Steigende Preise für Lebensmittel Es wird zu viel getrickst
Mit allerhand Kniffen versuchen Hersteller und Handel, für Lebensmittel immer höhere Preise durchzusetzen. Das nervt, meint Daniel Gräfe.
Mit allerhand Kniffen versuchen Hersteller und Handel, für Lebensmittel immer höhere Preise durchzusetzen. Das nervt, meint Daniel Gräfe.
Um mehr als 20 Prozent haben sich zuletzt die Lebensmittel im Vorjahresvergleich verteuert, bei Grundnahrungsmittel ist die Steigerung noch höher. Nicht nur die höheren Kosten für Rohstoffe, Energie, Verpackung und Personal stecken dahinter, sondern auch Mitnahmeeffekte. Die Apfelpreise etwa purzeln, doch jene für Apfelmus bleiben oben.
Etliche Hersteller und Händler versuchen derzeit, die Preise hochzuhalten. Sie setzen darauf, dass sich die Verbraucher an den teureren Einkauf gewöhnen und ihnen das Gefühl abhandengekommen ist, was die Produkte tatsächlich kosten müssten. Man kann das den Produzenten und Anbietern nicht ganz verübeln: Die Margen im umkämpften deutschen Markt sind vergleichsweise gering, auch deshalb geben die Verbraucher im europäischen Vergleich einen geringen Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel aus.
Weil der Handel das Kundenverhalten intensiv erforscht, setzt er auch auf psychologische Kniffe: Manche nerven schlicht, wie etwa jene signalroten Preisschilder, die nicht auf Schnäppchen verweisen – oder wenn in Verpackungen zum selben Preis der Inhalt schrumpft. Fehlen die vorgeschriebenen Grundpreise, wird es dagegen rechtlich heikel. Alles in allem wird derzeit zu viel getrickst und der Kunde zu oft für dumm verkauft – in der Annahme, dass man damit schon durchkommen wird.
Denn wer arbeitet schon im Tunnelblick die Einkaufsliste ab oder denkt in Kilopreisen? Studiert mit der Lupe, ob das Sonderangebot auch im Kleingedruckten noch ein Sonderangebot ist? Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen: Die Normalpreise von heute werden oft die Sonderaktionen von morgen sein.