Steigung nahe Schlat Wie sicher ist der Gairenbuckel?
Zwischen Schlat und Reichenbach im Täle im Kreis Göppingen passieren oft schwere Unfälle. Häufig seien die Autofahrern selbst schuld, sagt das Straßenverkehrsamt.
Zwischen Schlat und Reichenbach im Täle im Kreis Göppingen passieren oft schwere Unfälle. Häufig seien die Autofahrern selbst schuld, sagt das Straßenverkehrsamt.
Zwei Schilder weisen auf Tempo 50 hin, zwei weitere auf die gefährliche Kurve, dazu kommen gelb-rot leuchtende Richtungstafeln am Straßenrand. Autofahrer sollen erkennen: Hier ist Vorsicht geboten. Dennoch kommt es auf dem Gairenbuckel (oder Schlater Buckel) sowie der gesamten Landesstraße L1218 zwischen Schlat und Reichenbach im Täle immer wieder zu Unfällen. Zuletzt vor zwei Wochen, als binnen weniger Minuten zwei Autofahrer bei Schnee und Graupel nicht schnell genug bremsen konnten.
Das Polizeipräsidium Ulm wertet das Unfallgeschehen regelmäßig aus, berichtet Stefanie Ziller vom Straßenverkehrsamt. So habe es im Dezember 2022 festgestellt, dass in der Kurve etwa 200 Meter unterhalb des Gairenhofs besonders viele Unfälle passiert sind. Eine Kommission prüfte anschließend, wie sie sich vermeiden lassen.
Bestimmte Rahmenbedingungen spielen der Kommission zufolge keine Rolle: Unfälle auf der Schlater Steige seien zu allen Tag- und Nachtzeiten sowie Jahreszeiten und Witterungsverhältnissen passiert. Stattdessen habe die Kommission herausgefunden, dass bei den meisten Unfällen die Autofahrer die Kurve zu schnell genommen hatten. Dadurch seien sie links von der Fahrbahn abgekommen.
„Aus Sicht der Verkehrsschaukommission wurden die verunfallten Verkehrsteilnehmer von der Kurve, die keinen kontinuierlichen Verlauf aufweist, überrascht und kamen deshalb von der Fahrbahn ab“, teilt Ziller mit. Um die Sicherheit zu erhöhen und Verkehrsteilnehmer mehr zu sensibilisieren, passte das Straßenverkehrsamt die Gefahrenbeschilderung sowie das Tempolimit an und ließ weitere Richtungstafeln anbringen. „Die Anpassungen an den Beschilderungen haben die beabsichtigte Wirkung erzielt“, resümiert Stefanie Ziller.
Zudem habe das Land Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren bauliche Verbesserungen vorgenommen, um die Übersichtlichkeit und die Entwässerungssituation an der steilen Steige zu verbessern. Ebenso ließ es die Fahrbahn sanieren. „Leider lassen sich dadurch die topografischen Gegebenheiten nicht völlig ausgleichen“, merkt Stefanie Ziller an.
Bei starkem Regen, Schnee, Glätte, Nebel oder Sturm sollten Verkehrsteilnehmer grundsätzlich die Geschwindigkeit anpassen. „In manchen Fällen ist es auch notwendig, langsamer als die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit zu fahren“, mahnt Ziller. Jedoch könne auch zu langsames Fahren den Verkehrsfluss behindern und riskante Überholmanöver provozieren. Überdies erinnert Ziller an den Wechsel von Sommer- auf Winterreifen im Oktober und zu Ostern.
Nutzer in Facebook-Gruppen haben die Installation einer Wettercam auf dem Gairenbuckel vorgeschlagen. Damit könnte das Wetter vor Ort in Echtzeit überprüft werden. Diese Technik ist aus Sicht des Straßenverkehrsamts jedoch „zur Vermeidung von Unfällen nicht wirksam, da sich die Wetterverhältnisse grundsätzlich in kürzester Zeit ändern können“. Bevor jemand losfährt, könnten die Verhältnisse zwar noch in Ordnung sein, doch bereits während der Fahrt könnte sich etwa eine Schneedecke schließen, erklärt Ziller. Aus Datenschutzgründen müssten die Kameras auch so eingestellt werden, dass die Fahrzeuge und Personen unkenntlich gemacht werden.
Karin Gansloser fährt die Strecke täglich zur Arbeit. „Mit der Sicherheit hatte ich bislang keine Probleme“, teilt die Schlater Bürgermeisterin mit. Auch bei schlechten Witterungsverhältnissen sei sie, sofern die Steige durch die Polizei nicht voll gesperrt war, sicher an ihr Ziel gekommen – „gleich wenn es vielen anderen nicht so erging“, räumt die 29-Jährige ein.
Wenn es kracht, rückt die Freiwillige Feuerwehr Schlat aus. Um bei Unfällen wie am Gairenbuckel, aber auch entlang der L1218 in Richtung Süßen und im Schlater Wald besser helfen zu können, hat sie im vergangenen Jahr ein neues Löschfahrzeug bestellt. In Schlat „wurde und wird verstärkt in Gerätschaften, Material und Arbeitsmittel für technische Hilfeleistungen bei Unfällen investiert, um unsere Einsatzkräfte bestmöglich zu unterstützen, auszurüsten und zu schützen“, erklärt Gansloser. Bei der Beschaffung des neuen Feuerwehrfahrzeuges sei die topografische Lage der Gemeinde berücksichtigt worden. Es handle sich aber nicht um ein speziell für die Steige beschafftes Fahrzeug, sondern um ein vielseitig einsetzbares Allroundfahrzeug, wie es auch in anderen Feuerwehren verwendet wird.
Für Auto-, aber auch für Fahrradfahrer kann es – vor allem auf dem Buckel – gefährlich werden. Wie Karin Gansloser mitteilt, sei es ihr sowie Bürgermeister Markus Schweizer aus Deggingen „ein großes Anliegen“, auch für Radfahrer die Strecke befahrbar und sicher zu gestalten. „Aktuell ist für Fahrradfahrer in beide Richtungen ein immenses Risiko gegeben, durch Pkw übersehen zu werden oder aufgrund gewisser Geschwindigkeiten zu stürzen“, berichtet Gansloser. Daher seien beide Kommunen an einem ausgebauten Radweg interessiert – bisher gebe es nur einen Fußweg, der kurz vor dem steilsten Stück endet. Die Radler müssen dann auf die Straße. „Wir setzen uns dafür ein und sind bereits seit geraumer Zeit in Verhandlungen mit Behörden sowie untereinander.“
Behörde
Die Straßenverkehrsbehörde sorgt dafür, dass die Straßenverkehrsordnung umgesetzt wird. Sie ordnet Verkehrszeichen wie Tempolimits oder Überholverbote an.
Land
Für Bau und Unterhaltung der L1218 ist das Land Baden-Württemberg zuständig. Die Umsetzung übernehmen die Straßenmeisterei Geislingen und das Regierungspräsidium Stuttgart.
Unterhaltung
Die Straßenmeisterei Geislingen beschafft, unterhält und entfernt Verkehrszeichen, Verkehrseinrichtungen und deren Betrieb – einschließlich Beleuchtung. Außerdem ist sie für die Reinigung, Grünpflege und den Winterdienst verantwortlich sowie für Unterhaltungsarbeiten wie die Reparatur von Schlaglöchern. Für größere Arbeiten wie einen Neu- und Ausbau ist das Regierungspräsidium Stuttgart zuständig.