Steinenbronn Auf Wut folgt Verständnis für die Parkscheiben-Pflicht

Auf dem Parkplatz eines Supermarkt in Steinenbronn wird seit Juni kontrolliert. Das macht Kunden teilweise unzufrieden. Die Marktleiterin erklärt, warum sie das tun muss.

Wer die Parkscheibe ins Auto legt, kann in dem Supermarkt in Steinenbronn anderthalb Stunden einkaufen gehen, ohne etwas zu befürchten. Foto: David Scheu
Wer die Parkscheibe ins Auto legt, kann in dem Supermarkt in Steinenbronn anderthalb Stunden einkaufen gehen, ohne etwas zu befürchten. Foto: David Scheu

Steinenbronn - Im ersten Moment hat sich Gerti Thanner-Meinecke wahnsinnig geärgert. Sie hatte viel im Kopf, war nicht aufmerksam genug und hatte deshalb übersehen, dass sich auf dem Parkplatz ihres Stammsupermarkts etwas geändert hatte: Seit Juni gilt bei Edeka Mummert in Steinenbronn eine Parkscheiben-Pflicht. Wer die Scheibe nicht auf die Armatur legt, riskiert, eine Vertragsstrafe in Höhe von 30 Euro zu kassieren. Ausgeteilt von Kontrolleuren des Parkraumbewirtschafters Park & Control.

Gerti Thanner-Meinecke ist gleich in den Supermarkt gestürmt und hat protestiert. Seit Jahr und Tag kenne man sich, und jetzt so etwas, gibt sie wieder, was ihr zunächst durch den Kopf gegangen ist. Inzwischen ist ihr Ärger verraucht. Gerti Thanner-Meinecke hatte Kontakt mit der Chefin des Supermarkts, und die hatte Argumente, die die Kundin gut versteht.

Marktleiterin: Es habe „ständig Theater“ gegeben

Sie habe keine andere Wahl, sagt Marina Mummert auch gegenüber unserer Zeitung. „Wir sind hier eingebaut“, sagt sie und meint, dass viele Anwohner den Ladenparkplatz mit 49 Stellplätzen nutzten. In Dettenhausen betreibe sie einen weiteren Markt, der sei um einiges größer, „aber da würde ich nie auf den Gedanken kommen, so etwas einzuführen“.

Wegen der Fremdparker gebe es schon seit den 14 Jahren, in denen sie den Markt führt, „ständig Theater“, sagt Marina Mummert. Theoretisch habe sie das Recht, Langzeitparker abschleppen zu lassen. „Aber das verärgert die Leute ja auch.“ Und viele der Anwohner seien nun mal gleichzeitig Kunden. Doch eben jene Anwohner würden die Parkdauer eben regelmäßig zu sehr ausdehnen. Teils würden sie ihre Autos dort von Freitagabend bis Montagfrüh parken. „Das geht einfach nicht“, sagt die Marktleiterin.

Dass Leute Supermarkt-Parkplätze als Gratis-Stellplatz nutzen, ist kein neues Phänomen. In Ortschaften wie Leinfelden-Echterdingen, Stuttgart-Plieningen oder Filderstadt – also nahe der Messe und des Flughafens – ist das ein Dauerthema. Hier sind längst Parkkontrolleure zugange, um die Stellplätze für Kunden freizuhalten.

Leider blieben auch die Beschwerden nicht aus

Die Schilder, die nun neuerdings bei Edeka Mummert in Steinenbronn auf die Parkscheiben-Pflicht hinweisen, stehen seit Anfang Juni, seit Ende Juni werde kontrolliert, erklärt Marina Mummert. Anderthalb Stunden dürfen mit Scheibe dort geparkt werden. Eine Folge: Gleich am ersten Abend sei der Parkplatz leer gewesen, „so wie es sich gehört“. Allerdings ließ auch der Protest nicht auf sich warten – von Kunden wie Gerti Thanner-Meinecke, die für sie überraschend einen Strafzettel hinter dem Scheibenwischer fanden. „Gestern hatte ich vier Beschwerden auf einmal“, sagt Marina Mummert. „Aber ich sehe auch die Chance, so viele Kunden persönlich kennenzulernen.“ Die meisten seien, wenn sie alles erklärt habe, „nicht mehr bös’“.




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