Steinenbronn/Waldenbuch Fahrgäste kritisieren chaotische Zustände

Von und Jacqueline Fritsch 

Seit einigen Tagen werden die Buslinien 826 und 828 von einem neuen Betreiber verantwortet. Doch der Wechsel verlief alles andere als reibungslos. Nun hagelt es Kritik aus Steinenbronn und Waldenbuch.

Bei der offiziellen Verkündung des Betreiberwechsels herrschte bei der anwesenden Lokalprominenz noch gute Laune. Foto: Malte Klein
Bei der offiziellen Verkündung des Betreiberwechsels herrschte bei der anwesenden Lokalprominenz noch gute Laune. Foto: Malte Klein

Steinenbronn/Waldenbuch - Der Busverkehr zwischen Leinfelden und Echterdingen über Steinenbronn und Waldenbuch läuft seit dem Fahrplanwechsel am vergangenen Sonntag nicht rund. Diesen Eindruck haben Lokalpolitiker in den Gemeinderäten von Steinenbronn und Waldenbuch und verlangen Besserung. Betroffen sind die Linien 826 und 828.

Seit gut einer Woche fahren nicht mehr die Busse von Regiobus Stuttgart (RBS), sondern die von dessen Tochterfirma Friedrich-Müller-Omnibus (FMO). Beides sind wiederum Firmen der Deutschen Bahn. Bisher wurden für Buslinien Konzessionen vergeben. Doch seit 2009 gibt es eine EU-Verordnung, die eine europaweite Ausschreibung der Linien vorsieht.

Schulkinder warteten vergebens auf den Bus

Bei der Verkündung Ende November war jedenfalls die Freude über den Wechsel hin zu FMO groß. Waldenbuchs Bürgermeister Michael Lutz sprach über die neuen Busse, die WLAN, Gepäckregale und Haltestellenanzeigen haben, und den Betreiberwechsel äußerst positiv: „Es beginnt eine neue Ära in der Welt des Busverkehrs in den Kreisen Böblingen und Esslingen.“

Zumindest bei einigen Fahrgästen ist nach der Anfangseuphorie Ernüchterung eingekehrt. Kritik kam etwa aus Steinenbronn . Frank Schweizer (CDU) erzählte am Rande der Gemeinderatssitzung am Dienstag, was sein Kind auf dem Weg zur Schule erlebt hat: „Bisher fuhr morgens ein Gelenkbus. Jetzt kam ein kürzerer Bus, der an der Haltestelle Goldäcker vorbei gefahren ist.“ So voll sei er gewesen. „Die Kinder, die dort an der Haltestelle standen, haben Panik bekommen“, sagt er. Seine Ratskollegin Antje Lindemeyer (SPD) erzählte Ähnliches: „An dem Montag ist die Hälfte der Kinder von ihren Eltern nach Leinfelden-Echterdingen gefahren worden.“ Außerdem monierte sie, dass zumindest am Montag noch Fahrpläne an den Haltestellen fehlten.

Im Rathaus rufen aufgebrachte Fahrgäste an

Auch in Waldenbuch läuft seit Sonntag einiges schief. Tina Rapp wohnt mit ihren drei Kindern im Stadtteil Glashütte und beschwerte sich in dieser Woche bereits mehrere Male bei FMO. „Ich glaube, die neuen Busfahrer wissen gar nicht, wo Waldenbuch ist und in der Glashütte wird man sowieso vergessen“, sagte sie. Manche Busse kämen überhaupt nicht, andere zu früh oder zu spät. Und selbst wenn sie pünktlich fahren würden, wären sie nun noch schlechter auf die Schulzeiten in Waldenbuch abgestimmt als vorher: „Bisher musste meine Tochter immer fünf Minuten früher aus dem Unterricht gehen, um den Bus zu kriegen, jetzt sind es schon zehn“, sagte Rapp. Außerdem müssen die Schüler wohl jedes Mal den Fahrer fragen, ob der Bus wirklich nach Glashütte fahre, denn die Situation sei unübersichtlich. „Die Verspätungen sind so groß, dass man nicht mehr weiß, welcher Bus das ist, der da jetzt kommt“, sagt die Mutter, „das kann man den Kindern auf Dauer nicht zumuten.“ Rapp ist froh, dass bald die Weihnachtsferien anstehen und hofft, dass es im Januar besser wird.

Bei Simon Römmich, dem Steinenbronner Ordnungsamtsleiter, sind über die Woche immer wieder Beschwerden eingetrudelt. Offenbar häuften sich diese, sodass er das ÖPNV-Amt im Landratsamt bat, mit FMO Kontakt aufzunehmen. „Wir haben darum gebeten, dass die Busse pünktlich kommen sollen, dass es keine Ausfälle geben darf und Busse nicht an der Haltestelle durchfahren.“ Außerdem hätten Fahrgäste vom ruppigen Ton einiger Fahrer erzählt. „Ich habe Verständnis dafür, dass das Unternehmen neu ist. Aber es könnte besser laufen.“

Die Deutsche Bahn bittet für die FMO um Entschuldigung

Für FMO nimmt ein Sprecher der Deutschen Bahn Stellung: „Unsere Mitarbeiter vom Fahrpersonal bis zur Geschäftsleitung geben ihr Bestes, um die Probleme, die in den ersten Tagen nach der Betriebsaufnahme teilweise aufgetreten sind und sicher nicht ungewöhnlich sind, abzustellen.“ Er bittet um Entschuldigung, dass manche Fahrer die Strecke noch nicht kennen: „Wir bitten vielmals um Entschuldigung, dass unser Fahrpersonal in Einzelfällen eventuell noch nicht die notwendige Streckenkenntnis besessen hat.“ Es werde Nachschulungen geben, die dann auch die Pünktlichkeit verbessern würden. Er ging auch auf verspäteten Busse am Morgen ein, die die ersten Fahrten des Tages bedienen würden. Demnach fahren drei Gelenkbusse von Waldenbuch nach Leinfelden, die etwa die Haltestelle Steinenbronn Kirche um 7.00, 7.06 und 7.13 Uhr verlassen. Veränderungen seien möglich: „Es besteht die Möglichkeit, die Busse früher starten zu lassen, damit eine rechtzeitige Ankunft zum Unterrichtsbeginn gewährleistet wird.“