Ludwigsburg/Marbach - Die Steillagen – sie sind Jahrhunderte alt und ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft. Aber sie sind bedroht. Die Bewirtschaftung ist schwierig, immer weniger Wengerter wollen oder können sich um die steilen Stückle kümmern. 29 Hektar Steillagen gibt es auf Ludwigsburger Gemarkung, nur noch 16 davon sind bewirtschaftet. In knapp zehn Jahren werden es nur noch sechs Hektar sein, nennt Bernd Wenger vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen Zahlen. „Da müssen wir gegensteuern.“
Gelingen soll das mit einem neuen Kooperationsprojekt von der Stadt Ludwigsburg und den Weingärtnern Marbach. Heldenschmiede heißt das Projekt – in Anlehnung an das Gebiet Neckarhälde und den Ende vergangenes Jahr auf den Markt gebrachten Neckarheld, einen trocken ausgebauten Steillagen-Trollinger aus dem Barrique-Fass der Weingärtner Marbach. Dieser wurde als Ludwigsburger Stadtwein verkauft und ein Euro pro Flasche sollte in die Erhaltung der Steillagen fließen. 2819 Euro sind zusammengekommen, unter anderem mit ihnen soll das Kooperationsprojekt gestemmt werden.
Wengerter auf Probe
Bei der Heldenschmiede geht es darum, dass die Teilnehmer als Wengerter auf Probeunter fachkundiger Anleitung das Einmaleins des Weinbaus kennenlernen. Ähnliche Projekte gibt es bereits in Roßwag und Benningen. Während der interessierte Wengerter-Nachwuchs dort aber gleich ein Stückle bewirtschaftet, baut man in der Barockstadt auf ein etwas anderes Konzept, wie Elmar Kunz von Tourismus und Events Ludwigsburg erklärt. Etwa einmal im Monat werden sich die Teilnehmer treffen und in der Heldenschmiede Stück für Stück alles Wissenswerte um den Weinanbau lernen – vom Rebschnitt über die Laubarbeiten bis hin zur Lese.
Nach einem Jahr im grünen Klassenzimmer im Weinberg Obenaus der Stadt bei der Schleuse Poppenweiler können sich die Teilnehmer entscheiden, ob sie selbst einen Wengert übernehmen, allein oder in der Gruppe, oder auch nicht. Oder ob sie sich einem Wengerter anschließen, der in absehbarer Zeit aufhören will. Ein ganzes Trainerteam steht für die Schulungen zur Verfügung, viele weitere Aktionen sind geplant, bei denen auch die Verkostung von Wein und das Miteinander nicht zu kurz kommen soll. Mitmachen kann jeder. „Das Projekt richtet sich an alle, die erst mal Interesse an Wein mitbringen“, erklärt Elmar Kunz.
Infoveranstaltung am 10. Juli
Bei einer Infoveranstaltung am Samstag, 10. Juli, stehen die Macher der Heldenschmiede Rede und Antwort. Anmelden hierzu kann man sich unter www.ludwigsburg.de/steillagenretter. Die Teilnahme an dem Projekt, das diesen Sommer beginnt und sich über das komplette kommende Jahr zieht, kostet 450 Euro, ermäßigt 350 Euro, und beinhaltet neben den Schulungen unter anderem auch zehn Flaschen „Helden-Wein“, der im Laufe des Weinjahres 2022 wachsen und gelesen wird.