Steinenbronn Verwirrung um Baumaterial fürs Jugendhaus

Von Florian Dürr 

Fehlt es an Material beim Neubau des Steinenbronner Jugendhauses? Die Gemeinde und der Architekt Ruoff haben da eine andere Meinung als ein Gemeinderat der CDU, der die ehrenamtlichen Jugendlichen beim Bau unterstützt.

Ende März 2019 begann der Abrissbagger mit seinen Arbeiten am maroden Gebäude des italienischen Kulturvereins „Circulo“. Ein Neubau folgte – auch, um Platz zu machen für ein neues Steinenbronner Jugendhaus. Doch der Bau stockt. Foto: Archiv/Malte Klein
Ende März 2019 begann der Abrissbagger mit seinen Arbeiten am maroden Gebäude des italienischen Kulturvereins „Circulo“. Ein Neubau folgte – auch, um Platz zu machen für ein neues Steinenbronner Jugendhaus. Doch der Bau stockt. Foto: Archiv/Malte Klein

Steinenbronn - Frank Schweizer hat sich mächtig unzufrieden gezeigt, als es bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Steinenbronn um den Neubau des Jugendhauses und des Vereinsheims Circolo ARCES Steinenbronn gegangen ist. „Es geht voran, wenn Material da wäre“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Anfang vergangener Woche. „Am Freitagabend habe ich selbst noch Material organisiert. Die Elektroarbeiten waren für Oktober geplant, aber müssen jetzt auf November verschoben werden, weil die Vorarbeit nicht geleistet werden konnte. Da muss sich was ändern.“

Schweizer, Inhaber einer Heizungs-und Sanitärfirma und mit Fachwissen ausgestattet, unterstützt die Jugendlichen beim Bau des Jugendhauses. Er berichtete, im Durchschnitt würden sechs bis sieben junge Leute zwischen 16 und 23 Jahren mithelfen. „Was da ehrenamtlich geleistet wird, kann man nicht hoch genug ansehen. Da ist so viel Motivation da“, sagte Gitta Obst, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Vereinigung (FWV). Doch nun stockt der Bau – und es herrscht reichlich Verwirrung um die Materialbeschaffung.

Neubau komplett in Eigenleistung nicht möglich

Denn Architekt Friedrich Ruoff entgegnete auf Schweizers Aussagen: „Ich wäre froh, wenn das Material, was vorhanden ist, mal verarbeitet wird. Das Problem ist, dass es Arbeiten gibt, die nur Fachleute machen können.“ Es sei zwar geplant gewesen, das Jugendhaus komplett in Eigenleistung durch Ehrenamtliche zu erbauen. Doch: „Daraus wurde dann damals geschlossen, dass dann auch die entsprechende Kompetenz da ist“, sagte Ruoff. Nun habe sich herausgestellt, dass die Idee vom Bau in Eigenleistung beispielsweise für Brandschutzleistungen nicht umsetzbar sei.

Auf den Vorwurf des fehlenden Materials ließ Steinenbronns Ortsbauamt-Leiterin Sabrina Fritsch nach Rücksprache mit Bürgermeister Johann Singer mitteilen: „Auf der Baustelle ist ausreichend Trockenbaumaterial vorhanden, das von den Jugendlichen verarbeitet werden kann.“ Noch nicht bestellt sei hingegen das notwendige Brandschutzmaterial, weil „die Verarbeitung nur von sachkundigen Fachhandwerkern ausgeführt werden kann“, berichtete Fritsch. Mit dem Architekten sei daher vereinbart worden, dass dieser nach einer fachkundigen Person suchen werde, die die Brandschutzarbeiten überwacht und die Anweisungen erteilt.

Gesamtkosten gestiegen, Datum der Fertigstellung ungewiss

Frank Schweizer vermutet in diesem Fall ein Kommunikationsproblem zwischen Ortsbauamt und Architekt. „Es muss geklärt sein, wer das Material bestellt“, forderte er. Auf Nachfrage bei der Gemeinde, wer für die Beschaffung des Materials zuständig ist, ließ Sabrina Fritsch vom Ortsbauamt ausrichten: „Bisher hat das Ortsbauamt der Gemeinde Steinenbronn nach Angaben des Architekturbüros Ruoff oder nach Anforderung durch die Baustelle Material bestellt. Das Brandschutzmaterial kann erst nach Abstimmung mit dem fachkundigen Trockenbauer bestellt werden.“

Im Sommer des vergangenen Jahres begann der Bau des Jugendhauses. Im Steinenbronner Haushalt von 2019 waren noch Gesamtkosten von rund 450 000 Euro veranschlagt, inzwischen würden sich die reinen Baukosten auf rund 491 000 Euro belaufen, berichtete Ruoff. „Wir haben die Kostenrechnung wegen der Preisentwicklung angepasst. Je länger ein Projekt dauert, desto stärker weicht die Summe von der veranschlagten ab“, erklärte der Architekt. Aus dem Ortsbauamt heißt es hingegen: „Der aktuelle Kostenstand kann nicht angegeben werden, weil der letzte Stand der Rechnungen für die von den Ehrenamtlichen verbauten Materialien nicht vorliegt.“

Ursprünglich angedacht war eine Bauzeit von einem Jahr, erklärte der Architekt Ruoff, er betont aber: „Es war klar, dass das keine allzu belastbare terminliche Vorhersage ist, weil man eben viel mit Ehrenamtlichen macht.“ Wann das Jugendhaus fertig wird, ist also ungewiss: „Ich bin aktuell nicht in der Lage, da eine Aussage zu treffen“, so Ruoff.




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