Steillagen-Sterben Sommerrodelbahn in den Weinbergen und Flying Fox über den Neckar?
Erlebnisgastronomie, Tourismusattraktionen und mehr: Um die bedrohten Steillagen entlang des Neckars im Kreis Ludwigsburg zu retten, sind Visionen gefragt.
Erlebnisgastronomie, Tourismusattraktionen und mehr: Um die bedrohten Steillagen entlang des Neckars im Kreis Ludwigsburg zu retten, sind Visionen gefragt.
„Die Lage ist dramatisch“, sagen Experten über den hiesigen Weinbau generell und die Steillagen im Besonderen. Das ist entlang des Neckars im Landkreis Ludwigsburg nicht anders. „Wir werden die Flächen nicht halten können“, heißt es inzwischen immer wieder. Längst überraschen diese Aussagen von Wengertern und Weinmachern nicht mehr.
Auf der sprichwörtlichen Uhr steht es für die Steillagen nicht fünf vor zwölf, sondern eher zehn nach zwölf. Rettungsaktionen, wie die Projekte der Steillagen-Initiativen, werden keine Rückkehr zum Status Quo von vor einigen Jahren bewirken, sondern maximal einen Stillstand oder einen langsameren Verfall der Jahrhunderte alten Kulturlandschaft.
Das Nebeneinander von aufgegebenen und bewirtschafteten Arealen ist allerdings heikel. Brombeeren, Pilze und Schädlinge aus den verwilderten Stücken machen es denjenigen, die sich noch mit viel Aufwand um Steillagen-Parzellen kümmern, noch schwerer.
Beim Steillagen-Projekt „Wengerter auf Probe“ in Benningen ist man daher inzwischen dazu übergegangen, sich auf ein Kernstück des Hanges am Neckar zu konzentrieren, ebenso bei der Heldenschmiede Ludwigsburg. In Mundelsheim bei #wirgehensteil geht man noch einen Schritt weiter.
Ziel dort ist es, den Käsberg an der Neckarschleife als einzigartige Lage zu erhalten. „Es ist die einzige, die wir retten können. Wenn überhaupt“, sagt Joachim Klingler, der Sprecher von #wirgehensteil. Die Lage Mühlbächer Richtung Pleidelsheim hingegen sei nicht zu halten. „Langfristig, aber wahrscheinlich auch kurzfristig nicht.“ Deshalb versuche man, auch Parzellen zwischen den beiden Lagen zu tauschen, damit zumindest der Käsberg weiter bewirtschaftet wird.
Die Konzentration auf einige wenige Einzellagen ist das eine. Diese wiederum langfristig zu erhalten, das andere. Eine Handvoll Projekte und ihre großteils ehrenamtlichen Mitstreiter werden die Steillagen-Welt nicht alleine retten können. Was sind ihre Visionen, dass es gelingt?
„Wir müssen die Lagen erlebbar machen“, sagt etwa Marc Müller vom Verein Steillagen Hessigheim. „Es geht um das Erleben in der Natur, um die Natur erhalten zu können.“ Als Beispielsregionen, die das vorleben, nennt Müller das Allgäu oder Südtirol.
Und schon ist die Sommerrodelbahn durch die Steillagen im Gespräch oder eine Seilrutschbahn, Flying Fox genannt, über den Neckar. „Auch eine Erlebnisgastronomie in den Weinbergen wäre äußerst effektiv“, findet Joachim Klingler, befürchtet aber: „Das kriegen wir hier nie durch.“
Grundsätzlich, da sind sich die Steillagen-Retter einig, braucht es für den Erhalt der Kulturlandschaft am Neckar bessere Rahmenbedingungen, auch der Kreis und das Land seien in der Pflicht. Was es außerdem braucht, „ist das Interesse der Allgemeinheit“, so Klingler. Wichtig wäre, ergänzt, Müller: „Weniger Bürokratie und die Freiheit, geführten und gelenkten Tourismus etablieren zu können.“