Steigende Fallzahlen bei B.1617 Gesundheitsamt warnt vor indischer Coronavariante

Indien steckt mitten in einer schweren Infektionswelle. Die indische Coronavariante bereitet nun auch in Europa Sorgen. Foto: dpa/Mahesh Kumar
Indien steckt mitten in einer schweren Infektionswelle. Die indische Coronavariante bereitet nun auch in Europa Sorgen. Foto: dpa/Mahesh Kumar

Die WHO hat die indische Coronavariante als besorgniserregend eingestuft. Die Zahl der Infektionen nimmt in Baden-Württemberg stetig zu. Nun spricht das Landesgesundheitsamt eine Warnung aus.

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)
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Stuttgart - Die indische Coronavariante B.1617 bereitet in Europa und auch in Baden-Württemberg zunehmend Sorge. Seit Ende April ist die Mutation auch im Südwesten berichtet. Damals handelte es sich um zwei Reiserückkehrer. Bis Dienstagnachmittag war die Zahl auf 29 Fälle angewachsen, wie das Landesgesundheitsamt auf Anfrage mitteilte. Allerdings zeigt ein Fall aus Stuttgart, dass diese Zahl nicht unbedingt aktuell sein muss. Damals wurde der Variantennachweise erst mit wochenlanger Verzögerung gemeldet.

Die indische Variante ist von der Weltgesundheitsorganisation mittlerweile als besorgniserregend eingestuft worden. Sie ist ersten Erkenntnissen zufolge etwas ansteckender als andere Varianten des Coronavirus. Inwiefern das die stark gestiegene Zahl von Coronainfektionen in Indien begründet, ist noch unklar.

So wie einst die britische Variante

Eine Analyse des „Financial Times“-Journalisten John Burn-Murdoch zeigt allerdings, dass sich die indische Virusvariante in Großbritannien so schnell ausbreitet wie einst die britische Variante. Diese macht dort sowie in Deutschland mittlerweile den allergrößten Teil der Infektionen aus – und hatte hierzulande die dritte Welle befeuert, die gerade erst abebbt.

Sollte B.1617 die Kraft haben, die britische Coronavariante zu verdrängen, wird sich eine Ausbreitung kaum verhindern lassen. Noch seien die Infektionsketten nachvollziehbar, schreibt das Landesgesundheitsamt. Allerdings habe der Pandemieverlauf gezeigt, „dass die Eindämmung grundsätzlich extrem schwer ist“. Schließlich könne das bereits übertragen werden, bevor die Infizierten die Symptome entwickeln – das gelte auch für die besorgniserregenden Varianten aus Großbritannien oder Indien. „Hinzu kommt hier eine erhöhte Übertragbarkeit“, so das Gesundheitsamt, „Es ist nicht auszuschließen, dass auch die Variante B 1.617. in der Bevölkerung kozirkulieren wird“.

Schon jetzt meldet die Behörde, dass neben zwei Dutzend infizierten Reiserückkehrern in drei Fällen kein Bezug zu einer Reise bestehe und in drei weiteren Fällen die Ermittlungen liefen. Neben einer „familiären Häufung mit neun infizierten Personen“ handle es sich bei den übrigen Infizierten um Einzelfälle.

Einreise über Großbritannien?

Besonders schwierig ist die Eindämmung der indischen Variante, weil Reisen von und nach Indien zwar massiv erschwert sind – Großbritannien aber nicht mehr als Corona-Risikogebiet gilt und für Einreisende keine Quarantäne nötig ist. Damit steigt das Risiko, dass weitere Reisende die indische Coronavariante ins Land bringen.

Indien steht in Großbritannien erst seit drei Wochen auf der „roten Liste“. Seither darf niemand, der in den zurückliegenden zehn Tagen in Indien war, nach Großbritannien einreisen. Die steigende Zahl von Fällen mit B.1617 kann auch mit den bis dato möglichen Reisen und mitgebrachten Infektionen zu tun haben,

Noch ist also unklar, wie ernst diese Gefahr genommen werden muss. Die Zahl der Infektionen mit der indischen Variante liegt sowohl in Großbritannien als auch hierzulande deutlich unter den Ansteckungen mit der dominierenden britischen Mutation; europaweit liegt der Anteil laut einem aktuellen Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten in keinem Land über zwei Prozent. Allerdings war das einst auch mit der britischen Mutante so. Was folgte, war die dritte Infektionswelle.

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