Steinenbronn Kündigungswelle schwächt die Verwaltung

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Im Rathaus müssen vier Stellen neu besetzt werden. Die Bewerberzahl ist nicht allzu groß. Der Ortsbaumeister geht offenbar auch, weil er sich mit dem Bürgermeister nicht versteht.

Im Rathaus Steinenbronn  häufen sich die Kündigungen. Foto: Thomas Krämer
Im Rathaus Steinenbronn häufen sich die Kündigungen. Foto: Thomas Krämer

Steinenbronn -

Es schien alles gut zu sein. Nachdem der Kämmerer von Steinenbronn, Hans-Dieter Bär, vor gut drei Jahren Verstärkung durch Sarah Kohler bekommen hatte, wurde er deutlich entlastet. Einige Jahresabschlüsse, mit denen er in Verzug gewesen war, konnte er nun vollenden.

Nachdem die stellvertretende Kämmerin jetzt aber gekündigt hat, kommt Bär wieder in Nöte. Er sieht die frühere Arbeitsüberlastung erneut auf sich zukommen. Denn Ortsbaumeister Buck kehrt ebenfalls der Verwaltung den Rücken. Bär muss deshalb auch in dessen Arbeitsbereich eingreifen. „Vor den Ferien habe ich bereits die Seilerstraße eingebracht“, sagt er. Die Planungen für die Neugestaltung hatte er im Gemeinderat vorgestellt und gemahnt, dass die Ortskernsanierung vorangetrieben werden müsse. Hinzu kommt, dass er den nächsten Haushalt aufstellen und den Jahresabschluss 2018 fertigstellen muss.

Wenig Bewerber

Die Aussichten auf Besserung sind nicht allzu rosig. Bisher liegt für die frei werdende Stelle in der Kämmerei nur eine Bewerbung vor. Noch dramatischer sieht es bei der Bauverwaltung aus. Als Ortsbaumeister hat sich noch niemand beworben und auch für die Stelle des Amtsleiters hat sich noch niemand interessiert. Letztere Position wurde auf Drängen des Gemeinderats neu geschaffen. Es hatte sich herausgestellt, das die praktische und die Verwaltungsarbeit im Ortsbauamt auf zwei Personen aufgeteilt werden muss.

Obwohl diese Aufgabentrennung eigentlich dem derzeitigen Ortsbaumeister Tobias Buck, der eher praktisch veranlagt sein soll, entgegen kommen müsste, hat er zum Jahresende gekündigt. Eine Auskunft von ihm über seine Beweggründe ist nicht zu bekommen. Aus dem Gemeinderat ist jedoch zu hören, dass er auch wegen Bürgermeister Johann Singer das Rathaus verlässt. „Da stimmt die Chemie einfach nicht“, sagt ein Gemeinderat. Singer habe dem Ortsbaumeister außerdem zu oft in die Arbeit reingeredet, obwohl der Bürgermeister von diesem Bereich eigentlich nichts verstehe.

Generell sei das Arbeitsklima im Rathaus nicht das Beste. „Da gibt es Amtsleiter, die nur noch per Mail miteinander kommunizieren“, sagt ein Gemeinderat. Der Bürgermeister sieht dies allerdings ganz anders. „Wir haben ein gutes Betriebsklima“, sagt der Rathauschef, der zur Zeit im Urlaub ist, angesichts der Bedeutung des Themas aber auf Anfrage unserer Zeitung selbst Stellung bezieht. Auch das Verhältnis zum Ortsbaumeister ist nach Singers Empfinden nicht getrübt. „Ich komme mit ihm sehr gut aus“, sagt er.

Mitarbeiter verbessern sich

Auch die übrigen Kündigungen haben nach Singers Einschätzung nichts mit dem Arbeitsklima zu tun. Simon Römmich, der offiziell Ende Juni als Ordnungsamtsleiter aufgehört hat, sei nun Hauptamtsleiter in Dettenhausen. Der Integrationsbeauftragte Kai-Uwe Romann habe eine bessere Stelle beim Landratsamt Reutlingen angetreten. Sonja Kaiser, die in Steinbronn fürs Bürgerbüro, den Friedhof und Märkte zuständig war, sei nun Chefsekretärin bei der Gemeinde Ufringen. „Sie hat sich ebenfalls verbessert“, sagt Singer, weil sie nun keine befristete Stelle mehr habe. Auch für Sarah Kohler gelte, dass sie nicht aus Frust gegangen sei. Ihr Mann, der nach dem Referendariat eine Lehrerstelle gesucht habe, sei leider nicht im Regierungsbezirk Stuttgart, sondern im Schwarzwald fündig geworden. „Den Weggang von Frau Kohler bedauern wir sehr.“

Inwiefern sich die Schwächung der Verwaltung auf die Gemeinde auswirken wird, ist offen. Gemeinderäte fürchten dies allerdings. „Die Kündigungen kommen zur Unzeit“, heißt es. Der Gemeinderat habe sich erst neu konstituiert und der Bürgermeisterwahlkampf stehe ins Haus.