Ludwigsburg wählt damit im Kampf gegen das Virus ähnliche Mittel wie die Städte Esslingen und Stuttgart, die als Corona-Hotspots gelten und ebenfalls eine allgemeine Maskenpflicht für ihre Zentren erlassen haben. In Kraft gesetzt werden die Verbote in Ludwigsburg, sobald landkreisweit der Corona-Grenzwert von 50 Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tage überschritten wird, – was aller Voraussicht nach spätestens Ende der Woche geschehen wird.

Am Dienstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 46,9 Neuinfektionen

Am Dienstagnachmittag lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 46,9 Neuinfektionen. Aktuell sind nach Angaben des Gesundheitsamtes im Kreis Ludwigsburg 391 Personen mit dem Virus infiziert. Allein 24 Infektionen verzeichnete jüngst das Freudentaler Kleeblatt-Demenzzentrum. Mittlerweile starben zwei Bewohner an der Erkrankung. Zwei weitere befinden sich laut Geschäftsführer Stefan Ebert in kritischem Zustand.

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Auch kreisweit werden wegen der steigenden Infektionszahlen die Zügel angezogen. In einer Allgemeinverfügung, die am 15. Oktober in Kraft treten soll, schreibt der Kreis die Maskenpflicht im öffentlichen Raum vor, sobald kein Abstand von 1,5 Metern gewährleistet werden kann. Für Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen gilt eine Beschränkung auf 25 Personen, privat dürfen höchstens zehn Personen miteinander feiern. Außerdem empfiehlt der Kreis den weiterführenden Schulen, dass Schüler und Lehrer auch im Unterricht Maske tragen. Denn immer mehr Schüler und Lehrer müssen in Quarantäne – 37 Schulen im Kreis sind derzeit laut Allgaier von der Pandemie betroffen. Manche, wie etwa die Erich-Bracher-Schule in Pattonville, haben die Maskenpflicht im Unterricht schon von sich aus verhängt. Laut Kultusministerium hat allerdings eine Schule nicht die Rechtshoheit, das zu verfügen, sondern nur Landkreise oder kreisfreie Städte.

Sperrstunden und Alkoholverbote: Kommunen sollen selbst entscheiden

Über Sperrstunden und Alkoholverbote soll hingegen jede Kommune selbst entscheiden können. So sagt der Bietigheimer Oberbürgermeister Jürgen Kessing, in Bietigheim-Bissingen gebe es keine schärfere Sperrstunde und kein Alkoholverbot, auch keine pauschale Maskenpflicht für die Innenstadt. Dort wird die Allgemeinverfügung also nicht verschärft.

Das Landratsamt sei auch mit der Bundeswehr in der Abstimmung, ob diese das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung unterstützen könne, sagt Allgaier. Wie die strikte Einhaltung der Gebote flächendeckend überprüft werden soll, bleibt aber offen.

Kontrollen: Die Personalkapazitäten sind begrenzt

Eine lückenlose Kontrolle ist sowieso nicht möglich. Zwar gehen Polizei und Kommunale Ordnungsdienste regelmäßig auf Streife und ahnden Verstöße gegen die Maskenpflicht oder das Abstandsgebot, hinzu kommen gezielte Schwerpunktkontrollen an Bahnhöfen, Haltestellen oder in Bahnen und Bussen. Aber die Personalkapazitäten sind begrenzt. „Oft reagieren wir auf Hinweise oder Beschwerden“, sagt der Polizeisprecher Peter Widenhorn. Das gelte auch für Verstöße gegen Hygieneauflagen in Gastronomiebetrieben. Es gebe aber zurzeit „relativ wenige Probleme“, die meisten Menschen seien vorsichtig und umsichtig.

Viele Probleme hingegen gab es unlängst kurzzeitig im Blühenden Barock. Am Wochenende um den Tag der Deutschen Einheit strömten unerwartet viele Besucher in den Barockgarten, was zu teils chaotischen Verhältnissen an den Eingängen führte. Lange Warteschlangen, kaum Abstand, viele Menschen ohne Maske: Danach beschwerten sich zahlreiche Besucher bei der Polizei und beim Blüba über den laxen Umgang mit den Regeln. Von „wirklich unerträglichen Zuständen“ schreibt eine Leserin unserer Zeitung, und auch die Polizei sagt, dass einiges nicht optimal gelaufen sei. „Das Blüba war wohl selbst überrascht von dem Zustrom an Menschen“, sagt Widenhorn. Das Blüba hat auf die Vorkommnisse reagiert und in der vergangenen Woche in Abstimmung mit dem Ordnungsamt die zulässige Besucherzahl von 6000 auf 4000 gesenkt.

Volker Kugel: „Das war einfach zu viel“

„Wir haben gemerkt, dass sich die Menschen bei uns nicht mehr wohlfühlen“, sagt Blüba-Chef Volker Kugel, „das war einfach zu viel“. Der Vorwurf, das Blüba ignoriere die Vorschriften, sei allerdings falsch. „Wir machen viel, haben permanent ein Hygieneteam im Einsatz, Security im Gelände, eine Einbahnregelung im Märchengarten“. Nach dem Problem-Wochenende wurden neue Abstandsmarkierungen vor den Eingängen platziert, um die Warteschlangen zu entzerren. „Die Reduzierung der Besucherzahl wirkt“, so Kugel, „nach dem jüngsten Wochenende hat sich niemand beschwert.“




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