Steinenbronn Vogelhäuschen in explosiver Lage

Von Gabriel Bock 

Wer einen Waldweg baut und dafür Bäume umhaut, muss der Natur auch wieder etwas zurückgeben. Die Steinenbronner hatten eine besonders rafinierte Idee. Ein Trafohäuschen, von dem es einst hieß, es könne in die Luft fliegen, wurde zum Vogel-Hochhaus. Die ersten Mieter sind aber noch nicht eingezogen.

Vier verschiedene Nistkastenarten hängen jetzt am Trafoturm Foto: Gabriel Bock
Vier verschiedene Nistkastenarten hängen jetzt am Trafoturm Foto: Gabriel Bock

Steinenbronn - Das neue Steinenbronner Hochhaus steht nicht im Ortskern, sondern an der Kläranlage. Sein Baustil erinnert eher an vergangene Plattenbauten, die ockergelbe Wandfarbe scheint einem 70er-Jahre-Albtraum entsprungen. All das wird die neuen Bewohner aber nicht stören. Die sind nämlich nicht menschlich, sondern Vögel, Fledermäuse und Insekten. Der Turm ist natürlich auch kein Wohnhaus, sondern das ehemalige Umspannwerk der Steinenbronner Kläranlage. Bis 2016 wurde hier Starkstrom in Betriebsstrom für das Klärwerk umgewandelt. Dann war der Turm so marode, dass Experten sogar fürchteten, es könne zu einer Explosion kommen. Das Trafohäuschen wurde stillgelegt, direkt daneben befindet sich jetzt ein neues.

Der alte Turm stand seitdem leer. Bis die Gemeinde angefangen hat, im Waldgebiet Kreuzhau einen Waldweg zu bauen. „Für so einen Eingriff müssen wir immer eine Ausgleichsmaßnahme schaffen“, sagt Simon Römmich von der Gemeindeverwaltung in Steinenbronn. Deshalb griff man auf eine Idee des örtlichen Naturschutzbundes Nabu zurück. Die Ortsgruppe hatte vorgeschlagen, an dem alten Turm Nistmöglichkeiten für Fledermäuse zu schaffen.

Schließlich entstand ein ganzer Wohnturm für Tiere. In mehreren Etagen soll die Fauna jetzt Einzug halten. Im untersten Stock bieten drei gelbe Kästen den bedrohten Wildbienen ein zuhause. „Die brauchen aber noch eine Wildblumenwiese“, sagt Nabu-Sprecherin Susanne Frisch.

Sogar ein Professor hat an dem Vogel-Hochhaus mitgewirkt

Eine Etage höher hängen graue Kästen für Fledermäuse, sie haben sogar extra eine Fledermaus-Silhouette. In die braunen Kästen darüber sollen einmal Dohlen, eine Singvogelart, einziehen. Direkt unter dem Dach gibt es Kästen mit kleinen Öffnungen für Mauersegler. Das ist ein mit der Schwalbe verwandter Vogel, der vorzugsweise an alten Gemäuern nistet und sonst fast sein ganzes Leben in der Luft verbringt. Und sogar Wohngemeinschaften gibt es im alten Trafoturm. „In den eckigen grauen Kästen können vorn zwei Mauerseglerfamilien unterkommen, während am hinteren, unteren Ende Fledermäuse einfliegen können“, sagt Frisch.

Jedoch wurden nicht nur außen am Turm Kästen aufgehängt. Er hat auch eine neue Inneneinrichtung bekommen. Susanne Frisch erklärt: „Auf der Nordseite haben wir ein Fenster zum Einflug für Fledermäuse umgebaut. und innen gibt es weitere Nistplätze, da die Fledermäuse es lieber eng mögen, wenn sie nisten.“ Der Nabu ist von der Notwendigkeit der Kästen überzeugt. „2015 konnten mehr als zehn verschiedene Fledermausarten nachgewiesen werden. Der Wohnraum wird dringend gebraucht“, meint Susanne Frisch.

Beim Aufbau haben Gemeinde und Nabu eng zusammengearbeitet. Gemeinsam mit dem Fledermausfachmann Ewald Müller, einem emeritierten Professor der Universität Tübingen, wurden die Kästen genau geplant. „Wichtig war sowohl die Höhe, in der wir die Kästen aufgehängt haben, als auch deren Material, sogenannter Holzbeton. Der ist im Sommer kühl, wärmt aber im Winter“, erklärt Frisch. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Bauhofs haben die Naturschützer die Kästen aufgehängt, bezahlt hat die Rechnung natürlich die Gemeinde. „Insgesamt hat die Maßnahme etwa 2400 Euro gekostet“, sagt Simon Römmich. Jetzt sind alle gespannt , wann die ersten Bewohner einziehen. Vielleicht hilft ja der angespannte Wohnungsmarkt.